Doku über Missbrauch im Fußball: Das Schweigen brechen
Hat der Fußball ein Problem mit Missbrauch? Dieser Frage geht Jonas Hummels in einer ZDF-Doku nach. Die auch Mut macht: Die Wahrheit kommt ans Licht.
Foto: Willem Konrad/zdf
Zwei Millionen Menschen spielen in Deutschland im Verein Fußball. Das sei auch der Grund, warum Jonas Hummels, Bruder von Mats, selbst Fußballer und Sportmoderator sich das Thema Missbrauch im Fußball anschauen wolle, sagt er im Intro seiner Doku. Weil es eben so viele Menschen betreffen könne.
Jonas Hummels hat aber noch einen ganz eigenen Grund: In seinem Jugendverein in Unterhaching bei München gab es eine Art Berater, der in der Doku N. genannt wird.
Der schaute bei Spielen zu, baute ein Vertrauensverhältnis zu vielen Jungen auf – und sei übergriffig geworden. Hummels hat das nicht selbst erlebt, aber seine Vereinskollegen Tim und Yanis.
Tatort Jugendfußball
„Tatort Jugendfußball: Missbraucht im eigenen Verein“, in der ZDF Mediathek
Die jungen Männer aus dem gleichen Verein erzählen davon vor der Kamera. Wie sie bestimmte Übungen machen sollten vor N. und teilweise von ihm aufgefordert wurden, sich für angebliche Behandlungen nackt auszuziehen. „Es hieß dann: ‚Buxe runter‘“, erzählt Yanis.
Zugang zu jungen Menschen
Hummels und sein Team haben anderthalb Jahre recherchiert, um der Frage nachzugehen: Sind das Einzelfälle oder hat der Fußball ein Problem mit Missbrauch und niemand spricht darüber?
Hummels Art zu interviewen, wirkt an mancher Stelle ungelenk, aber er scheint einen Zugang zu den jungen Menschen zu finden, der ungewöhnlich nah geht. Selbst die Vizepräsidentin der DfB bekommt er vor die Kamera und fragt sie: „Betreiben wir hier nicht krassen Täterschutz?“
Am Ende bleibt ein unbehagliches, aber auch hoffnungsvolles Gefühl: Hummels und sein Team haben mit über 50 Personen, hauptsächlich Männern gesprochen und über 200 Fälle nachrecherchiert. Viele, die vor der Kamera sitzen, erzählen zum ersten Mal davon, haben den Mut, öffentlich gegen Missbrauch zu kämpfen.
Es bleibt nur die Frage: Warum ist die Doku, mit all dem Material das es gibt, nicht länger als 45 Minuten geworden?
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