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Elfmeterzeit in der BundesligaZwei Männer, drei Elfer

Der einsame Bayern-Verfolger Borussia Dortmund steigert sich in der zweiten Halbzeit und gewinnt auch dank Schiedsrichterentscheidungen gegen den HSV.

Schönes Trikot, schlechter Schuss: Felix Nmecha beim ersten Elfmeter Foto: dpa
René Hamann

Aus Wien

René Hamann

Momentchen, Elfmeter, um einem Spiel die entscheidende Wendung zu geben, ist das nicht eigentlich Sache des FC Bayern? Blick in die Statistik: Da stehen nach diesem Spieltag tatsächlich 11 Elfmeter für den FCB zu Buche, Spitzenwert. Der arme 1. FC Köln hat hingegen erst einen einzigen Elfmeter zugesprochen bekommen und gibt dem Begriff „Kölner Keller“ noch eine ganz andere Bedeutung. Der HSV, großer Leidtragender am Samstagabend, steht immerhin bei 5 im oberen Mittelfeld.

Platz 2 in dieser Statistik ziert seit Samstagabend Borussia Dortmund, weil sie beim Heimspiel gegen den HSV nicht weniger als drei Elfer bekommen haben. Sie stehen jetzt bei neun. Das Spiel gegen den HSV ging übrigens nach 0:2-Rückstand noch 3:2 für die Gastgeber aus. Das 3:2 fiel, man kann es sich denken, durch einen Elfmeter.

Wer aber an den tödlichen Maitag 2023 denkt, der weiß, dass der BVB nicht immer treffsicher ist beim Strafstoß, das war auch diesmal so. Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck gab recht großzügig den ersten Elfer noch vor der Pause, Felix Nmecha wollte das Geschenk nicht annehmen. Mit 0:2 ging es in die Kabinen.

Nach der Pause betrat Karim Bensebaini das Spielfeld und durfte seinem Mannschaftskollegen gleich zweimal zeigen, wie man den Vogel abschießt: zum 1:2-Anschluss und nachher zur Entscheidung. Serge Guirassy erzielte „aus dem Spiel heraus“ den Dortmunder Ausgleich. Immerhin.

Nur wahr ohne VAR

Vielleicht sollte die leidige Debatte um den VAR – insgesamt konnte man die Elfmeter schon zu 75 Prozent geben – mal eine ganz andere Drehung nehmen: Vielleicht sollte man einen Elfmeterdeckel einführen – nur noch ein Elfer pro Team möglich. Oder überlegen, dass Handspiele im Strafraum mit indirektem Freistoß belegt werden. Und Fouls gleich erkennbar sein sollten – vom Schiri, ganz ohne VAR-Korrektur. Zurück zum wahren Fußball.

Der BVB darf so noch weiter von einem Stolperwunder des FCB träumen; der HSV, dem alle Welt „Ligatauglichkeit“ attestiert, sieht sich indes noch einem harten Restprogramm gegenüber. Hoffentlich denkt am Ende der Saison niemand mehr an diesen Samstagabend zurück.

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