Die Wahrheit: Doch sie wollte nur Yoga
Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit. Diesmal darf sich die Leserschaft an einem Poem über eine innige Liebe zur Matte erfreuen.
Was hab ich nicht alles verändert für sie:
den Wohnort, die Schuhe, die Haare;
entsagte Tattoos und der Polygamie
und traf mit ihr andere Paare.
Ich wählte die Grünen und ging mit dem Hund,
Musik hörte ich analoger.
Ich hoffte auf manch schöne Liebesstund
mit ihr. Doch sie wollte nur Yoga.
Ich habe den Mambo aus Büchern erlernt
und übte verbissen Klavier.
Man hat unter Schmerzen mir Zahnstein entfernt
und sah mich sogar beim Barbier.
Ich war derart heftig ins Fräulein vernarrt,
für sie trug ich nachts sogar Toga.
Auch körperlich hab ich mich aufgespart.
Geschenkt! Denn sie wollte nur Yoga.
Ich hörte ihr zu, und ich nickte dabei,
trug Kleidung statt meiner Klamotten.
Mit Tinte schrieb ich ihr „Tanderadei!“
und ließ mich vor Freunden verspotten.
Was hab ich nicht alles gemacht und getan,
trug Brille wie Willemsens Roger.
Ich wollte mit ihr übern Ozean
der Lust. Doch sie wollte nur Yoga.
Wir haben uns dann auseinandergelebt.
Es konnte die Liebe nicht siegen.
Denn sie hat stets nur nach der Matte gestrebt,
und ich lass mich ungern verbiegen.
Die Wahrheit auf taz.de
Die Wahrheit
ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit.
Die Wahrheit
hat den einzigartigen Cartoonstreifen: ©Tom Touché.
Die Wahrheit
hat drei Grundsätze:
Warum sachlich, wenn es persönlich geht.
Warum recherchieren, wenn man schreiben kann.
Warum beweisen, wenn man behaupten kann.
Deshalb weiß Die Wahrheit immer, wie weit man zu weit gehen kann.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert