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Französisches AntiterrorgesetzIm Namen der Sicherheit

Der Ausnahmezustand in Frankreich ist beendet. Neue Paragrafen verschärfen zugleich die Möglichkeiten der Polizei, Verdächtige zu überwachen.

Aus Paris

Rudolf Balmer

Termingerecht haben die Behörden am 1. November den – seit Ende 2015 mehrfach verlängerten – Ausnahmezustand in Frankreich beendet. Als Ersatz tritt ein Gesetz in Kraft, das viele Bestimmungen übernimmt, die im Namen des Kampfs gegen den Terrorismus eingeführt worden waren.

Neu an dem vom Parlament verabschiedeten und von Präsident Emmanuel Macron abgesegneten Gesetz ist also, dass zur gesetzlichen Norm wird, was vorher als Provisorium betrachtet und legitimiert wurde. Benötigte die Polizei früher einen triftigen Verdacht für die Überprüfung von Personen auf der Straße oder in öffentlichen Verkehrsmitteln, kann sie jetzt fast nach Belieben Ausweiskontrollen vornehmen.

Ein verdächtiges Aussehen dürfte für manchen Beamten eine Frage der Hautfarbe und der sichtbaren Herkunft sein. Ein wegen Sympathien zu terroristischen Organisationen Verdächtigter kann nun unter Hausarrest gestellt werden kann. Das kommt einer präventiven Inhaftierung, die von konservativen Abgeordneten vergeblich beantragt worden war, schon ziemlich nahe. Erweitert wird auch die Verwendung von registrierten Daten der Flugzeug-, Fährschiff- und Bahnpassagiere.

Der Kontext

Seit Januar 2015 mit dem Angriff auf Charlie Hebdo sind in Frankreich im – mehr oder weniger direkten – Auftrag des IS eine Reihe von mörderischen Attentaten verübt worden, bei denen fast 250 Menschen ihr Leben verloren. Frankreich zählt damit zu den am stärksten vom islamistischen Terrorismus bedrohten Ländern.

Schon vorher waren die Gesetze laufend verschärft worden. Die jeweiligen Regierungen stehen unter dem Druck einer Öffentlichkeit, die ein hartes Durchgreifen verlangt. Die Gesetzgebung ist ein praktisches, wenn auch nicht unbedingt sehr erfolgversprechendes Mittel, Entschlossenheit zu markieren. Das war auch unter dem Sozialisten François Hollande und seinem derzeit amtierenden Nachfolger Emmanuel Macron nicht anders.

Die Reaktionen

Für französische Bürgerrechtler und für die politische Linke geht die Regierung mit diesem Gesetz zu weit. Damit werden gerade jene Grundfreiheiten infrage gestellt, die gegen die terroristische Bedrohung des zivilen Friedens verteidigt werden sollen.

Für die konservative Opposition und die extreme Rechte geht die Verschärfung im Gegenteil nicht weit genug. Marine Le Pen vom rechtsextremen FN protestierte sogar, Frankreich werde damit in „krimineller Weise entwaffnet“. Sie empfiehlt das Beispiel von US-Präsident Donald Trump, der nicht so viel Federlesens mache.

Die Konsequenz

Die Vollmachten zur Überwachung oder Repression können – wie schon zuvor – nicht nur gegen mutmaßliche Terroristen und ihre Sympathisanten eingesetzt werden. Wenn es das Ziel der IS-Terroristen war, ein bedrückendes Klima zu schaffen, ist ihnen Macrons Regierung einen weiteren Schritt entgegengekommen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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2 Kommentare

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  • Linksman

    Es war ein verhängnisvoller Fehler der Naiven unter den Linken, Frankreich einer Figur wie Macron ausgeliefert zu haben. Jetzt haben die den Salat.

    • Thomas_Ba_Wü

      @Linksman:

      Wird noch besser :)

       

      Wie meinst du wird die Sicherheitsarchitektur eines gemeinsamen Europa (hach wie geil das doch klingt) aussehen.

      Ich bin mir recht sicher es wird ein Kompromiss sein wo auch Frankreich seine Interessen vertreten fühlt wenn es sich nicht komplett durchsetzt (wir wollen doch kein "deutsches Hegemon").

       

      Kurz: Wir werden auch mit französischer Sicherheitskultur "bereichert"