Die Wahrheit: Wolkiges Wort
Neues aus Neuseeland: Vom Arsch der Welt kommt das Wort des Jahres. Allerdings ist es ein ziemlicher Zungenbrecher.
K I-Horror, Kriegsangst und globale Krise: Da tröstet es doch ungemein, dass der Trend zum Weltuntergang zumindest an Babbel vorbeigegangen ist. Die internationale Fremdsprachen-App hat sich nämlich auf das Wahre und Gute besonnen und ein friedliches Land am Arsch der Welt gewürdigt. „Kaitiakitanga“ wurde von Babbel unter 223 Idiomen aus 75 Sprachen zum schönsten Wort des Jahres gewählt.
Ein Zungenbrecher für Nichteingeborene, aber ein ehrenvoller Begriff für die Kiwis: Kaitiakitanga bedeutet in der Maori-Sprache „die dauerhafte Verantwortung für die Natur und den Schutz zukünftiger Generationen“. Was will man mehr in diesen schweren Zeiten? Danke, liebe Linguisten-Jury. Und herzlichen Glückwunsch, Aotearoa, wo übrigens gerade die „Maori Language Week“ abgehalten wird.
Ganz im Geiste dieses wunderbaren Wortes lenke ich daher meine heutige Berichterstattung auf Flora und Fauna. Denn trotz hiesiger Wirtschaftskrise, Politmisere, steigender Hauspreise und anstehender Wahlen vergeht keine Woche ohne bahnbrechende Nachrichten aus der Biosphäre, die Neuseeland mindestens so sehr beschäftigt wie Rugby.
Allen voran ist da Bruce als König aller Keas zu vermelden. 2013 wurde der Bergpapagei verletzt am Arthurs Pass aufgelesen. Ihm fehlte der obere Teil des Schnabels. Er wanderte in den Wildpark und wurde Teil eines Forschungsprojekts der Universität Canterbury, die kürzlich eine Sensation vermeldete: Der lädierte Flattermann hat sich zum Alphatier entwickelt und dominiert seine elf Käfiggenossen.
Neuer Kampfstil
„Bruce hat es nicht nur geschafft, seinen fehlenden Schnabel zu kompensieren“, berichtete einer der Biologen begeistert, „sondern er hat einen komplett neuen Kampfstil erfunden, der ihm Vorteile verschafft.“ Der Kea könnte das erste Tier der Welt mit einer Behinderung sein, das es an die Spitze einer Hackordnung geschafft hat. Laut Stuhlprobe geht es Bruce blendend: Sein Kot weist niedrigere Stresshormone auf als der seiner Mitbewohner.
Apropos Kot: Auch da gibt es Neuigkeiten aus der Natur. Ein anderer Dozent der gleichen Uni, die offensichtlich hervorragende Pressearbeit macht, hat sich mit den Fäkalien von Bergsteigern am Aoraki (Mount Cook) beschäftigt. Der höchste Gipfel der Südinsel hat für die Ureinwohner mythische Bedeutung und wird als Vorfahre verehrt. Wer bei hochalpinen Klettertouren auf Aoraki kackt, ist nicht nur ein Umweltschwein, sondern entehrt einen Heiligen.
Daher haben die Akademiker jetzt ein flottes Video namens „Climb it Clean“ (Klettere sauber) gedreht, um Neuseelands Elemente vor Exkrementen zu bewahren. Outdoorläden verkaufen schon seit langem „poo pots“ zum Mitnehmen im Rucksack. Das schönste Wort des Jahres wird den Verkauf der transportablen Miniklos sicher ankurbeln. Denn für alles, das öko ist, heißt es ab sofort (bitte mitsprechen): Kaitiakitanga!
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