Endlagerung von radioaktiven Altlasten: Termin für Entscheidung über Ort für Atommüllgrab wackelt
Bis 2031 soll festgelegt werden, wo ein Endlager für Atommüll entsteht. Jetzt will das Umweltministerium den Termin offenbar ersatzlos streichen.
Foto: Norbert Neetz/imago
Dass die Suche nach einem Standort für ein Endlager für den hochradioaktiven Atommüll viel länger dauert als zunächst geplant, findet nun wohl auch Eingang in das entsprechende Gesetz. In einem Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums für die Novellierung des Standortauswahlgesetzes werde das bisherige Zieljahr 2031 ersatzlos gestrichen, berichtete der Deutschlandfunk am Mittwoch. Die endgültige Lagerung von Atommüll und die Suche nach einem Standort fällt in den Zuständigkeitsbereich des von Casten Schneider (SPD) geführten Bundesumweltministeriums.
Das Datum 2031 habe sich als nicht realistisch erwiesen, so der Bericht. Eine gesetzliche Frist sei nicht mit den Anforderungen an das Auswahlverfahren für den bestmöglichen Standort kompatibel. Der Entwurf liegt dem Sender nach eigenen Angaben vor.
Das Bundesumweltministerium bestätigte auf Anfrage lediglich, dass der Referentenentwurf derzeit vorbereitet werde. Das Verfahren befinde sich in der Hausabstimmung auf Fachebene. Im nächsten Schritt erfolgten die Einbindung sowie die Beratungen innerhalb der Bundesregierung. Inhaltlich würden unfertige Entwürfe nicht weiter kommentiert, hieß es.
Dass die Standortsuche deutlich länger dauert, hatte sich bereits vor zwei Jahren abgezeichnet. In mehreren Gutachten und Stellungnahmen war von einer Entscheidung erst in den 2050er, 2060er oder sogar 2070er Jahren die Rede. Bis ein Endlager nach der Benennung eines Standortes gebaut und befüllt wird, werden weitere Jahrzehnte ins Land gehen.
Ein Stück Ehrlichkeit
Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) sieht in dem mutmaßlichen Eingeständnis des Ministeriums „ein Stück Ehrlichkeit“. „Die ursprüngliche Zielmarke war populistisch“, sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Der Öffentlichkeit habe suggeriert werden sollen, „dass die gefährlichen hochradioaktiven Abfälle möglichst bald von der Oberfläche verschwinden“.
In Deutschland fallen insgesamt rund 28.000 Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll an – das entspricht 10.500 Tonnen Schwermetall in etwa 1.900 Castorbehältern. Er besteht vor allem aus ausgedienten Brennelementen aus Atomkraftwerken sowie aus Rückständen der Wiederaufarbeitung. Obwohl die hochradioaktiven nur etwa 5 bis 10 Prozent des gesamten Volumens aller radioaktiven Abfälle ausmachen, enthalten sie mehr als 99 Prozent der Radioaktivität.
Mit der Suche nach dem Endlager ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mit Sitz im niedersächsischen Peine beauftragt. Das Endlager soll mindestens 300 Meter unter der Erde liegen und von einer mindestens 100 Meter dicken Gesteinsschicht als Barriere umgeben sein. Als mögliche sogenannte Wirtsgesteine kommen Salzstöcke, Ton- und Granitformationen infrage. Die BGE hatte zuletzt noch rund ein Viertel Deutschlands als potenziell geeignet bezeichnet.
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