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Fische und FernsehenLaichen im Livestream

Auf der Suche nach TV-Alternativen? Wie wäre es mit einem interaktiven Fischstream? Hier können Sie Fischen das Tor in eine laichende Zukunft öffnen.

Klingelingeling: Ich muss hier durch schwimmen Foto: https://visdeurbel.nl/

Fische haben einen großen Vorteil gegenüber Wölfen: Wenn sie die Infrastruktur von Städten nutzen wollen, werden sie den Menschen meist nicht gefährlich – und also auch nicht so behandelt.

Selten hört man, ein Barsch habe sich in ein Einkaufszentrum verirrt und dort – von Verwirrung und besorgten Primaten in die Enge getrieben – jemandem ins Gesicht gebissen.

Auch weil so ein Barsch recht selten das Wasser verlässt. Wenn er nun die Grachten der Stadt Utrecht nutzen will, ja vielleicht muss, um seinen Laichplatz zu erreichen, geraten dennoch Menschen in Panik – und klicken auf eine digitale Klingel.

Visdeurbel.nl, das heißt so viel wie Fischtürklingel, überträgt live ein Video aus der Gracht. Das Bild ist wässrig verschwommen, graugrün. Fast kann man das Moos riechen. Wie eine unappetitliche, karge Version des alten Windows-Korallenriff-Bildschirmschoners. Die Lust reinzuspringen hält sich in Grenzen, die Lust raufzuschauen ist allerdings überraschend groß.

wochentaz

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

Denn gelegentlich schwimmt dann doch ein Fisch durchs Bild. Jetzt schnell auf die Türklingel neben dem Video klicken! So erstellen Use­r*in­nen Screenshots, die Ex­per­t*in­nen begutachten, um zu entscheiden, wann die Schleuse Weerdsluis für die Fische geöffnet wird. Die ist nämlich im Frühling eigentlich noch geschlossen, weil zu wenige Boote fahren.

Ein Problem für die Fische, für das sich Öko­lo­g*in­nen 2021 die Live-Cam ausgedacht haben. Seitdem folgen jedes Jahr mehrere Millionen Use­r*in­nen dem Stream und hoffen, den Fischen das Tor in eine laichende Zukunft öffnen zu können. Mehrere Tausend Menschen schauen teilweise zu, warten mal drei Minuten, mal über eine Stunde, bis sie tatsächlich etwas sehen.

Weil es so schön entschleunigt? Weil man endlich mal ganz leicht etwas für die Umwelt tun kann? Egal. Spätestens im Sommer am Badesee denken wir dann doch nicht mehr so lieb an Fische. Hat mich da etwa was am Bein gestreift?

https://visdeurbel.nl, von März bis Juni

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