Digitales Theater aus Berlin: Die Löcher, durch die sie fielen

Im Delphi landet Alice in der Psychatrie; die Schaubühne streamt mit „Dämonen“ ein Stück des kürzlich an Covid-19 verstorbenen Dramatikers Lars Norén.

Szene aus "Alices Geschwister" im Theater im Delphi: Der Hase aus Pappmaschee trägt Uhr und blaue Augen

Auch dem Hasen ist etwas „anders“: Das Theater im Delphi streamt „Alices Geschwister“ Foto: Anders Bigum

Die berühmte Geschichte von „Alice im Wunderland“ kommt uns in diesen Zeiten vielleicht noch einmal anders nah: plötzlich stürzen wir in ein Loch und landen in einer anderen Welt mit anderen Gesetzen. So nämlich geht er der jungen Alice im Original von Lewis Caroll. In unseren Tagen, in denen wir die Welt nur noch durch den Computer erreichen können, ist das Loch, in das wir stürzen, vielleicht der Monitor und die andere, wundersame Welt dahinter der digitale Raum.

Da kommt das Theater im Delphi gerade recht, das in dieser Woche eine höchsteigene Adaption des Stoffs auf dem (digitalen) Spielplan hat. „Alices Geschwister“ ist ein multimediales Theaterstück über ein Mädchen, das die Welt nicht so wie alle anderen sieht. „Multimedial“ heißt im Fall von Daniela Lunelli aka Munsha, von der Konzept, Text, Komposition und Live-Musik stammen und die auch Regie geführt hat: ein Gewebe aus Video, Musik und Sprache. Das Loch, in das Alice in diesem Livestream stürzen wird, ist eine psychiatrische Anstalt (4.-7.2., jeweils 20 Uhr. Tickets ab 5 EUR, delphi.reservix.de).

Von Dämonen und Wildenten

Auch der große schwedische Dramatiker Lars Norén hat seine Dramen über Menschen geschrieben, die durchs Raster der Gesellschaft fallen. In der vergangenen Woche starb er im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Norén stand in der Tradition von August Strindberg und Henrik Ibsen. Wie sie leuchtete er die Abgründe der bürgerlichen Gesellschaft aus.

Der taz plan erscheint auf taz.de/tazplan. Mehr Kulturtipps für Berlin in der Printausgabe der taz am Wochenende.

Die Schaubühne, wo Thomas Ostermeier einst seine Intendanz mit Noréns panoramatischem Großdrama „Personenkreis 3.1.“ über die Abgeschriebenenen der westlichen Gesellschaften eröffnete, streamt in dieser Woche Ostermeiers Inszenierung „Dämonen“ aus dem Jahr 2010, u.a. mit Lars Eidinger (Schaubühne: „Dämonen“, 5.2. 18 Uhr bis 8.2. 18 Uhr www.schaubuehne.de).

Ebenfalls auf dem Streaming-Plan der Schaubühne steht Simon Stones Ibsen-Variation „Die Wildente (The Daughter)“, eine Produktion von Screen NSW. Der 1985 geborene australische Regisseur, der in Berlin schon am BE gearbeitet hat und beim Theatertreffen zu sehen war, soll in diesem Jahr zum ersten Mal an der Schaubühne inszenieren (2.2. 18 Uhr bis 5.2. 18 Uhr www.schaubuehne.de). Die jüngste Arbeit von Simon Stone ist übrigens gerade auf Netflix angelaufen: „Die Ausgrabung (The Dig)“ nach dem gleichnamigen Roman von John Preston (u.a. mit Ralph Fiennes).

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de