Extinction Rebellion in Berlin

Mittwoch ist Brückentag

Am dritten Tag der Aktionswoche von Extinction Rebellion haben Aktivist*innen Spree-Brücken blockiert. Von der Regierung fühlen sie sich ungehört.

Demonstranten auf einer Brücke über der Spree, im Hintergrund die Reichstagskuppel

Blockade in Sichtweise des Parlaments: besetzte Marschallbrücke am Mittwoch in Berlin Foto: dpa

BERLIN taz | „Ich habe gemerkt, dass das wohl der nächste Schritt ist, der nötig ist, um was zu bewegen“, sagt ein junger Aktivist. Er sitzt auf einem selbstgebastelten Floß auf einer Brücke in Berlin und erklärt, warum er Teil einer Brückenblockade ist. Um ihn herum sitzen und liegen Menschen und singen: „We are rising up, time has come to stir things up, join the rebellion.“ Die Marshall-Brücke hier, in Sichtweise des Reichstags in Berlin, ist besetzt. Auch die Mühlendamm- und die Jannowitzbrücke sind blockiert. Es ist der dritte Aktionstag von Extinction Rebellion: Brückentag.

In den vergangenen Tagen hielten tausende Menschen eine zentrale Kreuzung am Potsdamer Platz sowie den Kreisverkehr Großer Stern an der Siegessäule besetzt. Heute sind Brücken über die Spree dran. Nur Rettungswagen, Feuerwehr und Polizei werden durchgelassen: Privater Verkehr muss die Blockaden umfahren.

Mit ihren Aktionen protestiert die Bewegung unter anderem für CO2-Neutralität von Deutschland bis 2025 und Basisdemokratie in Form von Bürger*innenversammlungen. An den Blockaden beteiligen sich junge Menschen, Familien mit Kindern, Großeltern, sogar Rentner*innen mit kleinen Hunden.

„CO2-neutral heißt nicht, dass wir kein CO2 mehr ausstoßen“, sagt eine Aktivistin. Sie sitzt in einer Blockade auf einer Kreuzung zur Jannowitzbrücke, nicht weit entfernt vom Fernsehturm. „CO2-neutral bedeutet, dass wir das CO2, das wir ausstoßen, dann auch wieder einfangen.“

Es gehe ihr nicht nur darum, dass im Amazonas der Wald verschwindet. „Hier in Deutschland verschwindet jeden Tag gesunder Wald. Wenn wir wirklich wollten, könnten wir diese Wälder wieder aufforsten. Wir könnten eine ganz andere Landwirtschaft machen, wenn wir dafür sorgen, dass die Böden wieder gesund werden. Wir müssen ändern, wie wir mit der Natur umgehen.“

Aktivist*innen loben Polizei

Die Polizei ist bei allen Blockaden vor Ort, räumt aber bis Redaktionsschluss nur eine der Brücken. Auf der Mühlendammbrücke kommt es dabei auch zu Schmerzgriffen: Wenn Polizist*innen keine Lust haben, friedlich protestierende Menschen wegzutragen, ist es ihnen in Deutschland gestattet, diesen Menschen so sehr und so lange weh zu tun, bis sie aufstehen. Aber auch am dritten Tag der Aktionswoche ist diese Art des Vorgehens der Polizei die Ausnahme, nicht die Regel. Tatsächlich loben viele Aktivist*innen von Extinction Rebellion die Berliner Polizei für besonnenes und deeskalatives Vorgehen.

Von der Regierung hingegen fühlen sich viele nicht gehört. „Die Politik hat verstanden, dass sie über das Thema reden müssen“, sagt die Aktivistin auf der Jannowitzbrücke. „Aber sie versuchen, so über das Thema zu reden, das sie am Ende nichts tun müssen.“

Das Klimapaket scheint dabei mehr und mehr zum Symbol zu werden – und zum Zentrum der Kritik. „Heute wird das sogenannte Klimapaket verhandelt. Das ist inzwischen nicht mal ein Paketchen. In der Post würde das nicht als Päckchen durchgehen. Das ist einfach nichts.“ Was fehle, seien konkrete Maßnahmen, sagt die Aktivistin. „Wir haben noch nicht mal angefangen.“

Laut Extinction Rebellion sollen die Blockaden noch die ganze Woche weitergehen. Und: Viele bei Extinction Rebellion gehen davon aus, dass es bei dieser einen Aktionswoche nicht bleiben wird. „Wir werden wohl noch zwei oder drei solche Wochen machen“, sagt auch die Aktivistin auf der Jannowitzbrücke. „Wenn die Politik nicht reagiert, sitzen wir hier demnächst wieder auf der Straße.“

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