Feministische Kampftage: Ein Tag ohne Frauen*
Die Initiative Enough! Genug! ruft für den 9. März zu einem weltweiten „Frauen*Generalstreik“ auf. Vorbild ist Islands Frauenruhetag von 1975.
Am 9. März sollen Frauen weltweit ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit niederlegen, dazu ruft die in Deutschland gegründete Initiative Enough! Genug! auf. Am Montag stellten die Initiator:innen in Berlin ihre Pläne vor. Man wolle mit dem Frauen*Generalstreik „ein schärferes Instrument in bedrohlichen Zeiten“ schaffen, so die Initiatorin, Psychologin und Politikerin Adrienne Goehler.
Der 9. März soll als Aktionstag den Internationalen Frauentag am 8. März verlängern. An dem Tag – auch Frauenkampftag oder feministischer Kampftag genannt – wird traditionell weltweit für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung demonstriert. „Noch immer haben Frauen* nicht die gleichen Lebenschancen wie Männer“, sagte Marie-Florence Mahwera, Geschäftsführerin des Landesfrauenrats Berlin, bei der Vorstellung der Initiative. Insbesondere in der aktuellen weltpolitischen Lage gingen bereits erkämpfte Frauenrechte unter, das wolle die Initiative verhindern. Außerdem richte sich der Streik gegen „systematische Abwertung, unbezahlte Care-Arbeit, Femizide, Kriege und das Leugnen der Klimakrise“.
Die Initiative nennt den Aktionstag zwar einen Streik, meint jedoch keinen Streik im tarifrechtlichen Sinn. Die geplante Arbeitsniederlegung sei „kein Arbeitskampf“, so steht es auf der Website von Enough! Genug!, sondern eine politische und gesellschaftliche Protestform. Daher seien Einzelpersonen nicht durch das Streikrecht geschützt und müssten selbst entscheiden, ob sie eine „Freistellung beantragen, Urlaub einreichen“ oder nur die Mittagspause verlängerten.
Marie-Florence Mahwera, Geschäftsführerin des Landesfrauenrats Berlin
Damit sei der Protest für viele anschlussfähig, sagte Goehler. Zudem wolle man am 9. März „picknicken, liegen, schreien, tanzen, aber nicht marschieren“. Man wolle sich beispielsweise auf öffentliche Plätze legen, es sei eine „faule Demo“ geplant. Ein Ziel sei es auch, die „Spaltung der verschiedenen Frauenbewegungen zu überwinden“. Mit Frauen* meint die Initiative eine „Vielfalt der Geschlechter“, die Teil der Aktion sein sollen.
Vorbild Island
Genug! Basta! hat nach eigenen Angaben 1.100 Mitglieder und besteht aus über 50 Organisationen und 42 Regionalgruppen. In Deutschland sind das unter anderem Fridays for Future, Omas gegen rechts und die Landesfrauenräte der Bundesländer. Auch die taz Panter Stiftung unterstützt den Frauenstreik.
Weltweit gibt es unter anderem Gruppen in Lissabon, Buenos Aires oder Lima. Es sind jedoch nicht alle Länder der Welt beteiligt. Man wolle auch für diejenigen Frauen* demonstrieren, die selbst nicht auf die Straßen gehen können, sagte Goehler.
Vorbild für die Initiative ist der Frauenfreitag, der 1975 in Island stattfand. Damals legten etwa 90 Prozent der isländischen Frauen ihre Arbeit nieder, um gegen unfaire Löhne und Arbeitsteilung zu demonstrieren. Offiziell spricht man in Island von einem „Frauenruhetag“, weil ein Streik gegen Diskriminierung arbeitsrechtlich nicht möglich gewesen wäre und um konservative Frauen nicht abzuschrecken.
Island liegt seit 2009 durchgängig auf Platz eins des Gender Gap Index des Weltwirtschaftsforums, der die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen misst, in den Bereichen wirtschaftliche Teilhabe, Bildungschancen, Gesundheit und politische Teilhabe. Deutschland rutschte 2025 von Platz sieben auf Platz neun ab. Die Gründe sind laut Weltwirtschaftsforum vielfältig: Die wirtschaftliche Gleichstellung stagniert seit Jahren, die politische Teilhabe von Frauen verschlechtert sich, die gesunde Lebenserwartung von Frauen sinkt.
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