Fantasyfilm „Dust Bunny“: Ängste lassen sich nicht erschießen
Dieses Monsterkarnickel ist allzu real: Bryan Fuller inszeniert den Fantasyfilm „Dust Bunny“ als hinreißenden Albtraum.
Unter dem Bett lauert das Monster. Unter dem Fußboden, genauer gesagt. Ein Wesen, das der Fantasie der zehnjährigen Aurora (Sophie Sloan) entsprungen scheint, ein zusammengeknäultes Häufchen Staub, also das, was ein „Dust Bunny“ ist. Nur dass dieses Häufchen als ein riesiges Kaninchen mit enormen Hauern zum Leben erweckt worden ist. Und als solches hat es die Pflegeeltern von Aurora verspeist, da ist sie ganz sicher, auch wenn sie selbst, die Decke über dem Kopf, verschont worden ist. Sie ist nicht unbedingt traurig, denn die Pflegeeltern waren nicht nett. Aber sie will natürlich, dass das Riesenkaninchen verschwindet.
„Dust Bunny“ legt los wie der Teufel. Erst der Monsterangriff. Dann verfolgt Aurora den Nachbarn aus der Wohnung 5b (Mads Mikkelsen) in eine Schlacht gegen riesige Schlangen in Chinatown. Das ist ihr Mann, denkt sie, klaut das Klingelbeutelgeld aus der Kirche und heuert ihn an: als Jäger. Nicht erst hier scheint klar: Das ist ein Fantasyfilm. Das Monster eine Fantasieausgeburt, die Welt, in der sich das alles bewegt, aus der Realität, die man kennt, verschoben in eine seltsam schöne Jugendstiltraumarchitektur.
Schön, aber auch kafkaesk: Mit kämpfenden Nachbarn, rätselhaften Agenten, in warme Farben getaucht, mit Dim-Sum-Speisen, die zappeln, wenn man sie isst. Im Restaurant zieht ein Hai in einem Riesenaquarium seine Kreise. Der Nachbar trifft sich mit einer so attraktiven wie unheimlichen älteren Frau (Sigourney Weaver), von der man erst ganz am Ende erfährt, wer sie eigentlich ist.
„Dust Bunny“ (USA 2025, Regie: Bryan Fuller). Die DVD ist ab rund 15 Euro im Handel erhältlich.
Diese Welt ist ein Albtraum, an dem vieles hinreißend ist, aber sie beherbergt viel Horror. Nicht nur in Gestalt von Monsterkaninchen. Hier werden Menschen getötet, zerstückelt, in Koffer gepackt. Hier werden Gewaltorgien, wenn auch sehr eigentümlich, choreografiert. Und die Kamera dringt, nicht nur durch Wände hindurch, ein in die Dingwelt.
Sie lässt sich keine falsche Wirklichkeit vormachen
„Dust Bunny“ ist ein Fantasyfilm, der die Fantasie des Kindes aber beim Wort nimmt. Das Monster ist, wie die Angst, die ihm zugrunde liegt, allzu real. Aurora, von Sophie Sloan im Seelenaufruhr mit enormer Körperruhe gespielt, ist die wahre Heldin, weil sie sich keine falsche Wirklichkeit vormachen lässt. Ängste lassen sich wie übermächtige Monsterkarnickel nicht einfach erschießen oder überhaupt überwinden. Was man kann: sie bezähmen. Und das ist das, was geschieht.
Der Film ist das Debüt eines Mannes, der schon ein vielgestaltiges und episodenreiches Werk in die Welt gesetzt hat. Bryan Fuller ist in der Welt der Fernsehserien ein Star. Seit dem großartigen „Dead Like Me“ (2003/2004) hat er an der Grenze von Wirklichkeit und Fantasie laboriert, schrulliger als David Lynch, eine Art Fernsehkafka in bunt. Aus seinem größten Erfolg „Hannibal“ (2013 bis 2015) hat er Hannibal Lecter, eben Mads Mikkelsen, in das Spielfilmdebüt mitgebracht.
Wie ohnehin das „Fullerverse“ immer schon durchlässig war. Figuren aus der einen Serie sind später in anderen Serien als Nebenfiguren wiedergekehrt. Dass alles in einer dehnbaren, für die Realität durchlässigen, aber in sich doch auch geschlossenen Eigenwelt spielt, ist die autorschaftliche Prämisse von Fullers Werk. In gewisser Weise ist „Dust Bunny“ vor allem Arbeit an einem traumschlossförmigen Seitenbereich dieser Welt.
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Trailer „Dust Bunny“
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Mehr Worldbuilding als Story, sehr viel mehr liebevolle Modellierung von Gestalt, Raum, Fantasie und Figur als lineare Plot-Architektur. Das mag für sich und als eigener Film eine Sackgasse sein. Aber es ist eine Sackgasse, die so wunderbar ausstaffiert ist, dass man in ihr die zu Zielen führenden Wege gerne eine Weile vergisst.
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