Dokumente über verurteilten Sexualtäter: Trump wird den Epstein-Skandal nicht los
Der US-Präsident steckt in einer politischen Zwickmühle. Sein Umgang mit dem Fall Jeffrey Epstein könnte ihn die Unterstützung der MAGA-Bewegung kosten.
Die jüngsten Enthüllungen im Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein werfen neue Fragen auf, konkrete Antworten bleiben sie allerdings weiter schuldig. Das US-Justizministerium veröffentliche vergangene Woche wie vom US-Kongress angeordnet weitere Akten und Dokumente in dem Fall. Dazu gehörten mehr als drei Millionen Textseiten, 180.000 Fotos und über 2.000 Videoaufnahmen.
Die Namen vieler bekannter Persönlichkeiten verstecken sich in den Dokumenten, darunter ein früherer Regierungsberater, ein American-Football-Team-Besitzer sowie die Milliardäre Bill Gates und Elon Musk. Auch US-Präsident Donald Trumps Name kommt mindestens eintausend Mal vor. Doch mit rechtlichen Konsequenzen muss der Republikaner nicht rechnen.
„Es gibt viele E-Mails. Es gibt viele Fotos. Es gibt viele schreckliche Fotos, die offenbar von Epstein oder Personen aus seinem Umfeld aufgenommen wurden. Aber das reicht nicht unbedingt aus, um jemanden strafrechtlich zu verfolgen“, erklärte der stellvertretende Justizminister Todd Blanche am Samstag dem Sender CNN. Ganz abgesehen davon, dass der 79-jährige Trump als amtierender Präsident auch nahezu vollständige Immunität genießt – dank Supreme Court.
Die veröffentlichten Dokumente bestätigten vor allem das, was bereits bekannt war. Nämlich, dass Epstein mit Trump und dem ehemaligen Präsidenten Bill Clinton über Jahre hinweg befreundet war. Beide haben angegeben, nichts von Epsteins Taten gewusst zu haben.
Im November 2024 gewann Donald J. Trump zum zweiten Mal eine Präsidentschaftswahl in den USA und amtiert seit Januar 2025 als 47. Präsident. Er treibt den Umbau öffentlicher Einrichtungen und einen Kurswechsel in der Außenpolitik voran.
Trump kommentierte die Veröffentlichung der Dokumente am Samstag so: „Ich habe sie selbst nicht gesehen, aber mir wurde von sehr wichtigen Personen versichert, dass sie mich nicht nur entlasten, sondern genau das Gegenteil dessen beweisen, was die Leute erwartet hatten.“ Was der US-Präsident damit meint, ist unklar. Es gibt Stimmen, die bislang ohne Beweise behaupten, Trump habe sich in der Causa Epstein ebenfalls etwas zu Schulden kommen lassen.
Allgemein herrscht in der US-Bevölkerung Unmut über die schleppende Aufarbeitung des Falls. Epstein hatte über Jahre hinweg minderjährige Mädchen missbraucht und sie seinen Klienten zugeführt. Nur etwas mehr als einen Monat nachdem Epstein angeklagt wurde, wurde er im August 2019 bewusstlos in seiner Zelle in einem New Yorker Gefängnis aufgefunden. Die Behörden sprechen von Suizid.
Politische Zwickmühle
Für Trump ist der Skandal auch ohne die Gefahr von rechtlichen Folgen ein ernstzunehmendes Problem. Die Kontroverse um Epstein hat sich wie ein großer Schleier auf seine Rückkehr ins Präsidentenamt gelegt.
Trump selbst hatte lange die in der QAnon-Bewegung grassierende Verschwörungserzählung befeuert, Epstein sei eigentlich ermordet worden, um dessen mächtige Freunde zu schützen. Im Wahlkampf vor zwei Jahren versprachen Trumps loyale Unterstützer, dass die sogenannten Epstein-Files inklusive einer angeblichen Klientenliste nach einem Wahlsieg schnell veröffentlicht werden würden. Was folgte, war allerdings ein schneller Rückzieher. Diese abrupte Kehrtwende und Trumps hartnäckiger Widerstand gegen die Freigabe der Akten führte zu Spekulationen darüber, dass diese womöglich belastende Informationen über ihn oder seine Vertrauten enthalten.
Am Ende war der politische Druck zu groß und Trump lenkte ein. Doch auch mit der Veröffentlichung ist das Thema nicht vom Tisch. Es gibt Fragen darüber, ob das Justizministerium Informationen bewusst geheim halte, um Personen zu schützen.
Justizminister Blanche verneint dies. Das Weiße Haus hat uns „nicht vorgeschrieben, wie wir unsere Überprüfung durchzuführen haben, worauf wir achten sollen, was wir schwärzen sollen und was nicht“, sagte der stellvertretende Justizminister. Trotzdem fühlen sich viele MAGA-Wähler hintergangen. Sie wollen, wie auch viele andere in der US-Bevölkerung, endlich sehen, dass die verantwortlichen Personen zur Rechenschaft gezogen werden.
„Wichtig ist nicht die Veröffentlichung eines Teils der Epstein-Akten, sondern die strafrechtliche Verfolgung derjenigen, die mit Epstein abscheuliche Verbrechen begangen haben. Erst wenn es mindestens eine Verhaftung gibt, wird der Gerechtigkeit Genüge getan sein. Andernfalls ist das alles nur Show und reine Ablenkung“, erklärte Elon Musk, der in den Dokumenten erwähnt wird. Ob er sich mit Epstein traf und auf dessen Insel war, geht daraus bisher nicht hervor. Musk selbst bestreitet das.
Aus politischer Sicht ist dies eine fast aussichtslose Position für Trump, unter anderem, weil er so lange zögerte, die Akten zu veröffentlichen. Doch damit nicht genug, denn solange die Veröffentlichung nicht in einer Anklage endet, werden einige davon ausgehen, dass die US-Regierung Informationen zurückhält. Es ist ein akutes politisches Risiko für den Präsidenten, denn es scheint eines der wenigen Themen zu sein, bei denen Trump Gefahr läuft, seine loyalen MAGA-Wähler zu verlieren.
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