Die Wahrheit: Schmunzeln im ländlichen Raum
Lebenslänglich Bayer: Der Baumarkt ist der letzte natürliche Lebensraum des freistaatlichen Südländers mit Hang zum Carport.
I n Bayern gibt es eine ganz besondere Gegend. Sie steht unter dem besonderen Schutz der CSU. Es ist der ländliche Raum. Weil es da allen Erwachsenen verboten ist, sich anders fortzubewegen als mit dem Auto, wird die CSU immer dann besonders aktiv, wenn es um die Entlastung von kraftfahrzeugführenden Berufspendlern geht. Das ist auch deshalb besonders wichtig, weil das Betreiben eines attraktiven öffentlichen Nahverkehrs auf dem Land einem strengen Verbot unterliegt.
Längst haben im ländlichen Raum eigenwillige Carport-Konstruktionen barocke Kirchen oder Klöster als Sehenswürdigkeit abgelöst. Es ist wirklich erstaunlich, mit welcher Liebe man sich einem überdachten Stellplatz der für das Überleben der ländlichen Bevölkerung so wichtigen Fahrzeuge widmen kann. Meist sind sie so großzügig angelegt, dass die Autos auch dann noch ihren Platz darunter finden, wenn das Fahrzeugwachstum, so wie es in den vergangen Jahrzehnten zu beobachten war, mit ungeminderter Geschwindigkeit weitergeht.
Wenn sich dann an einem Brückentag die Bewohner des ländlichen Raums zum örtlichen Bauhof aufmachen, um dort gemeinsam das beim Carport-Bau übriggebliebene Holz zu entsorgen, ist diese spezielle Stimmung zu spüren, die es anderswo in Bayern schon lange nicht mehr gibt. Dann unterhalten sich die ländlichen Räumler darüber, dass man das mit Brandschutzmitteln bearbeitete Holz früher einfach verbrannt hätte, was man heute nicht mehr dürfe, weil man ja sowieso gar nichts mehr dürfe. Und wenn dabei eine in die Jahre gekommene Teichfolie entsorgt wird, dann können die Männer zu Hause ihren Gattinnen erzählen, dass der Nachbar doch tatsächlich schon wieder seinen Garten umgestaltet.
Obazden im Angebot
Zuvor fahren sie aber noch in die nächstgelegene Filiale ihres Lieblingsdiscounters, weil sie in dessen App gesehen haben, dass gerade Bayerische Woche ist und es den so sehr geschätzten Obazda im Angebot gibt. Wenn sie sich nicht so recht entscheiden können, welchen der angebotenen Matschkäse sie lieber essen, scannen sie neben dem original Obazda auch noch den mit Röstzwiebeln hergestellten an der SB-Kasse ein.
Kommen sie dann zu Hause an, war vielleicht schon der Amazon-Auslieferer da und hat die Pakete mit den in der Vorwoche bestellten Tennissocken und Unterhosen neben der Eingangstür abgelegt. Als Ablageort haben sie dafür meist eine jener rustikal aussehenden Bänke im Vorgarten postiert, die es einmal im Jahr günstig im Baumarkt zu erstehen gibt und auf denen eigentlich nie jemand sitzt.
Meint es ein Auslieferer mal allzu gut, bringt er die Pakete hinter das Haus und postiert sie vielleicht sogar in der Kiste mit den Sitzpolstern für die Gartenmöbel. Wenn die dann erst ein paar Wochen später gefunden werden, gibt es neben viel Ärger immerhin auch ein gutes Thema für ein heiteres Gespräch beim nächsten Ausflug zum Baumarkt.
Ja, auch im ländlichen Raum, wo das Leben wahrlich nicht leicht ist, wird bisweilen geschmunzelt.
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