piwik no script img

Ermittlungen im StadionFußball ist der realste Krimi

Kolumne
von Aida Baghernejad

Nicht nur im Fernsehen beschäftigen sich die Er­mitt­le­r*in­nen gern mit Fußballskandalen. Auch die Drei??? verirren sich oft auf Fußballplätze.

A hhh, er rückt nah und näher, der Fußballsommer – und statt Krimis im herkömmlichen Sinne werden die nächsten Wochen eher Elfmeterkrimis über die Bildschirme der Nation flimmern.

Und es ist ja nicht so, als ob der Deutschen liebste Nebensache nicht auch immer wieder Thema für die Po­li­zei­kom­mis­sa­r*in­nen der TV-Republik wäre: 2011 ermittelte Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) im Stadion von Hannover96, es ging um Homophobie im Profifußball, 2024 ging es im Dortmunder „Tatort“ um Sportwetten und natürlich dramatische private Verwicklungen wie es Dortmunder Fälle so an sich haben.

Das deutsch-polnisch-genderfluide „Polizeiruf“-Ermittlerteam im Grenzort Świecko blieb im selben Jahr in der Folge „Spiel gegen den Ball“ sachlicher, und 1982 musste Polizeihauptmeister Werner Rolfs in seinem ersten und einzigen Fall ein Bundesliga-Heimspiel in Frankfurt am Main überwachen, während gleichzeitig Unterweltgrößen einen Pelzfachhandel ausrauben wollten. Kein Wunder, dass er danach aufgab.

Die Hörspiele

„Drei??? und Fußball“ auf Hörspiel-Plattformen eingeben

Aber „Tatort“ und „Polizeiruf“ können in Sachen Fußballkrimi völlig einpacken, wenn man den Blick nach Übersee wendet: Ausgerechnet im kalifornischen Rocky Beach, Heimat des literarischen, aber vor allem in Hörspielen reüssierenden Detektivtrios „Die Drei???“, häufen sich fußballbezogene Verbrechen. Ein Mysterium, weil Männerfußball in den USA und gerade in den Vororten von Los Angeles keine allzu große Rolle spielt – nicht mal David Beckham konnte in seiner Zeit bei LA Galaxy groß etwas daran ändern.

Wie oft kann man ein Fußballverbrechen lösen?

Aber die Nachwuchsermittler Justus, Peter und Bob stolpern trotzdem seit Mitte der Neunzigerjahre aus ihrem Stuttgarter Verlag und Hamburger Tonstudio heraus unverhältnismäßig oft in Fußballfälle unter der kalifornischen Sonne.

Die gerne auch mal geradezu paranormale Elemente beinhalten können, wie die Folgen „Fußball-Falle“ mit einem Mumienfluch (2008/10) oder „Fußball-Teufel“, wo der Leibhaftige höchstselbst auftritt (2012/13). Und auch dieses Jahr im Februar, wie könnte es anders sein, sind die drei Detektive in dem neuen Buch „Fußball-Skandal“ wieder in einen Fall geraten, bei dem das Runde ins Eckige soll (diesmal sogar bei der real dieser Tage stattfindenden WM!), aber irgendetwas dazwischenkommt. Das Hörspiel dazu folgt nächsten Februar.

Würden doch auch nur im realen Fußball Verbrechen so restlos aufgeklärt werden wie die Fälle der drei neunmalklugen Teenager aus Rocky Beach, oder der vom Privatleben überforderten Fernsehermittler aus der ganzen Bundesrepublik. Das aber ist uns nicht vergönnt, dabei gäbe es so viele Geheimnisse im Fußball, die es aufzuklären gilt.

Da wäre das Rätsel um die unverhältnismäßig verteilten Ressourcen für Frauen- und Männerfußball. Oder die mysteriös niedrige, ja fast nichtexistente Quote queerer Spieler im Profimännerfußball im Vergleich zum gesellschaftlichen Durchschnitt. Oder das intransparente Wesen des Sportwettengeschäfts. Oder die verdächtig laute Stille zum Thema Doping bei Spitzenturnieren.

Und natürlich die Rätsel um das Geschäftsgebaren der Fifa, die Integrität Gianni Infantinos im Vergleich zu der Sepp Blatters, die Auswahlkriterien für Ausrichtungsländer, die begrabenen Infrakstrukturhoffnungen so gut wie jeden Austragungsorts und nicht zuletzt das Rätsel um die toten Bauarbeiter der Fußballstadien in Katar. Der Fußball, er bleibt der brutalste Krimi von allen.

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 360 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare