Fahrraddemo gegen „Apollo News“: Umgezogenes Problem
Nach „Nius“ hat nun auch „Apollo News“ seinen Sitz in Kreuzberg. Mit einer Demo wollen Antifaschisten die Nachbarschaft sensibilisieren.
Kreuzberg wird zum Mekka für rechtspopulistische Medien. Schon seit einer Weile hat sich in den Aquahöfen in der Ritterstraße Julian Reichelts Portal „Nius“ breitgemacht. Nun ist auch „Apollo News“ in dem Bezirk gelandet, der für Rechte eigentlich selbst ernannte No-go-Area ist. Die Redaktion des neurechten Portals „Apollo News“ ist bereits im April von ihrem bisherigen Sitz in der Mengerzeile in Alt-Treptow in einen Hinterhof in der Gneisenaustraße 44/45 gezogen.
Ein Antinaziplakat in einem Fenster im Innenhof weist bereits darauf hin, dass nicht alle Nachbarn mit den neuen Mietern einverstanden sind. Wie die taz aus dem Haus erfuhr, hat „Apollo“ ein 400 Quadratmeter großes Büro bezogen, etwa doppelt so groß wie die bisherigen Räumlichkeiten. Vermieter der Immobilie ist eine Privatperson.
Am kommenden Samstag wollen sich Antifaschist:innen der rechten Raumnahme mit einer Fahrraddemo entgegenstellen, die vom neuen „Apollo“-Sitz über die Büros von „Nius“ nach Treptow führen wird. Initiiert ist der Protest von der Initiative „Apollo Nö“, die sich nach einer Infoveranstaltung der Linken in Treptow im vergangenen September gegründet hatte. „Apollo“ hatte das Treffen, bei dem eine Expertin der Amadeu Antonio Stiftung über neurechte Medien informiert hatte, heimlich besucht und sich danach über angebliche Gewaltaufrufe gegen sich beschwert. Skandalisiert wurde der angebliche Angriff auf die Pressefreiheit in Medien wie der Welt und der Berliner Zeitung.
Moritz Warnke, Bezirksvorsitzender der Linken Treptow vermutet, der Umzug sei auch auf „den demokratischen Prozess im Kiez“ zurückzuführen. So hätten sich Künstler:innen aus dem Atelierhaus in der Mengerzeile an die Vermieter gewandt, eine Kampagne sei in Planung gewesen. Ein Sprecher der Initiative „Apollo Nö“ sagt im Gespräch mit der taz: „Wir haben uns gefreut, dass ‚Apollo‘ aus Alt-Treptow weggezogen ist, aber das Problem ist nur umgezogen und nicht aus der Welt.“
Themen der Neuen Rechten
Die Demo diene dazu, über „Apollo News“ aufzuklären, das einst als Schülerblog startete und inhaltlich „nah bei anderen neurechten Medien wie der Achse des Guten, Tichys Einblick oder Julian Reichelts ‚Nius‘“ anzusiedeln sei, wie es in einem Flyer für die Demo heißt. Inhaltlich bediene man sich der „Themenfelder der Neuen Rechten: Antifeminismus und Queerfeindlichkeit, Rassismus, Kulturkampf und das Gespenst der Meinungsdiktatur“. Laut dem Initiativensprecher versuche „Apollo“ in Ergänzung zu „Nius“, zu dem viele personelle Überschneidungen bestünden, ein eher jüngeres und wirtschaftslibertäres Publikum anzusprechen.
Beteiligt an dem Protest sind gleich mehrere Initiativen, darunter „Kein Bock auf Nazis“, die Linke oder die Kreuzberger Kampagne „Nein zu Nius“, die zuletzt eine gut besuchte Infoveranstaltung im Dragoner-Areal organisiert hatten. Beworben wird die Demo zudem von der Initiative „Nius raus aus der GSG“ die auf die Kündigung des Mietverhältnisses drängt.
Demo: 20. 6., 14 Uhr, Gneisenaustraße 44/45
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