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Verjüngte Fanbase von US-Popstar PrinceTransformation klingt besser im lila Regen

Der Tod des Musikers Prince hat vor zehn Jahren eine Lücke hinterlassen. Darüber trösten ein Fanbuch, ein DJ-Set und unveröffentlichte Songs hinweg.

Vor Kurzem bebte das Internet, und der Blätterwald rauschte extra in Lila: wegen Prince. Zu seinem zehnten Todestag am 21. April war das, ausgerechnet in dem Monat, über den er einst einen seiner berührendsten Songs geschrieben hat: „Sometimes it Snows in April“. Schon zu Lebzeiten war der US-Künstler einer der größten Popstars. Aber sein Tod 2016 im Alter von nur 57 Jahren hat ganz offenbar für viele Menschen eine schmerzliche Lücke hinterlassen. Nichts fühlt sich mehr so funky an wie früher!

Am 7. Juni würde Prince 68. Geburtstag feiern. Da passt es, dass in der Reihe „100 Seiten“ im Reclam-Verlag auch ein Prince-Bändchen der Hamburger Autorin Rebecca Spilker erschienen ist. Ein schmales, informatives Werk, das sich vor allem an junge Menschen richtet, die mit 100 Seiten funky Fanprosa überzeugt werden sollen. Aber auch für altgediente Prince-Ultras lassen sich Spilkers Anekdoten gut mit denen der eigenen Biografie abgleichen. Das Lebensgefühl im Westdeutschland der 1980er. Das fehlende Selbstbewusstsein. All die nervigen Fragen von Coolness werden gewinnbringend verhandelt.

Und dann tritt da so ein kleiner „Shy Guy“ aus Minneapolis auf die Weltbühne, der selbst nicht weniger schüchtern wirkte als ein Durchschnittsteenie in, sagen wir, Mannheim, aber als Musiker eine unfassbare Energie entwickelte! Heute würde man Empowerment dazu sagen! Wir lesen von den gesundheitlichen Problemen mit seiner Hüfte und einer daraus resultierenden Fentanyl-Abhängigkeit sowie von seiner Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas. Und das, obwohl er immer ein Vorbild für die queere Community war – lange bevor der Begriff der Queerness im Polaritätsfeld zwischen Woke und Antiwoke hochgejazzt wurde.

Provokant ohne Ende

Tatsächlich kann man sich gegenwärtig fragen, ob es den Menschen damals nur am nötigen Vokabular zur kulturellen Eskalation oder nicht doch eher an den sozialen Medien gefehlt hat, denn provokant waren Prince und seine Popmusik ja ohne Ende. Aber es war damals vor allem den Gazetten des Mainstreams vorbehalten, sich darüber zu echauffieren. Und das war natürlich nicht selten Teil eines teuflischen Marketingplans seiner Plattenfirmen. Und wer Prince zu eklig fand, der hat damals halt einfach Rick Astley gehört.

Album, Song, Buch, DJ-Set

Prince and the Revolution: „Around the World in a Day. Deluxe“ (NPG/Paisley Park)

Prince: „With this Tear“ (Sony)

Moodymann plays Prince. (DJ-Set) 7. Juni 2026, Berlin „Haus der Visionäre“

Rebecca Spilker: „Prince. 100 Seiten“. Reclam-Verlag, Ditzingen 2026, 100 S., 12 Euro

Rebecca Spilker sucht in ihrem Buch nach dem Menschen hinter der Kunstfigur und dem polarisierenden Medienprodukt; sie gibt sich mit Geniebegriffen und anderen Superlativen nicht zufrieden. Was allerdings auch nicht so leicht ist, da Prince sehr wenig über sich und sein Privatleben preisgab. Viel lieber nahm er uns in Bowie-Manier mit auf seine schier endlosen Sinnsuchen und Transformationsprozesse.

Musikalisch blieb er immer an der Schwelle zwischen der afroamerikanischen Musiktradition aus dem Geist von Gospel, also Soul und Funk, und dem kühlen Inszenieren der New-Wave-Bewegung, vor allem Künst­le­r:In­nen aus England von den Cocteau Twins bis zu The Human League hatten es ihm angetan. Dieser Spagat war außergewöhnlich! Wir sprechen schließlich von einer Zeit, in der es im Schallplattenfachgeschäft noch das Fach „Black Music“ gab.

Streit mit der Plattenfirma

Seit dem Tod des Superstars, 2016, bringt seine ehemalige Plattenfirma Warner, mit der er sich bekanntermaßen oft im Streit befand, sündhaft teure Luxusversionen berühmter Prince-Alben mit alternativen Mixen und B-Seiten heraus. Aus Wut über den Plattenvertrag mit Warner änderte er einst sogar seinen Künstlernamen, verwendete statt Prince das „Love Symbol“ und schrieb sich „Slave“ auf die Wange.

Warner veröffentlicht aktuell sein Signaturwerk „Around the World in a Day“ als Dreifach-Albumversion erneut. Es lohnt sich allein wegen der extralangen Version des Songs „America“, der nun über eine komplette Vinylseite geht und trotzdem nicht langweilig wird. Ein fast 22 Minuten langer Jam, in dem Prince mit seiner damaligen Band The Revolution in bester P-Funk-Manier performt. Prince tritt bei dieser Session vor allem als virtuoser Gitarrist in Erscheinung.

America ist ein Song, der zu seiner Entstehungszeit 1985 mitten in die Reaganomics, die Wirtschaftsreform des konservativen US-Präsidenten Ronald Reagan, hineingrätscht. Prince verfremdet in bester Jimi-Hendrix-Manier die Nationalhymne „The Star-Spangled Banner“ und stellt in seiner Fassung des Songs den idealisierten US-Traum von Freiheit einer harten Realität der Straße gegenüber.

Lasst den Kids ihre Freiheiten

Aber am Ende des Refrains steht eine zeitlose, gospelartige Affirmation: „America, America, keep the Children free!“. Das nennt man wohl: Musikgeschichte schreiben! So ein Stück wäre in der heutigen Streamingwelt undenkbar. Also, dass eine Major-Plattenfirma eine 22-minütige Version eines Songs produzieren lässt und diese auch noch veröffentlichen würde. Ein 30-sekündiges langes Zwischenspiel wird eben genauso monetarisiert wie ein 22-minütiges Stück mit endlosem Solo auf der Gitarre.

Es ist überhaupt sehr schade, dass Prince sich nicht mehr in die aktuellen Musikökonomie-Diskurse einmischen kann. Er hätte sicherlich eine sehr radikale, erfrischende Meinung zu allen möglichen Fragen von Urheberrechten, über KI, bis Ticketing gehabt.

Ansonsten dürfen sich seine alten und neuen Fans auch 2026 über bisher unveröffentlichte Songs aus seinem Nachlass freuen. Das zeigt einmal mehr die offizielle Veröffentlichung von „With This Tear“, einem Lied, das er ursprünglich Anfang der 1990er für seine kanadische Kollegin Céline Dion komponiert hatte. Jahrzehntelang kursierte seine eigene Version nur als Bootleg, nun ist sie endlich offiziell im Internet zu hören.

Zum Prince-Geburtstag am 7. Juni legt die Detroiter Houselegende Moodyman zu Ehren des Meisters ein DJ-Set im Berliner Haus der Visionäre auf. Moodyman gilt als einer der größten Prince-Verehrer. Wenn wir uns seinen Einfluss auf die House-Musik weltweit bewusst machen, wird schnell klar, welchen Einfluss Prince folgerichtig auch auf dieses funk- und discobeeinflusste Dancefloorgenre haben dürfte.

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Und nochmal zurück zur Verjüngung von Prince-Fans: Ein Generationswechsel hat spätestens seit der letzten Staffel der US-TV-Serie „Stranger Things“ eingesetzt. Denn darin wurde das Prince-Album „Purple Rain“ immer wieder prominent in Szene gesetzt. Alles Weitere steht auf Rebecca Spilkers liebevollen 100-Seiten.

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