Die Must-Sees zur Berlin Art Week: Immer etwas zu entdecken

Zur Berlin Art Week geht das Gallery Weekend in die zweite Runde, Disappearing Berlin lädt in den Bierpinsel, die KW zur Geburtstagsfeier.

Eine 3-Kanal-Video- und Rauminstallation von Cemile Sahin; am Boden ist englische Schrift zu erkennen, auf den Videos Hände, die zeichnen und Hände, die einen Fisch zerteilen

Cemile Sahin, „Bad People, Bad News“ (Installation View), 2021 Foto: Andrea Rossetti; Courtesy the artist and Esther Schipper, Berlin

Bekanntermaßen findet das Gallery Weekend eigentlich im Frühling statt, weil momentan ja aber alles ein bisschen anders abläuft und man die Veranstaltungen ganz einfach dann stattfinden lässt, wenn etwas stattfinden kann, gibt es 2021 noch ein zweites von der Sorte. Unter dem Motto „Discoveries“ steht die Septemberausgabe des Galerienwochenendes, die auf das Datum der Berlin Art Week fällt, denn es soll noch mehr um Entdeckungen gehen als es dabei ohnehin schon immer der Fall ist.

Die Galerien waren aufgefordert, aber keineswegs verpflichtet, neue Positionen zu präsentieren, Newcomer etwa oder Künstler*innen, die gar nicht im eigenen Programm sind. BQ gehen dabei mit gutem Beispiel voran und zeigen die erste Galerieausstellung von Mara Wohnhaas, die aktuell noch an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert und auf die BQ tatsächlich auf Instagram aufmerksam wurden. Ästhetisches Vorbild ihrer Schau ist die Dorfkirmes, in der Wohnhaas selbst als Rekommandeurin auftritt.

Auch Cudelice Brazelton IV ist noch an der Hochschule (in Frankfurt am Main), die Einzelausstellung in der Galerie Barbara Weiss trägt passenderweise den Namen „Starter Kit“. Sehr gespannt bin ich auf den ersten Auftritt von Cemile Sahin bei Esther Schipper. Die Installation der Künstlerin, die sich aus Text und Bild zusammensetzt – Sahin verknüpft in ihrer Praxis Film, Fotografie, Skulptur und Literatur –, haben Recherchen zu den Verträgen von Sèvres (1920) und Lausanne (1923), also dem Ende des Osmanischen Reiches, als Ausgangspunkt.

Zu Entdecken gibt es freilich nicht nur in den Galerien etwas. Die Berlin Art Week, die offiziell am Mittwoch startet, umfasst einmal wieder so viele Ausstellungen und andere Veranstaltungen in großen Museen, kleinen Projekträumen und dem öffentlichen Raum, dass man nicht ansatzweise alles sehen könnte. Der vielleicht spektakulärste der Kunstorte der Woche ist der Steglitzer Bierpinsel, eine Neuentdeckung wohl für viele, obwohl der doch bereits einige Jahrzehnte auf dem futuristisch anmutenden 70er-Jahre-Buckel hat.

Der taz plan erscheint auf taz.de/tazplan und immer Mittwochs und Freitags in der Printausgabe der taz.

Berlin Art Week, 15.–19. September

Gallery Weekend 16.–18. September; GW Discoveries, 17.–18. September

Disappearing Berlin x Reference Festival im Bierpinsel, 18.+19. September, Schloßstr. 17; Anmeldung erforderlich

Kunst im Turmrestaurant

Ganze Elf Jahre stand das einstige „Turmrestaurant Steglitz“ leer. Das Projekt Disappearing Berlin, das schon seit ein paar Jahren solche verschwundenen oder verschwindenden Kleinode der Stadt aufspürt und bespielt, öffnet die verwaiste Architekturikone, deren weitere Nutzung weiterhin unklar ist, gemeinsam mit dem Reference Festival übers Wochenende mit einem vielversprechenden Performance- und Konzertprogramm. Amnesia Scanner spielen, Éva Mag performt, YaYa Bones führt ein Ritual durch, Manthia Diawara und Cao Fei steuern Videoarbeiten bei, auch Gesprächsformate sind annonciert.

Noch ein paar Gründe mehr zu feiern als nur die 10. Ausgabe der Berlin Art Week haben indes die Kunst Werke. Vor 30 Jahren entstand aus einer ehemaligen Margarinenfabrik eines der renommiertesten Ausstellungshäuser der Stadt. Nachlesen kann man die Geschichte in einer Publikation, die zum Jubiläumswochenende veröffentlicht wird, während dem außerdem ein buntes Programm aus Workshops, Führungen, Performances und Konzerten in Haus und Hof steigt.

Wem von all dem der Kopf schwirrt, dem sei abschließend noch ein Besuch bei Clemens Krauss im Haus am Lützowplatz empfohlen: Die Ausstellung des Künstlers, der auch als Psychoanalytiker ausgebildet ist, lädt „zur körperlichen und geistigen Selbsterfahrung“ ein.

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freie Kulturjournalistin und Autorin. Für die taz schreibt sie vor allem über Kunst, Musik, Mode, Architektur, Stadtentwicklung und Kulturpolitik. Für den taz Plan beobachtet sie als Kunstkolumnistin das Geschehen in den Berliner Galerien und Projekträumen.

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