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Die WahrheitGötterfunken im Canyon

Fest der Völker mit Völlerfrisur: Leni Riefenstahl begleitet Die Mannschaft zur Fußball-WM nach Nordamerika.

Funkelnde Augen, Frise aus der Steckdose: Leni Riefenstahl auf dem Weg zur Fußball-WM Foto: reuters

Hans-Joachim „Aki“ Watzke und Bernd „The Bread“ Neuendorf grinsen verschlagen vom Frankfurter Podium. Der Coup, den die beiden DFB-Granden soeben vermeldet haben, serviert ihnen tiefe Blicke in die Rachen der anwesenden Journalisten. Ein Redakteur von 11 Freunde fragt kleinlaut nach, ob er das tatsächlich richtig verstanden habe: Riefenstahl? Die Riefenstahl? „Yep“, yept der lässige Rheinmetaller Watzke, „die Leni sitzt quasi auf eingepackten Kameras. Die ist vor Reisefieber schon ganz fickrig. Am 6. Juni, am D-Day, geht’s mit Mann und Maus in den Bomber … äh, Flieger nach Las Vegas.“

Man habe doch neulich verlautbart, ein Quartier in North Carolina beziehen zu wollen, mischt sich ein feuchtforscher Sport-Bild-Reporter ein, wie es denn komme, dass man so rubbeldiekatz nach Nevada umgestiegen sei. „Papperlapone“, grätscht Neuendorf dazwischen, „piefiger Osten war gestern, wir reiten nach Wildwest.“

Es gehe auch gar nicht darum, perfekte Bedingungen für Training und Regeneration während eines Turniers zu schaffen, das man aller Voraussicht nach schneller als das Team Blue Curaçao beenden werde. „Wir wollen Bilder. Wir wollen Freude. Wir wollen Götterfunken! Und dafür brauchen wir Canyons. Big Canyons! Beautiful Canyons! In Vegas alles ums Eck!“

Noch am Mittag brettert eine Investigativdelegation des Kicker von Nürnberg nach Pöcking am Starnberger See. Es war etwas still geworden in den letzten Jahren um die Grande Dame deutscher Lichtspielkultur, doch jetzt duftet es in der Riefenstahl’schen Villa wieder betörend germanisch nach Dallmayr-Kaffee und Butterkuchen. Ein bisschen fahrig vor Aufregung verfehlt die 123-Jährige beim ersten Versuch die Pantoffeln, aber gleich darauf gehorchen ihr die Füße wie vor neunzig Lenzen, als sie beim Ball zur Eröffnung der Sommerolympiade Goebbels über die Tanzfläche führen musste.

Kimmich und Wirtz – schwarzweiß und im Adamskostüm?

Das Kicker-Team kracht mit der Tür ins Haus: „Menschenskinder, Frau Riefenstahl, was für ’ne Volte, was für ein Scoop! Verraten Sie uns, was Sie vorhaben? Kimmich und Wirtz schwarzweiß und im Adamskostüm? Freistöße simulierend vor dem dramatischen Schattenspiel des Grand Canyon im Sonnenuntergang? Der messerscharf gescheitelte Baumann im nackerten Hechtsprung an der Beatty Junction?“

„Jetzt kommse erst mal rein“, bemüht sich die Riefenstahl ihre Begeisterung zu verbergen. Solch einen Sieg des Glaubens gab es ja seit dem Triumph des Willens nicht mehr! Mit funkelnden Augen und Völlerfrisur aus der Steckdose reicht sie Kaffee und Kuchen, breitet daneben ein paar Entwürfe aus. „Die sind ja schwarz!“, rutscht es einer Kicker-Delegierten samt Butterkuchenkrumen heraus, „entschuldigen Sie, Antonio Rüdiger und Jonathan Tah?!“

„Na hörnse mal“, meckert die Riefenstahl retour, „Sie sollten aber wissen, dass ich mit den Jahren globaler geworden bin. Meine Fotostudien über schöne Afrikaner sind schließlich Legion!“ Sie habe auch den athletischen Brasilianer und den kompakten Franzosen – drei Tropfen Speichel versammeln sich schüchtern im Mundwinkel – angefragt. Ein Fest der Völker reloaded, diesen Ausdruck habe sie fritzefrisch gefischt, solle das schließlich werden, in der Wiege Amerikas, am Stammbaum des modernen Menschen, gereinigt von der bräsigen Ästhetik der Schwäche. Indianer seien ihr ebenfalls willkommen, falls sie Sehnen und Muskeln und knackige Popos hätten.

In Frankfurt hat Adi Dassler, nein, Aki Watzke auf der Bühne soeben einen Anruf erhalten: „Das war Pete Hegseth vom Department of War.“ Der sei ganz hingerissen vom German State of the Art und freue sich wie ein Reichsheini darauf, „The Mannschaft and Her Majesty of Movie“ persönlich zu begrüßen. „Wir sollen uns aber unterstehen, irgendwelche Arier ins Land zu schmuggeln. Sonst endet die WM schon am Flughafen mit einem Schnellschuss. Heil Trump!“

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