Fernsehen zu Weihnachten: Jauchzet, frohglotzet

Zwischen Entenbraten und Tannenbaum läuft im Fernsehen jedes Jahr das Gleiche. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken, es gibt Hoffnung.

Ein mit Lametta behängter Weihnachtsbaum un ein alter Röhrenfernseher auf einem verblichenem Foto von 1980

Früher war eben mehr Lametta oder gefühlt 36 Mal „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ Foto: CTK Photo/imago

Am vorletzten Sonntag war es wieder so weit. Der zweite Teil des Jubiläums-„Tatorts“ „In der Familie“ war genau so mau wie der erste. Wenn mir das jemand zum 50sten schenken würde, nähme ich das persönlich. Genauso wie die anschließende „Anne Will“-Sendung, wo mit diesem Ösi-Republikaner Belangloses zu Trump verhandelt wurde.

Irgendwann beschlich einen die Vermutung, jemand habe Holger Stahlknecht zum ARD-Programmdirektor gemacht. Damit der sein „Njet“ zur Beitragserhöhung noch mal mit passenden Programmbeispielen untermauern konnte. Wie wir heute wissen, hat an diesem Sonntag auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff ARD geguckt, die er wie das ZDF ja gerne „Westfernsehen“ nennt.

Jetzt haben wir den Salat, womit gar nicht der Beitragserhöhungsschlamassel gemeint ist. Das darf ja mal wieder das Bundesverfassungsgericht richten. Nein, es geht ums Weihnachtsprogramm. Zum Beispiel Heiligabend: Wer um alles in der Welt ist bloß auf diese Doppelpackung gekommen? Erst der „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“-Spielfilm, dann die „Feuerzangenbowle“? Also schön bei „Ganz in Weiß“ sedieren, um sich anschließend beim weichgespülten Nazi-Durchhaltespaß von 1944 fröhlich einen hinter die Binde zu kippen.

Früher war eben mehr Lametta oder gefühlt 36 Mal „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Denn das sind nun mal unsere besinnlichen TV-Traditionen. Im besten Fall sitzen wir mit der gesamten Patchworkfamilie unterm Tannenbaum, voll aufgeregt auf eine andächtige Weihnachtsansprache.

Es ist einfach diese Überforderung in der multimedialen Weihnachtszeit: Zwischen Frühstück und Gänsebraten läuft die Glotze, Weihnachtssingen im Radio und parallel zur neusten Coronahochrechnung in der tagesschau-app laufen im Linear-TV Helene’s schönste Momente.

Wir fiebern dem entgegen und sind dann doch enttäuscht: Nur alte Hüte im Ersten, Zweiten und Dritten. Können wir programminhaltlich komplett zum Schrott-Wichteln geben. Wirklich nicht auszudenken, was jetzt passiert, weil ja wegen Sachsen-Anhalt 381 Beitragsmillionen pro Jahr fehlen. „Es wird sich auf den Inhalt auswirken“, sagt ARD-Chef Tom Buhrow.

Deshalb jetzt hier die ultimative Empfehlung der Mitbewohnerin, von der ohnehin der halbe Text ist: „Warten auf’n Bus“. Die großartigste deutsche Serie, da legen wir uns jetzt schon mal fest, geht so, wie noch nie eine Serie ging. Sie handelt von nichts. Und von allem. Von uns. Egal wo wir gerade sind. Auch an Weihnachten. Hat nicht sie gesagt, sondern Elmar Krekeler in der Welt. Und beide haben recht.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, seit 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben