G7, Italien und Thorsten Schäfer-Gümbel

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Drohgebärden in Biarritz, suizidale Koalitionen in Italien und ein populär formulierender SPD-Chef. Außerdem: „Pizza-Grönland“ im Angebot.

Thorsten Schäfer-Gümbel an einem Redepult, der Hintergrund ist rot mit zahlreichen SPD-Logos

Verschonungswerte, Freibeträge, Vermögenswert – die Sozis wissen einfach, wie man populär formuliert Foto: Stefan Boness/Ipon

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Eine US-Astronautin soll vom All aus auf das Konto ihrer Partnerin zugegriffen haben.

Was wird besser in dieser?

Ausschneiden und parat halten, wenn die Bank mal wieder über meine Überweisungszettel-Hieroglyphen jammert.

Einer Umfrage zufolge sind viele deutsche Touristen genervt von digitalen Urlaubsfotos. 22 Prozent nölen dabei wegen überfüllter Sehenswürdigkeiten, jeder Fünfte ärgerte sich darüber, dass er Bilder wieder löschen musste, weil der Handyspeicher voll war. Entsprechen diese Zahlen nicht auffällig dem AfD-Wähleranteil in Ostdeutschland?

51 Prozent gaben in der „Bitcom“-Umfrage an, genervt zu sein, 59 Prozent gestanden, selbst zu posten: Die Analogie mag eher darin liegen, dass Leute sich selbst auf die Nuss gehen. Oder darin, an „Meinungsmache“-Para­noi­ker gemahnend: Vielen wäre recht, wenn ausschließlich ihre eigenen Urlaubsfotos gepostet würden. Geschieht dem Internet recht, jetzt hat es den gefürchteten Zwangsdiaabend mit schnellvermürbenden Salzstangen an der Backe.

Am Wochenende fand in Biar­ritz der G7-Gipfel statt. Hat er die Welt besser gemacht?

„Die beiden blonden Männer verstanden sich prächtig“, meldet die „Tagesschau“ über das Treffen Trump/Johnson. Derselbe Satz über zwei Politkerinnen und Vorwarnung Hashtag-Alarm. Ansonsten gab’s Drohgebärden im Handelskrieg, „globale Ungleichheit“ und brennenden Regenwald als aktuellen Themenwunsch des Gastgebers. Und einen angewandten Merkelismus: Trump wollte die Russen wieder dabei haben, was die Kanzlerin ablehnte, um anschließend zu insistieren, es sei „besser, miteinander zu reden als übereinander“. Im Vorjahr gab Trump seinen Gesprächen „die Bestnote zehn“, dieses Jahr hingegen erlebte er „die besten Gespräche jemals“, und zwischendurch schoss er dem Abschlussdokument in den Rücken. Man sprach deshalb von „6+1“-Gesprächen. Mit Johnson liegen sie jetzt bei „5+2“.

Italien sozialdemokratischer Staatspräsident Sergio Mattarella hat den Parteien bis Dienstag Zeit gegeben, sich auf konkrete Koalitionsgespräche zu verständigen. Wird das was – oder fänden Sie ohnehin Neuwahlen für Italien besser?

Ein Kaufangebot von Trump („Pizza-Grönland“) wäre eine Option. Italien ist verschuldet wie sonst nur Griechenland, ein Haushalt liegt nicht vor und wenn, dann schreddert er alle EU-Kriterien. Zudem stehen nur absurde oder suizidale Koalitionen zur Verfügung. Mit anderen Worten: das Ding rollt vor die Wand oder jemand schlachtet sich weg. Wer schnippst mit dem Finger? Die PD-Sozialdemokraten.

Am Donnerstag will Uli Hoeneß sich vor dem Bayern-Aufsichtsrat zu seinen Zukunftsplänen äußern. Erwarten Sie Überraschendes?

Moment, ich versuche erst mal, mich dafür zu interessieren. Hmmmm … Mist, klappt nicht.

Der kommissarische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel will die Vermögensteuer wieder einführen, kandidiert aber selbst nicht für den SPD-Vorsitz. Ist das kohärent oder einfach sozialdemokratisch?

Verschonungswerte, Freibeträge, Vermögenswert, Schwellenmodell – die Sozis wissen einfach, wie man populär formuliert. TSG holt sich die 10 Milliarden von den Vermögenden, die just den Solizahlern erlassen werden sollen, das erinnert von Ferne an Sozialdemokratie. Dabei setzt der Begriff „Vermögensteuer“ schon eher auf Neid als die technische Formel „Erhöhung des Spitzensteuersatzes“. Den hatten zuletzt die Sozis gesenkt, Rot-Grün, unter Schröder.

Bevölkerungsforscher haben dazu aufgefordert, in Deutschland das Ziel bundesweit gleichwertiger Lebensverhältnisse aufzugeben. Eine gute Idee?

Nach Artikel 72 GG kann der Bund den Ländern reinpfuschen, „wenn und so weit es die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet erforderlich“ macht. Kann. Muss? Dann müsste er fix die Bildungspolitik an sich ziehen, den öffentlichen Nahverkehr und die Ansiedlung von Ärzten, zum Beispiel. Keine Chance. Als erste Hilfe schlage ich vor, Busse aus den wieder schwächer bewerteten Ostländern zu zwei Gratiswochen Urlaub in Duisburg, Oberhausen, Gladbeck zu finanzieren. Die kommen nach Hause zurück und lieben ihre blühenden Landschaften.

Und was machen die Borussen?

Spielen 60 Minuten Schlamm und hauen dann kurz den Gegner weg. Scheint eine neue Taktik zu sein. Fragen: waam

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de