Energiewende in Asien: China und Indien wenden sich von fossilem Strom ab
Die Stromproduktion in China und Indien ist ein Treiber globaler Emissionen. Das ändert sich nun: In beiden Ländern sank 2025 die fossile Strommenge.
In China und Indien zeichnet sich ein Wendepunkt in der Energiegewinnung ab: In beiden Ländern ist 2025 die Stromproduktion aus fossilen Energien gesunken, insbesondere aus der Kohleverstromung. Und das, obwohl ihr Stromverbrauch weiter wächst. Das zeigt eine Analyse des Centre for Research on Energy and Clean Air basierend auf Daten der zentralen Strombehörden in beiden Ländern.
In China sank die Stromproduktion aus fossilen Brennstoffen von 6.237 Terawattstunden auf 6.164, ein Rückgang um etwa 1,6 Prozent. In Indien war die Entwicklung deutlicher: Dort sank die fossile Stromproduktion von 1.578 Terawattstunden auf 1.516, also um etwa 3.9 Prozent. Eine Terawattstunde entspricht etwa einer Milliarde Kilowattstunden, in Deutschland entspricht eine Terawattstunde dem Jahresverbrauch etwa 200.000 Vier-Personen-Haushalte.
Ein wesentlicher Grund für die Entwicklung: Beide Länder haben die erneuerbaren Energien ausgebaut. In Indien kamen 35 Gigawatt von Solarkraftwerken und 6 Gigawatt durch Windräder hinzu, in China mehr als 300 Gigawatt Solar- und 100 Gigawatt Windenergie. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2025 Solaranlagen mit insgesamt 17 Gigawatt und Windkraftanlagen mit 5 Gigawatt neu gebaut.
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In Indien kommt noch das geringere Wirtschaftswachstum und milderes Wetter als Erklärung hinzu. Das Wachstum sauberer Energien müsse beschleunigt werden, damit die Emissionen auch dauerhaft sinken, schreibt Analyse-Autor Lauri Myllyvirta. Allerdings wird in Indien nur etwa ein Fünftel so viel Strom produziert wie in China, so dass der Einfluss des Landes auch deutlich niedriger ist.
1,5-Grad-Grenze wird dennoch überschritten
Die Stromproduktion in China und Indien war in den vergangenen zehn Jahren für 90 Prozent der steigenden globalen Emissionen verantwortlich. Eine Wende dort dürfte auch eine weltweite Wende zur Folge haben. Dennoch werden beide Länder wohl noch einige Jahre hohe fossile Stromemissionen haben, sodass das Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze kurzfristig so gut wie sicher ist.
Sowohl China als auch Indien tragen historisch deutlich weniger Verantwortung für die Klimakrise als etwa die USA oder Europa, pro Kopf emittieren die Menschen dort weiterhin weniger, viele leben in Energiearmut. Der gestiegene Verbrauch in den vergangenen Jahren bedeutet dass mehr Menschen dort Zugang zu mehr Energie haben. Allerdings wurde dieser vor allem durch fossile Verbrennung gedeckt. Nun könnten sich, wie bereits in Europa und Nordamerika, Emissionen und Verbrauch entkoppeln.
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