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Europäische Wildkatze bedrohtUnkastrierte Hauskatzen als Problem

Naturschützer schlagen Alarm: Paaren sich freilaufende Hauskatzen mit Wildkatzen, könnten genetische Anpassungen der Wildkatzen verloren gehen.

Rund 8.000 Wildkatzen leben in Deutschland Foto: Blickwinkel/imago

Berlin epd | Unkastrierte Hauskatzen bedrohen nach Angaben des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) die streng geschützte Europäische Wildkatze. „Jedes unkastrierte Tier erhöht das Risiko und trägt dazu bei, dass sich Streunerkatzen noch weiter vermehren“, erklärte BUND-Naturschutz-Expertin Pauline Münchhagen am Mittwoch in Berlin. Eine Hybridisierung, die Vermischung von Haus- und Wildkatze, sei vor allem in Baden-Württemberg zu beobachten.

Wenn sich frei herumlaufende Hauskatzen mit den Wildkatzen paaren, könnten deren genetische Anpassungen an ihren Lebensraum verloren gehen. Zudem könnten Hauskatzen Krankheiten übertragen, die oft für Wildkatzen tödlich seien.

Die Rückkehr der Wildkatze in Zeiten des Artensterbens sei eine gute Nachricht, sagte Münchhagen. Den rund 8.000 Wildkatzen in Deutschland würden allerdings etwa 15 Millionen Hauskatzen und zwei Millionen verwilderte Streuner gegenüberstehen. Der wichtigste Schritt sei deshalb, Freigänger-Katzen kastrieren zu lassen.

Mehr Lebensräume für Wildkatzen sind nötig

Der BUND fordere zudem für einen langfristigen Schutz die Ausweitung der Lebensräume von Wildkatzen. Ein genetisches Monitoring von Wildkatzen zeige, dass in großflächigen wilden Waldgebieten bisher kaum Hybridisierung vorkomme.

Ein weiteres Problem ist laut der BUND-Expertin die Verwechslung von Wildkatzenjungtieren mit vermeintlich ausgesetzten Hauskatzen. Doch Wildkatzen seien keine ausgesetzte Kätzchen. Sie würden von der Mutter oft nur kurz zurückgelassen, wenn sie auf Nahrungssuche ist. Diese unbeabsichtigten Entnahmen könnten den Tod der Jungtiere zur Folge haben und sei zudem gesetzlich verboten.

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12 Kommentare

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  • Hauskatzen gibt es flächendeckend seit dem Mittelalter in Europa, dennoch ist kein nennenswerter Anteil von Hybridisierungen in Wildkatzen trotz dieser langen Zeit nachweisbar.



    Warum sollte das jetzt zum Problem werden?



    Der Jagd auf vermeintlich streunende Hauskatzen fallen bestimmt nicht wenige Wildkatzen zum Opfer. Kaum ein Jäger dürfte so geschult sein, in der Dämmerung oder gar Nacht Wildkatzen von getigerten Hauskatzen unterscheiden zu können. Zur Not wird die dann erlegte Wildkatze zur Hybridkatze deklariert, weil Gentests nach Augenschein, das gehört bekanntlich zur Jäger Grundausbildung... während Biologen dafür ein Labor benötigen.

    • @nutzer:

      pmc.ncbi.nlm.nih.g...ticles/PMC6972816/

      Absatz 4.2: "hybrids were detected in larger proportions within domestic cats' populations than within wildcats"

      Die Hybridisierungsrichtung geht in Richtung Hauskatze, kaum in Richtung Wildkatze, sprich es gibt unter Hauskatzen Hybriden, in Wildkatzen dagegen kaum.



      Dieses Muster besteht vermutlich schon seit Jahrhunderten, andernfalls gäbe es schon lange keine Wildkatzen mehr, sondern nur noch Hybriden.

  • Felis Silvestris lebt in der Regel weit ab aller menschlichen Ansiedlungen tief im Forst und versteht es ausgesprochen gut den Menschen zu meiden. Egal wie sehr er ihnen auch auf die Pelle rückt. Es handelt sich um sehr kluge Tiere, die sich nebenbei bemerkt gegen eine europäische Kurzhaar aufs das beste Verteidigen kann wenn ihr danach ist.



    Ein Aufeinandertreffen ist außer in einer kleinen Handvoll Regionen sehr unwahrscheinlich. Und wenn es dazu kommt und die Hauskatzen das überleben: No love is illegal!

    Anbei bemerkt ist der größte Feind der erhabenen Wildkatze momentan eher Krieg und Klimawandel und nicht das es zum "großen Austausch" unter Spitzohren kommt.

    *Zwinker, zwinker. Mau-Miau.

    • @Thomas O´Connolly:

      Ich verstehe ebenfalls nicht, was an Hybriden denn so schlecht sein soll. Es handelt sich ja gar nicht um eine eigene Art (da bekanntlich sowieso nur innerhalb ein und derselben Art fortpflanzungsfähige Nachkommen hervorgebracht werden können - Biountericht 6. Klasse...).

      Es steht hier also keineswegs das Fortbestehen einer Art auf dem Spiel. Somit ja: "no love is illegal" - das Ganze wäre bei der Art Menschen vergleichbar mit der Forderung, dass Isländer sich bitte nur untereinander paaren sollen, weil sie sich sonst irgendwann nicht mehr alle so schön ähnlich sehen wie heute. Das wäre eine rassistische Sichtweise.

      • @Winnetaz:

        Hybriden, auch wenn sie zu einer Art gehören, können sich z.B. negativ auf die Überlebensfähigkeit der daraus entstehenden Hybriden auswirken. Das führt zu einer Abnahme an angepassten Individuen, besonders bei Arten mit sowieso geringer Individuenanzahl kann das fatal sein.



        Der Bio-Unterricht 6.Klasse liegt da leider falsch, Es gibt fertile Hybriden nicht nur zwischen 2 biologischen Arten, sondern sogar über Gattungsgrenzen hinweg. Ganz so starr wie das noch vor kurzem gedacht wurde, ist es nicht. Bsp. Artgrenze: Nerz-Mink, Gattungshybride: Citrus wakonai x Citropsis gabunensis gibt noch viel mehr...



        Heutige Menschen sind genetisch so identisch, egal welcher Herkunft, dass man nicht ansatzweise von Unterarten sprechen könnte, bei Nationalitäten sowieso.



        Der Unterschied zwischen Hauskatze und europ. Waldkatze liegt vermutlich auf halben Wert wie bei Mensch und Schimpanse, weshalb beide Katzen auch zwei Arten zugeordnet werden.

  • Ein guter erster Schritt wäre, Landwirten, die auf ihrem Hof Katzen als Arbeitstiere brauchen, die Tierheimgebühren zu erstatten, wenn sie kastrierte Katzen von dort aufnehmen.



    Damit würden auch viele überzählige Katzenbabys, welche von Landwirten an Nachbarn und Freunde verteilen nicht mehr von dort kommen.



    Im Anschluss daran gäbe es auch deutlich weniger überzählige Katzenbabys, von privaten Katzenbesitzern, die nach der Adoption der Bauernhofkatzen nicht daran denken, dass unkastrierte Katzen sich weiter vermehren.

    • @Herma Huhn:

      Landwirt = Schuldig, passt ja zu jeden Thema !



      Wo werden denn mehr Katzen gehalten ? Auf Höfen oder von Privatpersonen ? Streunende Katzen sind von Haus aus ein großes Problem ( jagen von Vögeln ), aber sicher keines das NUR die Landwirte zu verantworten haben.

    • @Herma Huhn:

      Oder den Landwirten die Kastration ihrer Mäusefänger erstatten oder vergünstigen.

      • @normsen:

        Es gibt einen Grund weshalb Bauern die Katzenjungen ertränkt oder erschlagen haben (abgesehen davon dass es vor kurzem noch keine Tierärzte gab) bei 3 Katzen auf dem Hof mit je 7 Jungen jährlich sind Kosten von 70 Euro je Kastration ein Kostenfaktor, der den Gedanken an einen schonenden Übergang ins Totenreich verblassen lässt...

        • @nutzer:

          Es gibt aber auch einen Grund, warum Bauern bis heute nicht auf die eigene Vermehrung ihrer Katzen verzichten möchten.



          Wenn im Tierheim für eine neue Katze mit unbekanntem Jagdinstinkt 200 Euro hingelegt werden müssen, obwohl man sie von der unkastrierten eigenen Katze umsonst haben könnte, mit Auswahlmöglichkeit zwischen jährlich sieben Jungtieren, dann ist das eine Ausgabe, die man manchen Landwirten nur schwer vermitteln kann. Auch denen, die sich drum bemühen, für die überzähligen Jungtiere ein gutes zu Hause zu finden.

          • @Herma Huhn:

            Man kann die eigenen Hofkatzen auch kastrieren lassen. Evl. erst nach dem ersten Wurf.

          • @Herma Huhn:

            absolut richtig!