Die Wahrheit: Die Stunde der Metaphern

Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit. Heute darf sich die Leserschaft an einem Poem über windschiefe Sprachbilder in der Politik erfreuen.

Foto: dpa

Um Unsagbares zu benennen,

muss man den deutschen Sprachschatz kennen,

den, gleich dem Rheingold tief vergraben,

die Alten überliefert haben.

Und wenn das Furchtbare geschieht,

greift wer zum Spaten und man sieht,

wie die Metaphern selt’nen Erden

vergleichbar ausgebuddelt werden.

Seit Tagen ist der Dammbruch da

und keiner weiß, wie es geschah,

dass, was am seid’nen Faden hing,

so vollends in die Hose ging,

die rote Linie überschritt

und dem Tabu Grimassen schnitt.

Wer wollte da zu neuen Ufern

und hat den einsamen, den Rufern,

das Steuer aus der Hand gerissen

und ohne Anflug von Gewissen

den klaren Kurs vorerst verlassen,

um sich dem Mahlstrom anzupassen?

Wer wird die Reißleine nun ziehen

und die Verantwortung nicht fliehen,

wer hat die Übersicht und Nerven,

den Hut auch in den Ring zu werfen,

statt einfach nur stumm zuzuschauen

und praktisch in den Sack zu hauen?

Geht auch die Kanzlerin von Bord

und gilt noch das gesproch’ne Wort,

wenn alles übern Jordan geht

und vieles Spitz auf Knopfloch steht?

Dann sollte wohl die Wacht am Rhein

der Phönix aus der Asche sein!

Und Hokuspokus fidibus

ist es wohl ein Arminius!

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