Geburtstagsgruß für Prince in Berlin: Ehrerbietung im Peacock-Stuhl
US-House-DJ Moodymann feierte in Berlin das Werk von Funk-Superstar Prince: Videoclips und weniger bekannte Songs betonten neue Facetten von dessen Universum.
Moodymann entschuldigt sich gleich zu Anfang: Seine Schallplatten hat er nicht mitgebracht ins Berliner Haus der Visionäre. Aus Angst, sagt er, dass sie unterwegs verloren gehen. Nur zu Hause in den USA legt der House-DJ und -Produzent Vinyl auf, weil er da mit dem Auto zu den Gigs fährt.
Das Wort Fan kommt bekanntlich vom englischen Adjektiv fanatic, fanatisch. Und Kenny Dixon Jr., wie Moodymann eigentlich heißt, ist ein regelrechter Prince Ultra: ein Super-Fan des Superstars aus Minneapolis.
Begehbarer Schrein in Lila
Seit seinem 15. Lebensjahr sammelt Moodymann die Platten von His Royal Purpleness. Inzwischen hat er in Detroit ein ganzes Haus, das er als Studio nutzt, in einen begehbaren Schrein zu Ehren seines Idols eingerichtet. Es ist von oben bis unten mit Devotionalien vollgestopft samt lila Vorhängen vor den Fenstern.
Bis heute hat er noch nicht alle Aufnahmen aus seinem umfangreichen Archiv aus Kassetten, 8-Tracks und Schallplatten mit unveröffentlichten Liedern, Demos und Live-Mitschnitten digitalisiert. Nach Berlin habe er nur sieben Prozent seines Bestands mitgebracht, schätzt Moodymann lässig: neben viel Musik auch jede Menge Videoclips von Konzerten.
Zehn Jahre ist es her, dass Prince verstarb. Anlässlich dieses Jahrestags fand im Haus der Visionäre eine Veranstaltungsreihe zum Gedenken an den US-Ausnahmemusiker statt. Unter dem Titel „Heaven U Wish 4 Purple“ wurden dort seit seinem Todestag am 21. April wöchentlich Konzerte, DJ-Sets, Workshops und Talks abgehalten. Den Abschluss bildete der Auftritt von Moodymann an Princeʼ Geburtstag am 7. Juni.
Eindeutig vom Idol geprägt
Kenny Dixon Jr. begann in den Neunzigern erste Platten zu veröffentlichen. Gleich sein Debütalbum „Silentintroduction“ (1997) verändert die House-Musik für immer. In seinen Tracks verbindet Moodymann Gospel, Jazz und Soul miteinander. Vor allem aber enthalten sie eine gehörige Portion Funk, der eindeutig von Prince geprägt ist.
So basieren einige seiner Tracks auf Samples von Prince, etwa „U Can Dance If U Want 2“ (1997) mit einer Zeile aus „All the Critics Love U in New York“ von 1982. Neben der Musik von Prince dürften noch andere Gründe für seine glühende Verehrung eine Rolle spielen. Wie Moodymann hat Prince seine Heimatstadt immer gestärkt. Auch die Verweigerungshaltung gegenüber der Musikindustrie und die Do-it-Yourself-Haltung haben beide gemein.
Das Verhältnis von Prince zu House ist indes etwas kompliziert. Der Kulturkritiker Greg Tate sah in dem Stück „Housequake“ (1987) einen Seitenhieb auf den damals frischen Sound aus Chicago. Später ließ Prince Remixe seiner Stücke von dem New Yorker DJ Junior Vasquez und dem House-Pionier Steve „Silk“ Hurley anfertigen.
Er besuchte regelmäßig Clubs, nicht zum Tanzen, sondern, um dem Treiben auf und neben dem Dancefloor zuzuschauen. Beeindruckt zeigte er sich nicht so sehr von den musikalischen Innovationen aus dem Untergrund. Eine wichtige Inspirationsquelle für das Prince-Album „Diamonds and Pearls“ (1991) war der Dance-Megahit „Gonna Make You Sweat (Everybody Dance Now)“ von C & C Music Factory.
Bereits in Montreux und Wien hat Moodymann sein Prince-Programm mit Raritäten aus seiner Sammlung vorgestellt. Ob dieses Format als Höhepunkt eines Clubabends funktioniert, sei dahingestellt. In Berlin sitzt Moodymann auf einem Peacock Chair, die Bühne leicht erhöht. In so einem Korbstuhl ließ sich auch der Black-Panther-Anführer Huey P. Newton 1967 fotografieren, was dem Möbel eine politische und popkulturelle Aufladung verlieh.
Viel Unveröffentlichtes
Moodymann lässt sich nicht fotografieren. Die Kapuze seines schwarzen Hoodies tief ins Gesicht gezogen, nickt er hin und wieder mit dem Kopf. Hinter ihm hängt eine Projektionsfläche. Vor und zwischen den Liedern macht Dixon mit seiner sonoren Stimme kurze Ansagen. Die Auswahl wirkt spontan. Videos aus unterschiedlichen Schaffensperioden von Prince wechseln mit Soundfiles ab. Wie zu erwarten, gibt es viel Unveröffentlichtes zu hören, wie etwa ein Police-haftes Stück von 1981, und alternative Versionen, darunter eine lange Fassung der B-Seite „17 Days“ oder der zehnminütige, großartige Remix von „I Wish U Heaven“.
Zwar lässt Moodymann den unbändigen, kreativen Geist von Prince am späten Sonntagabend wiederauferstehen. Eine rauschende Abschlussfeier steht aber noch aus. Vielleicht kann DJ Rashida, die früher regelmäßig für Prince aufgelegt hat, noch einmal vorbeischauen.
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