piwik no script img

Finanzierung von PräventionsprojektenFriede, Freude, Prävention

SPD-Chef Raed Saleh verkündet das Ende des Koalitionsstreits über Projekte gegen Antisemitismus. Die CDU sagt, sie habe nie etwas infrage gestellt.

Rainer Rutz

Aus Berlin

Rainer Rutz

Glaubt man Raed Saleh, ist der Frieden wiederhergestellt: Die Differenzen mit der CDU über Finanzierung und Ausrichtung der Präventionsprojekte gegen Antisemitismus seien ausgeräumt, sagte der Partei- und Fraktionschef der Berliner SPD am Mittwoch sichtlich zufrieden. „Wir haben das jetzt hinbekommen in der Koalition.“

Der mächtigste Mann der Berliner Sozialdemokratie stellte in diesem Zusammenhang noch einmal klar, dass es bei den Mitteln für die Präventionsarbeit gegen Antisemitismus, aber auch gegen antimuslimischen Rassismus mit seiner Partei keine Kürzungen geben werde. Im Gegenteil – im Zuge der Schlussverhandlungen zum Doppelhaushalt 2024/2025 will Saleh nun eine „deutliche Erhöhung“ der Gelder durchsetzen.

„Was wir brauchen, ist nicht weniger Prävention, sondern mehr Prävention“, sagte er nach einem Treffen mit Ex­per­t:in­nen aus der Präventionsarbeit und Ver­tre­te­r:in­nen der Religionsgemeinschaften. Es war die zweite Runde dieser Art, zu der Saleh innerhalb weniger Tage geladen hatte. Anders als beim Auftakttreffen am letzten Freitag nahmen mit Innensenatorin Iris Spranger und Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe (beide SPD) diesmal auch zwei Senatsmitglieder teil.

Dennoch auffällig: Sowohl die Senatsverwaltung für Kultur als auch die Bildungsverwaltung blieben bei dem Treffen außen vor – dabei haben beide Häuser eindeutig mit Präventionsarbeit zu tun. Beide sind aber CDU-geführt. Er wolle mit den Ver­tre­te­r:in­nen der Zivilgesellschaft „losgelöst von der Parteienlogik diskutieren“, sagte Saleh zu seiner Nichteinladungspolitik. CDU-Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch soll zu einem späteren Zeitpunkt teilnehmen.

Die CDU weiß nichts vom Koalitionskrach

Bei der CDU gibt man sich gelassen. „Wir waren nicht eingeladen, das ist in Ordnung“, sagte Fraktionschef Dirk Stettner zur taz. Es habe sich eben um eine „SPD-Veranstaltung“ gehandelt. Überhaupt verstehe er das Gerede vom Koalitionskrach nicht: „Ich weiß überhaupt nicht, wo wir Differenzen hatten.“ Nichts sei seitens der CDU infrage gestellt worden. „Das wäre ja Irrsinn.“ Richtig sei, so Stettner, dass er gefordert habe, dass alle Präventionsprojekte überprüft werden, ob sie auf dem Boden des Grundgesetzes stehen.

Tatsächlich sprach auch SPD-Chef Saleh am Mittwoch davon, antisemitischen Vereinen oder Trägern die Mittel zu streichen. Wer damit gemeint sei, wollten oder konnten weder Saleh noch Stettner sagen. Der CDU-Fraktionschef stellte klar, dass er natürlich nicht gesichert sagen könne, ob es Projekte gebe, die unter diesen Gesichtspunkten nicht förderfähig seien. Genau deshalb wolle man das ja jetzt mal prüfen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

0 Kommentare