Film „Minions & Monster“: Anarchischer Sinn für Schabernack
Im Animationsfilm „Minions & Monster“ geht es mit reichlich Chaos und Kauderwelsch zu. Diesmal ist Hollywood dran.
Sie geben zwar Laute von sich – „Banana Lasagna!“ –, aber eigentlich waren sie ihrem Wesen nach schon immer Stummfilmstars. Die Rede ist von den Minions, den gelben, kegelartigen Figuren in blauen Latzhosen und mit Taucherbrillen vor den (ein oder zwei) Augen. Ihre Komik ist situativ und kommt ohne Worte aus. Ihr esperantohaft klingendes Kauderwelsch ist da am witzigsten, wo es lautmalerischen Nonsens verbreitet: „Bello“ für Hallo und „Poopaye“ für Tschüss. Was „Tulaliloo ti amo!“ heißen soll, versteht sowieso jeder.
Man hätte vielleicht trotzdem gedacht, dass schon der Name – „Minion“ steht im Englischen für „Gehilfe“ oder auch „Lakai“ – sie zum Dasein als ewige „Sidekicks“, Nebendarsteller, verurteilt. Aber die Tatsache, dass „Minions & Monster“ nun schon der dritte Spielfilm mit ihnen im Zentrum ist, liefert den Gegenbeweis. Den es gar nicht gebraucht hätte, denn in den vier „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filmen sorgten die unberechenbaren Szenen mit den gelben Wusel-Monstern sowieso schon für die wahren Highlights.
Was macht die Minions für Kinozuschauer allen Alters bloß so attraktiv? Sicher, ihr befremdliches Aussehen lädt unmittelbar dazu ein, dass man sie „vermenschlicht“, wie man das mit Zeichentrickfiguren, zumal aus dem Hause Disney, so gewohnt ist. Dass die „Minions“ ausgesprochen weltfremd und unpraktisch aussehen, sich aber mit umso größerem Eifer in ihre Projekte stürzen, macht einfach gute Laune.
„Minions & Monster“. Regie: Pierre Coffin, USA 2026, 90 Min.
Hinzu kommt ihr ausgesprochen anarchischer Sinn für Schabernack – das altmodische Wort passt einfach besonders gut – und eine hedonistische Hingabe an den jeweiligen Moment, der regelmäßig den jeweiligen Filmplot völlig vergessen lässt. Chaos regiert!
Kein Respekt vor George Lucas
Das ist einmal mehr das Motto auch des jüngsten Films, der dieses Chaos nun in einem Akt der Selbstbezüglichkeit nach Hollywood bringt. In einem schönen visuellen Gag spult sich bereits das Universal-Logo am Anfang durch die Filmgeschichte zurück in die Stummfilm-Ära, bevor in der eigentlich überflüssigen Rahmenhandlung eine Schüler*innenschar durch ein Museum geführt wird, in dem unter anderem „George Lucas“ hinter Glas als Ausstellungsstück fungiert.
Den „Star Wars“-Erfinder behandelt die Museumsführerin respektlos – es ist ein Witz, klar –, während sie die Bewunderung der Kids auf zwei Minions namens „James und Henry“ lenkt. Und weil niemand diese Namen im Rahmen von Hollywoodgeschichte je gehört hat, holt sie weit aus.
Es geht zurück zu den Ursprüngen. So sieht man die Minions in Verfolgung ihres Ziels, einem Bösewicht zu dienen, erst durch diverse Mythen der Menschheitsgeschichte tingeln. Aber sei es ein alles niedertrampelnder Zentaur, eine herrische Mumie, ein despotischer Monarch oder ein mächtiger Zauberer – sie werden sämtlich Opfer des minionesischen Übereifers, genauer gesagt zweier Individuen, nämlich James und Henry.
Von ihren fleißigen Stammesgesellen heben diese zwei sich als sympathische Klassenclowns ab. Mal um Mal stecken sie die Köpfe zusammen, kichern und sorgen meist unfreiwilligerweise dafür, dass die Mumie sich auswickelt und als Skelett zusammenbricht oder der Monarch den Kopf unter die eigene Guillotine steckt.
Minions als Westernhelden
Empfohlener externer Inhalt
Trailer „Minions & Monster“
Irgendwann, James und Henry scheinen kurz davor, aus ihrem Stamm ausgeschlossen zu werden, kommen sie dann in Hollywood an. Besser gesagt, die crashen den Dreh eines Western, wobei sie es zunächst auf einen ihnen besonders attraktiv scheinenden Bösewicht abgesehen haben, nämlich einen maskierten Zugräuber. Dass die Minions ihn entdecken, ist natürlich sein Untergang und damit auch das Unglück von Regisseur Max, dessen Dreharbeiten die Invasion der gelben Männchen völlig aus der Spur bringt.
Aber wie es der Zufall will, gefallen die Chaos-Szenen den dickleibigen Filmproduzenten gerade besonders gut, und so werden die Minions zu Kinostars, so klassisch, dass sie wie ihre legendären Kollegen am Übergang zum Tonfilm fast scheitern. Aber James – oder war es Henry? – hat die Vision, als Regisseur eines Monsterfilms groß rauszukommen, und so zitieren sie alte Bekannte herbei, mit wie üblich nicht absehbaren Folgen.
In der ersten Hälfte ist „Minions & Monster“ ein wilder Ritt durch die Filmgeschichte, in dem einschlägige Szenen wie Harold Lloyd an der Uhr, Charlie Chaplin am Fließband oder Buster Keaton unter der fallenden Häuserwand liebevoll nachgestaltet werden. Von Film noir bis Science-Fiction, von Orson Welles bis Federico Fellini wimmelt es nur so von Anspielungen, ganz ohne Rücksicht auf das jüngere Publikum, das in der umtriebigen Monsterjagd in der zweiten Filmhälfte dafür besser auf seine Kosten kommen dürfte.
Irgendwann löst sich die Handlung völlig in Einzelnummern auf; sie war aber sowieso schon Nebensache. Man könnte dem Film vorwerfen, dass er von allem zu viel bietet: zu viele Einfälle, zu viele Minions, zu viel Chaos. Aber das wäre dann doch sehr kleinlich.
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