piwik no script img

Entwicklunghilfe für RuandaKein neues Geld aus Deutschland

Deutschland setzt wegen des M23-Krieges Neuzusagen an Ruanda aus. Die bestehenden Zusagen würden weiter umgesetzt, man werde sie jedoch „überprüfen“.

Dominic Johnson

Aus Berlin

Dominic Johnson

Deutschland will seine Entwicklungszusammenarbeit mit Ruanda einschränken. Aus Protest gegen Ruandas militärische Unterstützung der Vorstöße der Rebellenbewegung M23 (Bewegung 23. März) im Osten der Demokratischen Republik Kongo werden neue finanzielle Zusagen ausgesetzt, wie das Entwicklungsministerium (BMZ) am Dienstag mitteilte.

Die bestehenden Zusagen werden weiter umgesetzt, aber man wird sie „überprüfen“. Außerdem wird Deutschland „die hochrangige Teilnahme an entwicklungspolitischen Veranstaltungen der ruandischen Regierung aussetzen“.

Ähnlich hatte zuletzt Großbritannien am 25. Februar auf die jüngsten Erfolge der M23 reagiert, allerdings weitergehend: auch die militärische Zusammenarbeit mit Ruanda wurde ausgesetzt und die gesamte bilaterale Zusammenarbeit „suspendiert“.

Der UN-Sicherheitsrat hatte am 21. Februar in seiner Resolution 2773 die M23-Offensive verurteilt, Ruandas Armee zum bedingungslosen Rückzug aufgefordert und die Bereitschaft zu Strafmaßnahmen erklärt. Ruanda hat seitdem begonnen, Truppen aus der DR Kongo abzuziehen, und die M23 hat ihre Vorstöße nicht weiter fortgesetzt.

Laufende Finanzierung läuft bis 2026

Konkrete Folgen hat die deutsche Ankündigung zunächst nicht. Neue Zusagen, die es jetzt nicht mehr geben soll, standen sowieso nicht an. 2024 hatte Deutschland bei Regierungsverhandlungen mit Ruanda 117 Millionen Euro für den Zeitraum bis 2026 zugesagt. Gefördert werden etwa Vorhaben im Klimaschutz oder in der Impfstoffproduktion. Geplante Regierungskonsultationen zu ihrer Evaluierung am 11. und 12. Februar waren bereits wegen des M23-Vormarsches abgesagt worden. Die Projekte laufen aber weiter.

Ruanda sei vorab über die Entscheidung informiert worden, heißt es in der Erklärung des BMZ weiter. Immerhin äußert sich Deutschland diplomatischer als Großbritannien. Die britische Regierung hatte bei ihrer Hilfeaussetzung den Zeigefinger Richtung Kigali erhoben: „Ruanda mag Sicherheitsbedenken haben, aber es ist inakzeptabel, diese militärisch zu lösen“, hieß es in der Erklärung aus London – britische Sicherheitsbedenken werden traditionell oft militärisch gelöst.

Deutschland erklärt jetzt, „dass die ruandischen Sicherheitsbedenken ernst genommen werden müssen und Deutschland hierzu auch mit der kongolesischen Seite in Kontakt steht“. Ruanda rechtfertigt seine Unterstützung der M23 in der DR Kongo mit Kongos Unterstützung der ruandischen Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas), die von Tätern des Völkermordes an Ruandas Tutsi 1994 gegründet wurde und von Kongo aus Ruanda für das damalige Hutu-Regime zurückerobern will.

Die deutsche Ankündigung erfolgt pünktlich zur Eröffnung der ITB (Internationale Tourismus-Börse) in Berlin. Auf der Reisemesse, die vom 4. bis 6. März läuft, ist Ruanda mit einem Stand vertreten, auf dem unter anderem für nachhaltigen Tourismus geworben wird.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Das ist wieder so ein Konflikt, der entstanden ist, weil sich einige Länder nicht darum scheren, wer sich so bei ihnen tummelt. Der Osten der DRC war einerseits der Rückzugsort derer, die 1994 vor den Hutu flohen, weil der Rest der Welt den Genozid ignorierte. Und es ist der Rückzugsort der Genozidäre, die dann vor Kagames Armee flohen, als dieser Ruanda befreite. Weil Kongo sich nicht darum kümmerte, die Schuldigen an Ruanda auszuliefern und die Opfer zu schützen, haben sich die Rebellen erst entwickelt. Die einen träumen immer noch davon, Ruanda einzunehmen, die anderen wollen die Mörder strafen. Wie das bei Konflikten so ist, die sich über Jahrzehnte ziehen, werden Ziele aus den Augen verloren, neue Ziele entstehen und die Akteure wechseln. Viele Täter und Opfer von damals sind längst gestorben, haben ihren Hass aber weitergegeben. Wäre hier nach 1994 ordentlich gearbeitet worden, gäbe es diesen Konflikt nicht. Nun überlagert die Gier nach Bodenschätzen die Jagd auf die Täter und den Schutz der Opfer. Man darf Ruanda auf die Finger klopfen, sollte aber auch klarstellen, dass die DRC hier ebenso schuldig ist, wenn sie Hutu-Terroristen gewähren lässt.