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Fehlende Lehrkräfte an SchulenJe­de:r dritte 50 oder älter

In Schulen herrscht Personalmangel. Im Osten ist die Altersstruktur an Schulen ungünstig – aber die Teilzeitquote niedriger.

Führen wenige Lehrkräfte zu mehr Ausfallstunden? Foto: Michael Weber/imago
Ralf Pauli

Aus Berlin

Ralf Pauli

Der Personalmangel an Schulen ist ein drängendes Problem: Rund 12.000 Stellen sind derzeit unbesetzt. Wie stark der Bedarf in den kommenden Jahren weiter steigen wird, machen neue Daten zur Altersstruktur der gut 700.000 Lehrkräfte in Deutschland deutlich. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag mitteilte, war im vergangenen Schuljahr mehr als je­de:r dritte Leh­re­r:in über 50 Jahre und fast je­de:r neunte bereits über 60.

Besonders hoch fällt die Altenquote im Osten aus. In Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen ist mehr als jede zweite Lehrkraft 50 Jahre oder älter. Die meisten alten Lehrkräfte beschäftigt Sachsen-Anhalt (60,8 Prozent sind über 50) – die wenigsten das Saarland (27,3) und Bremen (28,1).

Die Altersstruktur unter Lehrkräften ist einer der Gründe, warum den Schulen bis 2030 nach Schätzung der Kultusministerkonferenz (KMK) 31.000 Lehrkräfte fehlen werden. Ein anderer ist die Entwicklung der Studierenden­zah­len.

So entscheiden sich immer weniger Ab­itu­ri­en­t:in­nen für ein Lehramtsstudium – und auch hier hielten die Sta­tis­ti­ke­r:in­nen aus Wiesbaden unerfreuliche Nachrichten bereit: Im Studienjahr 2021/22 begannen knapp fast 14 Prozent weniger Personen ein Lehramtsstudium als im Jahr zuvor. Derzeit bilden die Länder im Schnitt 18 Prozent weniger Lehrkräfte aus, als sie für den Unterricht benötigen. KMK-Vorsitzende Astrid-Sabine Busse (SPD) hat zuletzt angemahnt, mehr Personen für ein Lehramtsstudium zu gewinnen und die vergleichsweise hohen Abbrecherquoten zu senken.

Im Vergleich zu anderen Berufen hohe Teilzeitquote

Neben der Altersverteilung machte das Statistische Bundesamt auch Angaben zum Beschäftigungsumfang der Lehrkräfte: Demnach arbeiteten mit 40,6 Prozent zuletzt so viele Lehrkräfte in Teilzeit wie seit zehn Jahren nicht mehr. In Bremen und Hamburg arbeiten sogar mehr Lehrkräfte in Teil- denn in Vollzeit, in Thüringen und Sachsen-Anhalt ist es nur etwa je­de:r fünfte.

Im Vergleich zu anderen Berufen ist die Teilzeitquote bei Lehrkräften überdurchschnittlich hoch, was auch am recht hohen Frauenanteil (73 Prozent) liegt. Weibliche Lehrkräfte gehen doppelt so häufig in Teilzeit wie männliche.

Wegen des akuten Personalmangels an Schulen prüfen die Bildungsministerien derzeit, ob und wie sie die hohen Teilzeitquoten unter Lehrkräften reduzieren können. Sachsen und Nordrhein-Westfalen haben in den vergangenen Tagen angekündigt, ab dem Sommer entsprechend striktere Regeln bei der Gewährung von Teilzeit aufstellen zu wollen.

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5 Kommentare

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  • Jedder dritte älter...



    heisst auch, 2 von drei sind jünger.



    Ohne Demografie würde man im Idealfall erwarten:



    Drittel 25 bis 37



    Drittel 38 bis 50



    Drittel 50-62/65.



    Passt.

    • @fly:

      Was soll da passen, wenn das obere Drittel in Rente geht während nicht genug Lehrer nachrücken?

      • @Andreas J:

        Im Normalfall passt das, genau so hatte ich auch gerechnet. Es kommt aber natürlich auch sehr auf die Jahrgangszahlen der anstehenden Schülergenerationen an. Besonders viele Kinder wurden und werden zur Zeit nicht geboren. Die Geburtenrate steht aktuell bei 1,53 Kinder/Frau. Tendenziell werden also eher weniger Lehrerinnen und Lehrer gebraucht werden als heute.

        • @Winnetaz:

          Das ist aber alles Spekulation und ändert an der aktuellen Situation nichts. Darauf warten das sich das Problem im Bildungssystem von allein Löst kann auch jede Menge Bildungsverlierer produzieren. Das werden vor allem Kinder sein deren Eltern ein geringes Einkommen haben.

  • Liebe Studierende,



    lasst die Finger vom Lehramt Mittelschule in Bayern.



    Der eigentlich schöne Beruf wird durch gesellschaftliche Einflüsse und politisch ignorante Fehlplanung zum Burnout-Garanten. Finanzielle und gesellschaftliche Anerkennung - Fehlanzeige.