Gehaltsspannen in Stellenanzeigen: Pokern ums Gehalt
Nur jede achte Stellenanzeige hierzulande enthält eine konkrete Gehaltsangabe. Damit gehört Deutschland bei Gehaltstransparenz zu Europas Schlusslichtern.
Foto: Jens Kalaene/dpa
afp | Das Gehalt ist bei der Jobsuche eines der wichtigsten Kriterien – in Deutschland enthält einer Untersuchung zufolge aber nur rund jede achte Stellenanzeige (12,5 Prozent) eine konkrete Gehaltsangabe. Deutschland sei damit Schlusslicht in Europa, erklärte am Freitag die Jobseite Indeed. Sie analysierte nach eigenen Angaben „Millionen Stellenanzeigen in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Irland, Spanien und den Niederlanden“.
Großbritannien führe das Ranking mit 56 Prozent deutlich an, erklärte Indeed am Freitag. Darauf folgen die Niederlande (48 Prozent), Frankreich (43 Prozent) und Irland (39 Prozent). In Italien stieg der Anteil der Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe binnen eines Jahres von 22 auf 36 Prozent.
Bis 7. Juni muss die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden – ihr Ziel ist es, durch verpflichtende Angaben Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern zu verringern und für mehr Fairness am Arbeitsmarkt zu sorgen. Arbeitgeber müssen demnach Gehaltsspannen in Stellenanzeigen angeben.
Wie offen Arbeitgeber Gehälter angeben, hängt der Indeed-Analyse zufolge stark vom Berufsfeld ab – Reinigungsdienste nennen demnach in knapp 35 Prozent der Stellenanzeige die Vergütung, in der Sicherheitsbranche seien es 23,5 Prozent. In Büro- und Wissensberufen dagegen sind Gehaltsangaben rar: In der Architektur etwa stehen sie in 6 Prozent der Stellenanzeigen, in der IT in 5 Prozent.
Wirtschaftswissenschaftlerin Lisa Feist von Indeed erklärte, in den vergangenen Jahren sei die offene Gehaltskommunikation vor allem als Lockmittel in Zeiten des akuten Fachkräftemangels eingesetzt worden. „Da der Rekrutierungsdruck nachgelassen hat, fallen viele Unternehmen in alte Muster zurück.“
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