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Das Medienjahr 2026Ein Traumszenario

Eine Wunschliste für das neue Jahr: neue Bezahlmodelle für den öffentlichen Rundfunk und ein neues Steuerrecht für gemeinnützigen Journalismus.

„…auf dem Strahle der elektrischen Kraft“ – das Medienjahr 2026 wird prima! Foto: Photoshot/imago

D as Medienjahr 2026 wird prima. Das beschließen wir jetzt einfach mal so. Es macht doch keinen Sinn, immer nur Trübsal zu blasen und das Schlimmste zu befürchten.

Also, am Donnerstag startet in der Evangelischen Akademie Loccum eine Tagung zur Zukunftsfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und auf der wird Martin Detzel, Chef der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, froh verkünden, dass das Gemaule in Sachen Rundfunkbeitrag ein Ende hat. Weil sich Sender und Länder endlich auf ein praktikables Modell geeinigt haben. Der Beitrag orientiert sich künftig am taz-Abo, inklusive „Leider-leider“ und „Politischer Preis“. Wer es nicht so dicke hat, kriegt ARD, ZDF und Deutschlandradio endlich zum ermäßigten Tarif. Und wer mehr hat, gibt mehr, hat aber trotzdem nicht mehr zu sagen.

Im März wird ein gewisser Donald J. Trump von ICE-Agenten im Londoner High Court verhaftet, weil er sich nach seinem verlorenen Prozess gegen die BBC in der Gerichtskantine angekettet und in die Baked Beans gespuckt hat. Derweil übernimmt nach dem „Make America Great Britain Again“-Gesetz von 1812 König Charles III. vorübergehend die Regierungsgeschäfte in Washington und erlässt eine Royal Charter für die American Broadcasting Corporation, die künftig PBS und NPR finanziert.

Im April gründet sich die Washington-Post-Genossenschaft, übernimmt das Blatt von Amazon-Chef Jeff Bezos und wird ein nichtgewinnorientiertes, gemeinnütziges Unternehmen. Das beeindruckt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei seinem zufällig parallel stattfindenden Staatsbesuch derart, dass er gemeinnützigen Journalismus ins deutsche Steuerrecht schreiben lässt und den Medien so in weiteres Standbein verschafft.

Vergesellschaftete Open-Source-Einheiten

Ab Juli überschlagen sich dann die Ereignisse. Beim RBB starten die ersten „Claudia-Nothelle-Volontariate“, die die frühere Programmdirektorin des Senders aus den ihr zustehenden Ruhegeldern privat finanziert. Beim MDR geht unter der neuen Programmdirektion Halle-Leipzig das trimediale Medienmagazin mit Jörg Wagner auf Sendung. Gesendet wird aus dem gleichnamigen Funkhaus auf dem Strahle der elektrischen Kraft. Und die EU erlässt den „Flatten the Platforms“-Act, der bis Jahresende die Abwicklung von Google, Meta & Co verfügt. Alle Dienste und Angebote gehen auf vergesellschaftete Open-Source-Einheiten über, die vom Chaos Computer Club koordiniert werden.

Okay, das sind bislang nur Ideen. Aber ein bisschen was Positives passiert ja doch. In den USA hat vor Weihnachten zum Beispiel die Spendenbereitschaft für öffentlich-rechtliche Lokalsender noch mal massiv zugenommen. Der befürchtete Kahlschlag nach den Trump’schen Kürzungen bleibt vorerst aus.

Und in Großbritannien ist am Montag das Verbot von TV-Werbung für Dickmacher in Kraft getreten. Weshalb die Lebensmittelindustrie bereits zu Weihnachten auf die Bremse trat. Die Supermarktkette Asda wirbt da immer mit dem Grinch. Und der hielt sich schon im Xmas-Spot 2025 überwiegend in der Obst- und Gemüseabteilung auf.

„Und mein Vorschlag, wenigstens einmal pro Woche nur positive ‚Tagesthemen‘ & Co zu senden, lässt sich eigentlich auch ganz leicht umsetzen“, sagt die Mitbewohnerin.

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Steffen Grimberg
Medienjournalist
2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, ab 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Seit Juni 2023 Leitung des KNA-Mediendienst. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"
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