Friedensbewegung in Pandemiezeiten: Ostermärsche digital

Auch die traditionellen Osterdemos müssen wegen Corona ausfallen. Die Friedensbewegung verlagert sich deshalb in diesem Jahr ins Netz.

Ein Mann hängt ein Transparent aus seinem Wohnungsfenster. Darauf steht in bunter Schrift: "Abrüstung statt Sozialabbau! Spart endlich an der Rüstung!" Auf dem Transparent sind außerdem Blumen, Friedenstauben und eine zerbrochene Rakete aufgemalt.

Ostermarsch-Mitinitiator Bernhard Trautvetter hängt in Essen ein Transparent aus seinem Fenster Foto: Roland Weihrauch/dpa

BERLIN taz | Verbreitungswege im digitalen Raum zählte bislang nicht zu den Kernthemen der Friedensbewegten in Deutschland. Aber in diesem Jahr mussten sie sich zwangsweise damit befassen, denn wie die meisten Veranstaltungen im öffentlichen Raum fielen auch die Ostermärsche coronabedingt aus. Es war das erste Mal seit deren Aufkommen vor 60 Jahren, dass das Osterwochenende ohne klassische Friedensdemos ablief.

Ganz absagen wollte die Friedensbewegung die Proteste aber nicht – und verlegte sie deshalb ins Internet. Das in Bonn ansässige Netzwerk Friedenskooperative, das als Hauptkoordinierungsstelle für Ostermärsche in Deutschland fungiert, hatte im Vorfeld zu digitalen Protesten aufgerufen. Bis Sonntagnachmittag waren 1.500 Menschen dem Aufruf gefolgt und hatten Fotos von sich hochgeladen, die zusammen ein großes Peace-Zeichen auf der Homepage des Netzwerks bildeten.

An einem virtuellen Ostermarsch am Samstagabend bei YouTube nahmen knapp über 2.000 Menschen teil. In den Redebeiträgen ging es neben Rüstungsexporten auch um die Aufnahme Geflüchteter aus griechischen Lagern und um Grundrechte in Zeiten umfassender Infektionsschutzmaßnahmen.

„Wer deutsche Touristen aus der ganzen Welt zurück holen kann, darf die Geflüchteten an der EU-Außengrenze nicht sich selbst überlassen“, forderte eine Sprecherin der Seebrücke. Der Stream war eine Gemeinschaftsaktion verschiedener Friedensgruppen wie der Deutschen Friedensgesellschaft, den Internationalen Ärzten gegen den Verhütung des Atomkriegs und Naturfreunde Deutschland.

Gemessen an den Teilnehmerzahlen physischer Ostermärsche wirkt die digitale Beteiligung gering. Der Sprecher des Netzwerks Friedenskooperative, Kristian Golla sprach trotzdem von einem Erfolg. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte er. Schließlich sei vieles kurzfristig organisiert worden, bis vor einigen Wochen hatten die Veranstalter*innen mancherorts noch gehofft, demonstrieren zu können.

Strenge Auflagen

Viele der jährlichen Ostermarsch-Teilnehmer dürften allerdings altersbedingt zur Corona-Risikogruppe gehören. Golla räumte auch ein, dass viele Ostermarschierer*innen nicht gerade Digital Natives seien – auch dafür sei die Beteiligung sehr gut ausgefallen.

Zwei Ausnahmen vom Demoverbot gab es außerdem: In Jagel in Schleswig-Holstein und im nordrhein-westfälischen Gronau schafften es Veranstalter*innen am Karfreitag, Mahnwachen für den Frieden anzumelden. Unter Auflagen durften sich dort jeweils 50 bzw. 20 Menschen versammeln, allerdings nicht laufen.

Den ersten Ostermarsch in der Bundesrepublik gab es im Jahr 1960 in der Lüneburger Heide, wo mehr als Tausend Menschen gegen die Wiederbewaffnung der BRD protestierten. Er startete in verschiedenen norddeutschen Städten und endete am NATO-Truppenübungsplatz Bergen-Hohne. Manche Teilnehmer*innen haben seither keinen Marsch versäumt.

Im Jahr 2014 standen Ostermärsche vielerorts in der Kritik, sich nicht schnell und deutlich genug von rechten Montagsmahnwachen und Verschwörungstheoretiker*innen abgegrenzt zu haben. Zu den Hochzeiten 1968 und 1983 demonstrierten deutschlandweit Hunderttausende.

Von solchen Werten sind die Teilnehmer*innenzahlen heute weit entfernt, allerdings nahm die Beteiligung in den vergangenen Jahren wieder zu. 2019 hatten in rund 100 Städten Menschen für Abrüstung und Frieden demonstriert.

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