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Film „Das Sommerbuch“Der Sommerhut hängt noch am Haken

Im Film „Das Sommerbuch“ nach dem Roman von Tove Jansson brilliert Glenn Close als Großmutter. Statt Witz und Leichtigkeit herrscht aber Melancholie.

Es ist ein Wagnis, dieses Buch zu verfilmen. „Das Sommerbuch“ der finnlandschwedischen Autorin Tove Jansson spielt in der finnischen Schärenlandschaft und handelt von der Freundschaft zwischen dem kleinen Mädchen Sophia und ihrer Großmutter. Es ist durchzogen von einer einzigartigen Atmosphäre, gleichsam durchatmet von einer in sich ruhenden Heiterkeit, über die die Autorin mit leichter Hand Momente von alltagsphilosophischem Witz und von aufblitzendem Trotz gegenüber den Zumutungen des Lebens gesprenkelt hat.

Diese Grundstimmung ist, vielleicht ja sogar absichtlich, nicht wiederzufinden im gleichnamigen Film von Charlie McDowell, „based on the novel by Tove Jansson“, dessen Drehbuchautor Robert Jones zwar viele Szenen aus dem Roman übernommen hat, aber dem Stoff genau jene zugleich heitere wie weise Leichtigkeit entzieht, die Janssons Buch ausmacht. Stattdessen wendet er den Film auf der Stimmungsskala um hundertachtzig Grad ins Melancholische.

Ins Bild kommt, das ist wörtlich zu nehmen, Sophias Vater (Anders Danielsen Lie), der im Buch lediglich als freundliche Instanz irgendwo im Hintergrund existiert. Im Film fungiert er als Träger trostloser Trauer um seine verstorbene Frau, deren Strohhut noch am Haken neben der Tür hängt, als die auf drei Personen geschrumpfte Familie in ihr Sommerhaus auf der Schäreninsel kommt.

Der Film

„Das Sommerbuch“. Regie: Charlie McDowell. Mit Glenn Close, Anders Danielsen Lie u.a. Finnland/Vereinigtes Königreich/USA 2024, 95 Min.

Für seine verwaiste Tochter (Emily Matthews) hat er, gefangen in selbstmitleidiger Seelenschwärze, keine emotionalen Kapazitäten übrig. So bleibt es der Großmutter überlassen, sich um das Kind zu kümmern. Glenn Close als gebrechliche Alte ist großartig und sorgt quasi im gebückten Alleingang dafür, dass der Film trotz allem sehenswert ist. Aber das natürlich auch noch wegen der Landschaftsaufnahmen, die nebenbei ein bittersüßes Fernweh nach den klimatisch begünstigten Regionen des Nordens auslösen.

Gestank der Trauer

Eine gewisse kognitive Dissonanz entsteht dadurch, dass die Dar­stel­le­r:in­nen – und das mit unterschiedlichen Akzenten – Englisch sprechen, dass aber Gegenstände, von denen sie umgeben sind, von der Ausstattung eigens mit schwedischen Aufschriften versehen wurden. Es wäre ja durchaus möglich gewesen, die Handlung in eine andere Weltgegend zu verlegen oder aber auf Schwedisch zu drehen. Ebenso inkonsequent ist die Art und Weise, wie Romanszenen im Film angedeutet werden, aber ihren Kern oft nicht berühren.

Die Beschäftigung von Sophia und ihrer Großmutter mit dem Tod hat bei Jansson, neben vielen anderen Dingen, große Bedeutung – immerhin ist die Mutter des Mädchens gestorben –, doch geschieht das ohne Worte, nur im Spiel, und ohne dass die Autorin jemals einen expliziten Bezug herstellen würde. Solche hintergründigen Szenen fehlen im Film. Stattdessen wird eine ausgesprochen vordergründige Last der Trauer eingeführt – „Gestank der Trauer“ nennt es der Vater einmal gar –, die ganz allein von der Vaterfigur zu tragen ist.

Wie das Kind den Verlust der Mutter verarbeitet, dazu hat der Film nichts zu sagen. Was hat dieser Stimmungskiller von Vater sowieso in der Sommergeschichte von Sophia und ihrer Großmutter zu suchen? Konnte das rein männliche Team aus Regisseur und Drehbuchautor sich vielleicht schlicht nicht vorstellen, einen Film mit zwei weiblichen Hauptfiguren zu drehen? Oder ohne ein love interest, und sei es tot?

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Trailer „Das Sommerbuch“

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Wie auch immer; die Verschiebung des Sujets der menschlichen Endlichkeit in den thematischen Vordergrund macht es platt und gleichzeitig den finnischen Sommer zu einer unverdient traurigen Angelegenheit. Wenn der Film doch einmal ein bisschen Komik wagt, wie in jener Szene, als Sophia und die Großmutter beim unerlaubten Erkunden einer Nachbarinsel erwischt werden, so wirkt das Ergebnis nicht hintergründig, sondern verdruckst. Aber nun ja. Glenn Close gleicht ja vieles aus und brilliert mit einer altweiberhaften Widerständigkeit, die frau und man gesehen haben sollten.

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