FC Bayern Trainer Vincent Kompany: Nur kein Übermut
Die Ansprüche an Vincent Kompanys Bayern steigen. Auch er selbst setzt den Champions-League-Titel als Ziel. Dennoch bleibt der Coach bodenständig.
Es gab viele Themen beim FC Bayern vor dem Start in die neue Bundesliga-Saison. Die Gesundheit von Jamal Musiala, die Zukunft von Sportvorstand Max Eberl und davor, noch während der Weltmeisterschaft in Amerika, ob Michael Olise bleibt oder nicht. Und ob die Münchner noch ein paar Altlasten losbekommen. Mit Ausnahme der Sorgen um Musiala keine wirklichen Aufreger, denn es hatte sich schon im Juli angedeutet, dass Eberl bleiben wird, ehe dies am Dienstag offiziell vom Aufsichtsrat abgesegnet wurde.
Was der Sportvorstand mit den Worten kommentierte: „Die Verlängerung war kein Geschenk, sondern hart erarbeitet.“ Bei Olise thematisierten einen möglichen Wechsel zu Real Madrid vor allem der Boulevard und Transferjournalisten. Die Spanier hatten dagegen nach dem Nein der Bayern erst gar nicht angefangen, um den Spieler zu werben.
Die Neuverpflichtungen passierten so geräuschlos und schnell wie selten bei Bayern, und zwei Tage vor dem Auftakt gegen den VfB Stuttgart an diesem Freitag sind die Bayern noch João Palhinha losgeworden, für 20 Millionen Euro an Benfica Lissabon. Und auch bei Bryan Zaragoza stehen die Chancen für einen Verkauf vor Ende der Transferfrist am kommenden Dienstag gut. Es ist also fast alles geregelt beim FC Bayern. Einer neuen Rekordsaison steht nichts im Wege, oder?
Klar, die Münchner sind auch dieses Mal die großen Favoriten. Nur der Paderborner Trainer Ralf Kettemann wagte bei der Umfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht den Titelverteidiger, sondern den VfB Stuttgart als ersten Meisteraspiranten zu nennen. „Ich hoffe, wir sind so gut wie in der vergangenen Saison, und dass wir, wo es geht, vielleicht noch besser werden“, sagte Trainer Vincent Kompany am Donnerstag. Aber er wisse, dass es schwierig sei, besser zu werden, denn „es geht ja nicht nur um die Pokale, sondern auch um die Anzahl der Tore und der Spiele, die wir gewonnen haben.“
Hohe Ansprüche
Kompany ist sich im Klaren, dass die Ansprüche an ihn, an die Mannschaft hoch sind. Er hat sie immer ein wenig höher geschraubt. In seiner Premierensaison ging es darum, die Mannschaft zu befrieden, eine Hierarchie aufzubauen, auch zu sehen, wer passt zum Kompany-Fußball und wer eher nicht. Im vergangenen Spieljahr hatte die Mannschaft den Kompany-Fußball verinnerlicht, herausgekommen ist eine Rekordsaison, national jedenfalls. International fehlte noch der letzte Schritt gegen einen etwas clevereren und in seiner taktischen Ausrichtung flexibleren Titelverteidiger aus Paris im Halbfinale.
Mit Nathanel Brown und Ismael Saibari hoffen die Bayern, diese Lücke zu schließen. Die beiden Neuen sind in der Lage, verschiedene Positionen zu spielen und haben in der Vorbereitung schon gezeigt, dass sich mit ihnen auch das Spiel verändern kann. Beim Supercup in Dortmund am vergangenen Samstag hatte Brown, der in erster Linie als linker Außenverteidiger vorgesehen ist, einen sehr ordentlichen Auftritt als Zehner. Gegen Stuttgart könnte er wieder den nach seinen Absencen noch fehlenden Musiala ersetzen. Oder auch Saibari, der seine bei der WM erlittene Muskelverletzung auskuriert hat, aber bei dem Kompany noch nicht sicher ist, ob er schon für 90 Minuten bereit ist.
Ziel: Champions-League-Sieg
Der sonst eher zurückhaltende Kompany hatte Anfang August bei der Asien-Tour den Triumph in der Champions League als Ziel formuliert, neben den nationalen Titeln selbstverständlich. Dass er anschließend aber verkündete, dies während der Saison nicht mehr zu wiederholen, passt zu dem Belgier. Nur kein Übermut. Da werde er dann immer sagen, „dass wir uns auf das nächste Spiel konzentrieren müssen“.
Das Ziel ist aber ausgesprochen und daran wird der bisher so erfolgreiche Bayern-Trainer gemessen werden. Sorge, dass der Trainer ein wenig zu selbstsicher wird, die Bodenhaftung verliert, müssen die Bayern nicht haben. Kompany arbeitet so akribisch wie am ersten Tag. Obwohl überall hochgeschätzt, tritt Kompany sehr bescheiden auf, sieht sich nicht als Trainer, den viele Weltklasseklubs gerne verpflichten würden, sondern fühlt sich auch bei seinem dritten Saisonstart in München „wie beim ersten Mal“ – damals vor zwei Jahren, vielleicht auch wie einst in Burnley und Anderlecht, seinen ersten Stationen als Trainer. „In meinem Kopf“, sagt er, „sind null Titel“. Erst einmal.
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