Drohnen auf Rechenzentren: Angriffe auf IT-Riesen schaden Russland schwer
Die Drohnenangriffe auf den Internetkonzern Yandex haben schwere Folgen für die russische Wirtschaft. Vieles im Alltag ist eingeschränkt.
Tscherwonenkis, Ljapunow und Galuschkin sind tot. Nicht die längst verstorbenen russischen Mathematiker, sondern die nach den Pionieren der Lerntheorie, Kybernetik und Neuroinformatik genannten Supercomputer, die an zwei Standorten des russischen Internet-Riesen Yandex die Rechenleistung für den wichtigsten Digitalkonzern und viele Unternehmen des Riesenreichs erbracht hatten.
Ausgeschaltet wurden die drei durch gezielte ukrainische Drohnentreffer seit vorigem Donnerstag – nachdem die russische Armee zuvor erstmals gezielt ukrainische Rechenzentren angegriffen hatte. Der Preis für die russischen Aggressoren ist hoch: Denn Yandex gilt als das russische Google, allerdings mit noch mehr krakenhaften Aufgaben als der US-Internetgigant.
Die Folgen des Ausschaltens der Yandex-Rechenzentren und der Supercomputer, die auch für Russlands bisher spärliche Praxis mit Künstlicher Intelligenz (KI) eingesetzt waren, sind vielfältig: „Alisa“, die Sprachsoftware von Yandex, analog zum Google-Assistenten oder zu Amazons „Alexa“, schweigt nun. Der Speicherort Yandex Cloud hat sich vorerst in Luft aufgelöst. Wie viele dort von vielen Unternehmen und Behörden abgelegte Daten unwiederbringlich verloren sind, ist unklar.
Der viel genutzte Zahlungsdienstleister Yandex Pay funktioniert nur noch begrenzt. Lieferdienste von Supermarktketten, Internetbanken und der Ticketverkauf der staatlichen Eisenbahn RZD, die alle ihren Datenverkehr über die Rechenzentren des Internetriesen abgewickelt haben, sind nicht mehr erreichbar. Der Fahrdienstleister Yandex Go funktioniert nicht. Taxis können nicht bestellt, Fahrer nicht bezahlt werden. Nicht nur in Russland, sondern sogar im serbischen Belgrad, wo 32 der 33 Taxiparks über eine Yandex-App laufen. Der russische Rivale empfiehlt nun ausgerechnet die Nutzung von Google Maps oder WhatsApp.
Wird ein Rechenzentrum in Finnland reaktiviert?
Ein zuvor in Finnland aufgrund politischen Drucks stillgelegtes Yandex-Rechenzentrum soll nun reaktiviert werden. Ob die finnische Regierung mitspielt, ist noch unklar. Denn die Treffer auf Yandex haben auch dazu geführt, dass bei russischen Drohnen- und Raketenangriffen auf die Ukraine die Steuerung über KI drastisch eingeschränkt ist, heißt es auch in russischen Medienberichten. Auch das viel verbreitete Gesichtserkennungsprogramm mit zehntausenden Kameras in Moskau fiel aus.
Das „russische Internet wird um 10 bis 15 Jahre zurückgeworfen“, meint die russische Journalistin Tatjana Rybakowa. Yandex betonte bisher, es sei derzeit „sehr schwer“, Termine für die Wiederherstellung der Geräte zu nennen. Die getroffenen Rechenzentren seien das „eiserne Herz“ des Konzerns. Das Hauptproblem liegt bei den Chips. In den zerstörten Supercomputern von Yandex kamen Tausende hochmoderne Nvidia-Chips zum Einsatz – deren Einfuhr nach Russland ist strengstens verboten.
Achillesferse der russischen Wirtschaft
Mit Yandex haben ukrainische Drohnen die Achillesferse der russischen Wirtschaft getroffen – nachdem die russische Armee den Kampf um Rechenzentren eröffnet hatte. Russland wird nun sein Zentralismus zum Verhängnis: Yandex ist fast Monopolist bei Rechenzentren, wie der von Dutzenden Drohnen auf seine Logistikzentren getroffene Internethandelsriese Wildberries beim E-Commerce, die Airline Aeroflot beim Flugverkehr oder die Sberbank auf dem Finanzsektor.
„Das ist nicht einmal ein klassisches Oligopol – es ist ein exakter Abguss des hierarchischen Systems der Putin-Machtvertikale, in dem es einen Putin gibt, eine Gruppe seiner Mitstreiter – und daneben nur noch ein verbranntes Feld“, so Rybakowa. Quasi-Monopole sind politisch gewollt, aber ein leicht verwundbares System, wie sich nun herausstellt.
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