Elon Musk und Twitter: Katz-und-Maus-Spiele

Dass Musk Twitter nun doch kaufen will, vermutlich weil er muss, könnte für manche lustig werden. Möglicherweise auch für Mathias Döpfner.

Elon Musk vor einer blauen Wand. Er hat kurze dunkle Haare trägt schwarze Hose und Shirt und eine schwarze Lederjacke. Er schaut grimmig.

Von harmonischer Geschäftspartnerschaft kann bei Musk eh keine Rede sein Foto: Ringo H.W. Chiu/ap

„Buying Twitter is an accelerant to creating X, the everything app“, twitterte Elon Musk am Mittwochnachmittag. Klar, die Weltformel kommt. Irgendwie muss er sich das Desaster ja schönreden. Dabei hatte im April ja alles so hübsch angefangen. Der reichste Mensch der Welt suchte neben Autos noch ein neues Hobby. Also beschloss er im Frühjahr, für 44 Milliarden Dollar mal eben Twitter zu kaufen.

Nun ist Musk ja für Katz-und-Maus-Spiele und schnelle Meinungswechsel bekannt. Und so hatte er es sich ein paar Wochen später wieder anders überlegt. Blöderweise war der Deal da aber schon unterzeichnet, und Twitter verklagte Musk. Worauf Musk seinerseits vor Gericht zog und Twitter verklagte.

In Wirtschaftssachen sind sie in den USA nicht eben zimperlich. Und von harmonischer Geschäftspartnerschaft kann bei Musk eh keine Rede sein. Das haben sie auch in Brandenburg gemerkt, wo Musk mit seiner Autofabrik spielt. Dafür machte die anschließende Schlammschlacht klar, wo bei Twitter die digitalen Abgründe lauern. Zum Beispiel bei den vielen Fake-Accounts, die von Bots und Trollen im Auftrag mehr oder weniger finsterer Mächte gesteuert werden. Oder mangelnder Schutz der Nutzerdaten und weiterer Sicherheitsschwächen führte Musk als Argumente an, warum der Deal hinfällig sei.

Allerdings halten es Rechts­ex­per­t*in­nen für wenig wahrscheinlich, dass Musk damit vor Gericht durchkommt. Deshalb macht Musk die Kehrtwende und will Twitter doch kaufen. Das lässt nicht nur den Aktienkurs von Twitter steigen, sondern dürfte auch den Puls von Mathias Döpfner beschleunigen.

Wie im Zuge des Rechtsstreits veröffentlichte Mails belegen, hatte der Springer-Chef sich schon im März an Musk rangewanzt. „Warum kaufen Sie nicht Twitter? Wir betreiben es für Sie. Und etablieren eine wahre Plattform der freien Meinungsäußerung. Das wäre ein wirklicher Beitrag zur Demokratie“, so Döpfner. Musk fand das eine „interessante Idee“, weshalb Döpfner noch mal bekräftigte: „Ich meine es ernst. Es ist machbar. Das wird lustig.“

Lustig? Mal sehen. Musk bezeichnet sich selbst ja als „Free Speech Absolutist“, also Hardliner in Sachen freie Rede inklusive aller Fake-News-Schleudern wie Donald Trump. Der darf im Moment ja bei Twitter nicht mitspielen. Doch wenn Musk Ernst macht, dürften selbst die ohnehin dürren Twitter-Spielregeln über die Wupper gehen. Und Döpfner hat ja auch eine ironische Schwäche für Leute wie Trump. „Aber dann wird es ja doch lustig! Dann teilen alle drei ihre Hobbys Stand-up, Comedy und Kabarett mit der ganzen Welt“ meint die Mitbewohnerin. Und für die X-App kauft Musk dann einfach noch Axel Springer.

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2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, seit 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"

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