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Die WahrheitSpinnen im Müsli

Wenn die mehrbeinigen Gliederfüßer im Haus einfallen, ist die Arbeitsteilung der Geschlechter klar: Frau sirent, Mann geht auf Großwildjagd.

N euerdings führen wir ein total angesagtes Spinnen-Retreat. Seit Wein unser Haus berankt, ziehen immer mehr Arachniden bei uns ein. Die letzten warmen Tage haben sie noch im Laub an der Fassade verbracht, jetzt krabbeln sie durch alle Spalte und Ritzen ins Haus.

Morgens blitzen uns zahllose Knopfäuglein an, wenn wir in den Spiegel schauen. Von der Küchenlampe seilen sich achtbeinige Ninjas ins Müsli ab. Fairerweise muss man sagen, dass Mehlmotten und andere Flattermänner bei uns keine Chance haben, seit fein gesponnene Flugabwehr unter der Decke hängt. Bei meiner Freundin wachsen trotzdem Vorbehalte.

„Würdest du bitte etwas gegen jenes Prachtexemplar einer Tegenaria atrica unternehmen, die statt meiner auf dem Sofa sitzt und Fernsehen guckt“, spricht sie, wenn auch in schrillerem Tonfall und expliziter Wortwahl. Was die Spinnenjagd angeht, haben wir eine etwas genderstereotype Arbeitsteilung: Meine Freundin übernimmt Bestimmung und Befürchtung der Tiere, während ich als Kleinstwildjäger mit Fangglas unter Polstermöbeln herumkrieche.

Zum Glück ist die Hauswinkelspinne leichte Beute. Sie macht als Trophäe ordentlich was her, weil sie groß und haarig ist. Allerdings ist sie vollkommen harmlos, geradezu lächerlich langsam und ein bisschen begriffsstutzig. Im Grunde verstehen wir uns ganz gut. Wenn ich verspreche, sie direkt vor einem gekippten Fenster wieder freizulassen, krabbelt sie sogar freiwillig ins Glas.

Horrorfilm für AfD-Wähler

Doch diesmal lenkt mich das Fernsehprogramm von der Pirsch ab: eine Spinnen-Doku auf dem spinnendokureichen Infokanal, aus dem meine Freundin ihr beeindruckendes Expertenwissen saugt.

„Giftige Nosferatu-Spinnen aus dem Mittelmeerraum breiten sich auch bei uns aus“, werde ich informiert. Das klingt wie die Prämisse eines Horrorfilms für AfD-Wähler: Gefährliche Ausländer-Spinnen haben uns unterwandert! Angeblich kann man sie leicht von ungiftigen unterscheiden, heißt es. Aber das haut ja schon bei Pilzen nicht hin, die bei ihrer Bestimmung deutlich weniger herumhuschen.

Ich versuche, den Rorschach-Klecks auf der hampelnden Spinne im Wohnzimmer zu deuten. Auf dem Rücken soll man den namensgebenden Vampir-Kopf erkennen. Mein Unterbewusstsein sieht dort aber bloß das Antlitz meiner Oma selig, bis sich das Tier der tiefenpsychologischen Taxonomie durch Flucht unter das Sofa entzieht.

Ich überlege, welche Wandlung dem Opfer eines Mittelmeer-Nosferatus bevorsteht. Muss es bloß ruhelos Gitanes rauchend durch Saint-Tropez wandeln oder ist es was Schlimmes? Ich würde ungern zu einem untoten Ballermann mutieren.

Der Biss der Spinne ist bloß so schmerzhaft wie ein Wespenstich, gibt die Sendung Entwarnung, aber da habe ich im Kopf längst von Doku auf Horror umgeschaltet. Wir werden die kalte Jahreszeit sicherheitshalber im Weinlaub hängend verbringen. Die Nosferatu-Spinnen wohnen jetzt ja alle im Warmen.

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1 Kommentar

  • Il_Leopardo

    In den Regionen der Welt, in denen die Spinnenfurcht besonders stark ausgeprägt ist, finden wir so gut wie keine Spinnen, die für Menschen wirklich gefährlich sind, etwa in Europa.

    Ich übersetze das mal ins Poltische:



    In d e n Regionen Deutschlands, in denen die Fremdenfurcht besonders stark ausgeprägt ist, finden wir so gut wie keine Fremden, etwa bei unseren Brüdern und Schwestern im Osten des Landes.