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Dutzende Tote an Neujahr in der Schweiz„Der ganze Raum stand nach einer Minute in Flammen“

In der Nacht bricht in Crans Montana in einer Bar Feuer aus. Polizei schließt Anschlag aus. Augenzeuginnen berichten von Feuer durch Wunderkerzen.

Weiträumig abgesperrt: Der Unglücksort m noblen Schweizer Skiort Crans-Montana am Donnerstag Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

dpa/taz | Im Schweizer Nobel-Skirort Crans-Montana sind bei einem Feuer während einer Silvesterparty Dutzende Menschen getötet worden. Rund 100 seien zum Großteil schwer verletzt worden, sagte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler, bei einer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen. Die Tragödie hatte sich gegen 1.30 Uhr in der Bar „Le Constellation“ ereignet.

Die Ermittler gehen von einem Unglück, nicht von einem Anschlag aus. Das Feuer habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Er berief sich auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen. Es handele sich nicht um eine Explosion eines Sprengsatzes, die einen Brand auslöst. Damit begründete Staatsanwältin Beatrice Pilloud auch, warum sie einen Anschlag ausschließt.

Am Nachmittag teilte der Kanton Wallis mit, dass es infolge eines Brandes zu einem Flashover gekommen sei, der eine oder mehrere Explosionen zur Folge hatte. Auch verschiedene Medien berichteten von Explosionen.

Die genaue Ursache des Vorfalls ist noch genauso unklar wie die Zahl der Opfer. Die Er­mitt­le­r:in­nen baten Jour­na­lis­t:in­nen mehrfach um Geduld, bis genauere Ergebnisse vorliegen, der Einsatz dauere noch an. Das gelte auch für die Frage, ob Pyrotechnik der Auslöser war.

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Ein Rettungsarzt sagte dem Westschweizer Sender RTS, Menschen seien mit schweren Verbrennungen in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Über dem Ort wurde ein Überflugverbot verhängt. Augenzeugen in Genf berichteten, dass am Universitätsspital alle paar Minuten Nothubschrauber landeten. Der Skiort ist Luftlinie gut 100 Kilometer entfernt.

Die vielen Opfer wurden per Hubschrauber in umliegende Krankenhäuser gebracht, etwa in Sitten, aber auch ins rund 100 Kilometer Luftlinie entfernte Genf. Dort landeten am Universitätsspital nach Angaben von Augenzeugen am Vormittag zahlreiche Hubschrauber.

Die Bar im Keller

Die Bar „La Constellation“ liegt in einem sechsgeschossigen Gebäude in dem Skiort. Sie hat Räume im Erdgeschoss, aber auch im Keller und bot laut Medienberichten Platz für bis zu 300 Gäste, sie werde vor allem von jungen Leuten besucht. Sie soll tagsüber als Café, nachts als Club mit DJ-Auftritten genutzt worden sein. Die Profile der Bar bei Instagram und Facebook sind am Tag nach der Katastrophe gesperrt.

Auch wo das Feuer ausbrach, ist unklar. Zwei Französinnen, die in der Nacht dort waren, berichten gegenüber dem französischen TV-Sender BMFTV, dass eine Wunderkerze auf einer Champagnerflasche die Decke der Bar in Brand gesetzt hätte: „Der ganze Raum stand nach 30 Sekunden oder einer Minute in Flammen“.

Der Skiort Crans-Montana im französischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Wallis Foto: Alessandro Della Valle/Keystone/dpa

Die Flucht sei schwierig gewesen, weil der Eingang sehr klein sei und die Tür nach draußen noch enger. Daher sei es auch sehr schwer gewesen, die Leute herauszuholen, berichten die Frauen, es habe viel Gedränge gegeben. Schweizer Medien zitieren zudem Augenzeugen, laut denen es nur einen Fluchtweg aus dem Keller gegeben habe.

Mondäner Skiort

Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1.500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Januar finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt.

Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2.600 Hotelbetten, davon acht Hotels in der Luxuskategorie, und Hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland. Der nächste große Flughafen ist im rund 180 Kilometer entfernten Genf.

Anm. der Redaktion: Dieser Text wird im Laufe des Tages immer wieder aktualisiert.

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