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Drohnen auf LNG-Schiffe in ÄgyptenKairo will sich nicht hineinziehen lassen

Die Angriffe auf Schiffe mit US-Bezug werden Iran oder einer seiner Proxymilizen zugeschrieben. Ägypten versucht sich am diplomatischen Balanceakt.

Das ägyptische Kabinett gab am Donnerstag das Zwischenergebnis der Ermittlungen zu den Bränden auf zwei Schiffen im Hafen von Damietta am Mittwoch bekannt: Eine Drohne habe sie verursacht. Die zuständigen Behörden würden nun „ihre Ermittlungen fortsetzen, um die Umstände des Vorfalls aufzuklären und die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der ägyptischen Interessen und der nationalen Sicherheit zu ergreifen“.

Der Brand am Mittwoch betraf ein Regasifizierungsschiff und ein Lagerschiff im Besitz einer US-Firma. Es wurden keine Verletzten oder Todesopfer gemeldet. Der Angriff ist der erste gemeldete Drohnenangriff auf einen ägyptischen Hafen seit Ausbruch des Iran-US-Kriegs Ende Februar.

Damietta ist einer der strategisch wichtigsten Energie- und Handelsknotenpunkte Ägyptens. Dort befindet sich eine der beiden LNG-Verflüssigungsanlagen des Landes, der Hafen ist ein wichtiger Terminal für schwimmende LNG-Anlagen. Er ist zudem Ägyptens Tor zur Ro-Ro-Schifffahrtsroute, die Damietta mit Triest in Italien verbindet – ein wichtiger Korridor für den Export gekühlter Agrarprodukte nach Europa.

Kairo verstärkte bereits den Schutz seiner Infrastruktur

Obwohl die ägyptischen Behörden die Verantwortlichen noch nicht benannt haben, weckt der Angriff Befürchtungen, dass der regionale Konflikt zunehmend die Infrastruktur jenseits der unmittelbaren Kriegsschauplätze bedroht. Und seit der Blockade der Straße von Hormus durch Iran sind Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zunehmend auf ägyptische Infrastruktur angewiesen, um Rohöl zu exportieren.

Der Drohnenangriff sei „eine äußerst besorgniserregende Entwicklung“ und ein Zeichen dafür, „dass sich die regionale Instabilität ausbreitet“, sagt Ayman Zaineldine, ehemaliger ägyptischer Diplomat, stellvertretender Staatssekretär im Außenministerium und Mitglied des ägyptischen Rates für Außenpolitik der taz. Laut Zaineldine deuten die vorläufigen Erkenntnisse zum Drohnenangriff darauf hin, dass „die Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um einen Fehler handelte, sehr gering ist“. Zaineldine hält „Iran oder einen seiner Verbündeten für die wahrscheinlichsten Verdächtigen“.

Ägypten wird umgehend Kontakt zu der Partei beziehungsweise den Parteien aufnehmen, die mutmaßlich an dem Angriff beteiligt waren, und die Angelegenheit offen ansprechen

Ayman Zaineldine, ägyptischer Sicherheitspolitiker

Zaineldine betont außerdem: Kairo rechne schon lange mit der Möglichkeit, dass regionale Akteure versuchen würden, den Konflikt auszuweiten. Die Sicherheit rund um kritische Infrastruktur sei deshalb bereits verstärkt worden. Die schnelle Reaktion der Rettungs- und Feuerwehrteams, die den Brand rasch unter Kontrolle brachten, spiegle das wider, betont er. Am Donnerstag hatte der Hafen von Damietta den normalen Betrieb wieder aufgenommen.

Ägypten will sich nicht in ein Lager ziehen lassen

Trotz des Angriffs rechnet Zaineldine nicht damit, dass Kairo militärisch reagieren werde. Stattdessen werde „Ägypten umgehend Kontakt zu der Partei beziehungsweise den Parteien aufnehmen, die mutmaßlich an dem Angriff beteiligt waren, und die Angelegenheit offen ansprechen“.

Der Angriff werde Ägyptens Entschlossenheit, „den Konflikt einzudämmen und zu beenden, nur noch verstärken“, sagt er. Er warnt jedoch, dass wiederholte Angriffe auf ägyptisches Territorium die Regierung letztendlich dazu zwingen könnten, ihre Optionen zu überdenken.

Rabha Allam, eine ägyptische Politikexpertin, sieht das ähnlich: Kairo werde „keine voreiligen Schlussfolgerungen ziehen und ist nicht geneigt, sich in die Lager der derzeitigen Kriegsparteien hineinziehen zu lassen“. Es werde im Gegenteil an seiner diplomatischen Haltung festhalten, sagt sie der taz.

Allam argumentiert zudem, dass militärische Maßnahmen allein die Bedrohung durch immer ausgefeiltere Drohnen nicht beseitigen können. Man müsse parallel die „Ursache des Konflikts“ angehen, betont sie.

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