Ende der Unamid-Mission in Darfur: Angst vor neuer Gewalt

In Sudans Region Darfur ist die Friedensmission von Vereinten Nationen und Afrikanischer Union ausgelaufen. Viele sehen das mit Sorge.

Ein Soldat läuft hinter einer Frau, die einen Stapel Feuerholz auf dem Kopf trägt

Ist seit Neujahr Geschichte: Soldat der Unamid eskortiert eine Geflüchtete in Sudans Region Darfur Foto: rtr

NAIROBI taz | Für die Region Darfur im Westsudan hat das neue Jahr ohne die gemeinsame Friedensmission der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union begonnen. Unamid war 2007 geschaffen worden, um der vom Krieg heimgesuchten Region Stabilität zu verleihen, während Friedensgespräche über eine endgültige Lösung stattfanden. Nach 13 Jahren Anwesenheit ist jetzt die sudanesische Übergangsregierung für Sicherheit und Frieden in der immer noch unruhigen Region verantwortlich.

An vielen Orten in Darfur demonstrierte die Bevölkerung gegen den Rückzug von Unamid. Die Bewohner befürchten, dass sie jetzt trotz des Friedensabkommens noch anfälliger für Gewalt sind. Die ist an der Tagesordnung: Erst letzte Woche starben 15 Menschen in einem Konflikt zwischen zwei Bevölkerungsgruppen um Wasserressourcen.

Auch Amnesty International äußerte sich in einem Bericht Anfang Dezember sehr besorgt über den Rückzug. Die Menschenrechtsorganisation zählte in drei Gebieten in Darfur zwischen Juli und September mindestens 70 Todesfälle bei Zusammenstößen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Diese Gebiete standen bereits unter der Kontrolle sudanesischer Sicherheitskräfte.

Die sudanesische Regierung, die nach dem Sturz von Präsident Omar Hassan al-Bashir in 2019 aus Zivilisten und Militärs zusammengestellt ist, hatte den Rückzug von Unamid gefordert, nachdem sie ein Friedensabkommen mit einer Koalition von Rebellengruppen in verschiedenen Teilen des Landes ausgehandelt hatte. Die größte Rebellengruppe in Darfur jedoch unterschrieb nicht. Dieser Flügel der sudanesischen Befreiungsarmee (SLM) unter der Führung von Abdul Wahid al-Nur will erst teilnehmen, wenn die Regierung die arabischen Milizen in Darfur entwaffnet. Es gibt immer noch Berichte, dass die sogenannten Janjaweed auf Pferden, Kamelen und Motorrädern Dörfer mit nicht-arabischen Bewohnern angreifen.

Misstrauen gegen die sudanesischen Sicherheitskräfte

Der Bürgerkrieg in Darfur begann 2003 mit dem Aufstand nicht-arabischer Rebellen gegen die Regierung in der Hauptstadt Khartum. Sie fühlten sich von zentralen Behörden vernachlässigt. Bashir benutzte hauptsächlich die Janjaweed-Miliz, um den Aufstand zu unterdrücken. Dabei kam es zu weit verbreiteten Gräueltaten. Mindestens 300.000 Menschen wurden getötet und mehr als 2,5 Millionen vertrieben.

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGh) in Den Haag hat Bashir schon vor mehr als 10 Jahren wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur angeklagt. Momentan sitzt er wegen Korruption in Khartum im Gefängnis. Im Rahmen des Friedensabkommens ist die Regierung im Gespräch mit dem IStGh über die Einrichtung eines eventuellen Sondergerichts für Kriegsverbrechen, um Bashir und andere zur Verantwortung zu ziehen.

Viele Menschen in Darfur haben großes Misstrauen gegenüber den sudanesischen Sicherheitskräften, weil ein Teil von denen, die RSF (Rapid Support Forces), aus den Janjaweed hervorgegangen ist. Obwohl die RSF Teil der Armee ist, handelt sie regelmäßig autonom unter der Führung des gefürchteten Mohamed Hamdan Dagalo, besser bekannt als Hametti, der auch Anführer der arabischen Miliz in Darfur war.

Bei Gewalt in der Region geht es oft um Landbesitz. Vertriebene, hauptsächlich nicht-arabische Bauern, wollen jetzt, da es einen Friedensvertrag gibt, auf ihre Felder zurückkehren, die andere in den letzten 17 Jahren in Besitz genommen haben. Dies führt manchmal zu tödlichen Konfrontationen. Darüber hinaus geraten Bauern regelmäßig in Konflikt mit arabischen Hirtenvölkern wegen Weideland und Wasserquellen.

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