Fußball-WM 2026: Wie Trumps Regierung das US-Team propagandistisch nutzt
Das US-Innenministerium schlachtet die Erfolge des US-Teams aus. Dabei passen die Spielerbiografien so gar nicht zur Abschottungspolitik der Behörde.
Es waren Bilder wie aus längst vergangenen Zeiten, die das US-Team ein paar Tage vor Beginn der WM geliefert hat. Beim letzten Test vor dem Heimturnier gegen Deutschland in Chicago lief die Mannschaft mit Rückennummern in Regenbogenfarben auf. Das sei eine „alljährliche Tradition während des Pride-Monats, mit der auf die kontinuierliche Unterstützung des Verbands für die LGBTQ-Community“ hingewiesen werden solle, wie U.S. Soccer mitgeteilt hat.
Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.
Ein durchaus bemerkenswertes Signal in Zeiten, in denen US-Konzerne ihre Diversityprogramme einstampfen, um dem US-Präsidenten zu gefallen. Umso erstaunlicher ist es, wie die Erfolge des US-Teams nun von der Regierung propagandistisch ausgeschlachtet werden.
Dass das Weiße Haus nach dem 4:1-Auftaktsieg der USA gegen Paraguay zu einem Bild des Teams auf X „USA! USA! USA!“ in die Welt posaunt, ist dabei weit weniger bemerkenswert als die Postings auf dem Kanal des Innenministeriums. Das Departement of Homeland Security schickte ein Bild jubelnder Spieler via X um die Welt und versah es mit der Parole: „Verteidige das Vaterland! Eine Nation, eine Heimat, ein Team.“ Dazu nur ein kurzer Text: „Unsere Scholle!“
Nach dem zweiten Sieg der USA gegen Australien postete die Behörde von Markwayne Mullin, zu der die brutalen Schergen der United States Immigration and Customs Enforcement ICE gehören, ein Teamfoto und schrieb dazu: „Mauer gebaut.“ Gnadenlos werden die Auftritte des US-Nationalteams propagandistisch ausgeschlachtet, so als stünde das Team hinter den brutalen Inhaftierungs- und Abschiebepraktiken des Innenministeriums.
Buntes Team
X-Post des US-Innenministeriums
Dass das Team aus einem bunten Haufen von Spielern mit Migrationsgeschichte besteht, scheint die Content-Creatoren im Innenministerium nicht weiter zu stören. Folarin Balogun etwa, der gegen Paraguay zwei Tore erzielt hat, ist als Kind nigerianischer Eltern in London aufgewachsen, wo er als Jugendlicher die Nachwuchsakademie von Arsenal besucht hat.
Dass er die US-Staatsbürgerschaft besitzt, ist reiner Zufall. Seine Eltern waren auf einer Urlaubsreise in den Staaten, als er zur Welt kam. So ist Balogun zu seinem US-Pass gekommen. Er gehört also genau zu den Menschen, die, ginge es nach Präsident Donald Trump, die Staatsbürgerschaft gar nicht erhalten hätten sollen.
Doch da sind noch andere. Tim Weah zum Beispiel. Der Sohn der liberianischen Fußballlegende George Weah ist in Brooklyn geboren. Seine Mutter stammt aus Jamaika. Er hatte die Wahl, ob er für Jamaika, Liberia, Frankreich oder die USA antritt. Stürmer Ricardo Pepi ist als Kind mexikanischer Eltern in Texas zur Welt gekommen und hat ebenso mehrere Staatsbürgerschaften wie Cristian Roldán, der in Kalifornien geboren wurde und die Wahl hatte, ob er für El Salvador, Guatemala oder die USA aufläuft.
Dann gibt es noch eine Reihe von Spielern, die nicht in den USA geboren sind, deren Eltern aber US-Bürger sind oder sich später haben einbürgern lassen. Einer der prominentesten unter ihnen ist Sergiño Dest, der in den Niederlanden zur Welt gekommen ist. Seine Mutter ist Niederländerin, sein Vater stammt aus Surinam. Auch Dest hat zwei Staatsbürgerschaften und eine für das US-Team beinahe schon typische Einwanderungsgeschichte.
Und nur allzu gern möchte man auch wissen, was sich Verteidiger Chris Richards denkt angesichts der Vereinnahmung des US-Teams durch das Departement of Homeland Security. Der hat seinen Fans vor drei Jahren in einem Video zum Black History Month erklärt, warum für ihn Persönlichkeiten wie Barack Obama oder Muhammad Ali so wichtig waren, dass er sie als Tattoo auf seinem rechten Arm trägt.
Derweil hat das US-Innenministerium einen Post der evangelikalen Jesusfreunde der „Ballers in God“ mit einer Zeile aus Psalm 150 geteilt: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!“ Darauf ist ein von Mark McKenzie angeleiteter Gebetskreis von US-Spielern nach dem Sieg gegen Australien zu sehen. Mit dabei: Chris Richards. Aber das ist eine andere Geschichte.
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