Fußball in Corona-Zeiten: Die wollen nur Spiele

Spiele absagen will die Deutsche Fussball-Liga inmitten der Coronavirus-Ausbreitung nicht. Was fernab der Stadien passiert, ignoriert sie gern.

leere Zuschauerrängeim Fußballstadion San Siro in Mailand

Blick auf die Zuschauerränge beim Spiel AC Mailand gegen FC Genua in Mailand am 8. März Foto: Daniele Mascolo/reuters

Gerade wurde noch über Spielabbrüche diskutiert, schon weiß Fußballdeutschland, dass trotz Corona weiter gekickt werden muss: Die Meisterschaft findet statt, der enge Terminplan wird gehalten! Auf Fans können die Klubs vielleicht verzichten, aber ansonsten gilt: „The games must go on!“ Dieser Satz wurde hierzulande schon immer als eine Art moralischer Imperativ verstanden.

Mit dem, was außerhalb des Stadions, der Turnhalle oder des Schwimmbeckens passiert, will und wollte der deutsche Sport noch nie viel zu tun haben: Wir sind unpolitisch, wir geben uns selbst die Regeln. So sieht man sich selbst, so hat man jahrzehntelang jede Beschäftigung mit gesellschaftlichen Phänomenen wie Rassismus und Rechtsextremismus verweigert, und als das Coronavirus schon so verbreitet war, dass bereits die großen Handelsmessen abgesagt wurden, kickte die Bundesliga weiterhin ihren Spielplan runter, als habe es außer Plakaten gegen Hoffenheims Finanzier nichts gegeben.

Noch am Wochenende waren viele Fußballklubs der Meinung, dass auf den Klos ausgehängte Zettel, wie man sich die Hände wäscht, genügen, wenn Zehntausende Menschen auf engstem Raum zusammenkommen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) diskutiert gerade über mögliche Geisterspiele, also Partien ohne Zuschauer. Damit könnte sich die DFL sogar anfreunden, denn das Problem der Fanproteste wäre verschoben: Wo keine Zuschauer rein gelassen werden, können auch keine frechen oder rassistischen Transparente entrollt werden. So ärgerlich vielleicht der Verzicht auf – relativ betrachtet, gar nicht mehr so wichtige – Zuschauereinnahmen wäre: Zwei Vorteile hätte eine solche Anordnung für DFL und Klubs schon: Zum einen wären sie selbst nicht schuld, es wären ja behördliche Anweisungen; zum anderen flössen die übrigen Gelder weiter.

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In Italien, wo aufgrund der hohen Zahl der Erkrankten sich der Staat gar nicht mehr leisten kann, nur noch Empfehlungen à la Jens Spahn abzugeben, hat sich die Profiliga auf Geisterspiele geeinigt. Der Spielbetrieb findet also statt, die Gelder fließen. Weder in Italien noch in Deutschland denkt man daran, Spiele abzusagen – wie es in der Schweiz geschehen ist. Dass weiter gekickt wird, wenn auch vor leeren Tribünen, empört Italiens Sportminister: Die Funktionäre hätten wohl den Ernst der Lage nicht begriffen, auch Profifußballer könnten sich infizieren: „Worauf warten wir denn noch? Auf den ersten Infektionsfall in der Serie A?“

Hierzulande ist es ähnlich: Auf Fans kann der Fußballbetrieb verzichten, aber doch nicht auf Fernseh- und Sponsorengelder.

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Jahrgang 1964, Mitarbeiter des taz-Sports schon seit 1989, beschäftigt sich vor allem mit Fußball, Boxen, Sportpolitik, -soziologie und -geschichte

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