Die Wahrheit

Mein Freund ist kalt

Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit: Diesmal darf sich die geneigte Leserschaft an einem Poem über Kumpel Baum erfreuen.

ein kahler Baum in der Morgendämmerung

Foto: reuters

Der deutsche Wald,

einst wohlgestalt,

ist nur noch Schutt.

Der Wald ist putt.

Von jetzt auf gleich:

Die harte Eich

ist weich wie Blei

dank Zeh Oh Zwei.

Und auch die Buch

nagt Hungertuch,

weil: nirgends Nass,

bloß Gift en masse.

Waldschicksal schwer:

Wird nicht mal mehr,

weil tot und krank,

Ikea-Schrank.

Waldleben doof:

kein Ponyhof.

Ihm hilft nicht Schrei,

nicht Sea-Watch Drei.

Harzleer und kalt

ruht unser Wald.

Er hats vergeigt.

Steht still und schweigt,

schnitzt, beinah tot,

in höchster Not

ganz ohne Klag

sich selbst zum Sarg.

Erst stirbt der Forst,

dann stirbt der Horst.

Man glaubt es kaum:

Volk ohne Baum.

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