Dürren und Krieg verschärfen Krise: Somalia droht neue Hungersnot
Laut UN sind sechs Millionen Menschen in dem afrikanischen Land von Hunger bedroht. Ausgerechnet jetzt könnte die stark gekürzte Nothilfe enden.
Somalia steuert auf eine neue Hungerkatastrophe zu: Millionen Menschen sind bedroht, Hunderttausende Kinder mangelernährt – und ausgerechnet jetzt könnte selbst die stark gekürzte Nothilfe bald ganz enden.
In dem afrikanischen Land sind drei Regenzeiten in Folge ausgefallen. Nach Angaben des UN-Welternährungsprogramms WFP sind mittlerweile sechs Millionen Menschen von Hunger bedroht, fast ein Drittel der Bevölkerung. Davon befinden sich bereits zwei Millionen in einer Notsituation, auf der internationalen Skala zur Ernährungssicherheit (IPC) nur einen Schritt von einer Hungersnot entfernt. Rund 1,9 Millionen Kinder sind akut unterernährt, Hunderttausenden von ihnen droht die schwerste Form der Unterernährung.
Grund dafür ist neben der schweren Dürre der anhaltende Terror der islamistischen Al-Shabaab-Miliz. Aufgrund der Gewalt können viele Menschen ihre Felder nicht bestellen und müssen fliehen. Meist suchen sie in Mogadischu Schutz.
Hinzu kommt nun die Preisentwicklung infolge der Krise in Nahost: Laut WFP sind die Lebensmittelpreise in einigen Gebieten Somalias um 70 Prozent gestiegen, die Kraftstoffpreise um 150 Prozent. Die Versorgungswege seien unterbrochen, was die Lieferung von Hilfsgütern innerhalb des Landes erschwere und verteuere, sagte der Vize-Exekutivdirektor des WFP, Matthew Hollingworth.
80 Prozent weniger Hilfe
Die Hungernden setzen ihre Hoffnung auf internationale Hilfsorganisationen und die UN – von der somalischen Regierung haben sie nicht viel zu erwarten: Nach dem Zusammenbruch aller staatlichen Strukturen in den 1990er Jahren ist sie bis heute personell schwach, organisatorisch überlastet und chronisch unterfinanziert.
Aber auch die Vereinten Nationen haben kaum noch etwas zu verteilen. Die USA und viele weitere Geberländer haben ihre Zuwendungen drastisch gekürzt. In Somalia kann das Welternährungsprogramm laut der stellvertretenden Programmleiterin Michèle Kiermeier im Mai nur noch 300.000 Menschen unterstützen – ein Rückgang um 80 Prozent, verglichen mit 2024. Im Juni wird die Zahl auf 200.000 sinken.
Weil das Geld immer knapper wurde, musste das WFP schon in den vergangenen Jahren „re-priorisieren“. Im Klartext: Nach immer härteren Kriterien entscheiden, wer von den Hilfsbedürftigen tatsächlich Hilfe bekommt. Das sind laut Kiermeier gegenwärtig nur noch 5 Prozent. 95 Prozent von denen, die dringend Hilfe bräuchten, gehen leer aus, darunter auch Hunderttausende kleine Kinder.
Ab Juli geht das Geld aus
Wegen der knappen Finanzen musste das WFP auch die Lebensmittelhilfen für schwangere und stillende Mütter einstellen, es sei denn, sie brauchen wegen akuter Unterernährung medizinische Behandlung. „Das wird sich auf das Wachstum des Ungeborenen auswirken, und Komplikationen bei der Geburt werden wahrscheinlicher“, warnt der Ernährungsspezialist der Organisation, Faisal Ali Abdi.
Und die Aussichten sind noch schlechter. „Aktuell sieht es so aus, dass wir ab Juli keine weiteren Gelder zur Verfügung haben, um die bereits sehr, sehr reduzierte Anzahl an Menschen weiter zu unterstützen“, sagt die stellvertretende Programmleiterin. Kiermeier. Den fast zwei Millionen Menschen, die schon jetzt am Rande einer Hungersnot stehen, kann die UN dann nicht mehr helfen. (epd)
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