Die Bremer CDU hat einen Spitzenmann: Der Präsident wird Kandidat

Landtagspräsident Frank Imhoff darf den beliebten Bremer SPD-Bürgermeister bei der nächsten Wahl herausfordern: Die CDU hat keine Frau gefunden.

Frank Imhoff (CDU)

Als Bürgerschaftspräsident darf Frank Imhoff in Bremen vieles eröffnen Foto: Sina Schuldt/dpa

BREMEN taz | Manche in der Bremer CDU hätten ja lieber eine Frau gehabt, die die nächste Bürgerschaftswahl verliert. Aber sie haben dann keine gefunden. Also darf es jetzt wohl doch der Mann machen, der, nein: nicht sich aufdrängen, aber doch wirklich sehr, sehr gern gefragt werden wollte.

Er heißt Frank Imhoff, ist heute Landtagspräsident, also formell betrachtet der zweite Mann im Stadtstaate, eigentlich aber wie alle Parlamentspräsidenten vor allem ein Grüßaugust. Auch solche Menschen braucht die repräsentative Demokratie, und da macht Herr Imhoff seine Sache parteiübergreifend anerkannt gut.

Die Lage der Bremer CDU ist nur auf den ersten Blick gut: Bei der vergangenen Wahl – und das war schon eine Sensation! – wurde sie mit 26,7 Prozent der Stimmen erstmals seit Menschengedenken stärkste Kraft; sonst hätte Imhoff ja gar nicht ins Amt kommen können.

Regieren durfte sie dann aber doch nicht, weil die Grünen sich gegen sie, vor allem aber gegen die FDP entschieden, und weiterhin für die SPD, und eben die Linke. Aber die Hoffnung auf ein Wunder lebt bei der CDU: Der erste Präsident des Bremer Senates, der kein Sozi ist.

Die Chancen stehen eher schlecht

Nur: Für die nächste Wahl 2023 machen sie sich auch in der örtlichen CDU wenig Hoffnung. Denn die Bremer SPD hat sich erholt, was vor allem an der guten Performance ihres Bürgermeisters Andreas „Bovi“ Bovenschulte liegt. Er hat vor allem auch das Landesväterliche, was man als Bremer Bürgermeister unbedingt braucht, anders als sein schon etwas in Vergessenheit geratener Vorgänger.

Mit einer Spitzenkandidatin – damit hätte man in Bremen aber doch einige kriegen können: Die SPD hier ist seit eh und je sehr männlich, gerade bei wichtigen Posten. Parteiintern gibt es aber kaum Frauen in der Bremer CDU, die sich auch nur halbwegs aufdrängen, geschweige denn jenseits der Stadt bekannt sein müssten. Und das letzte Mal, bei Carsten Meyer-Heder, hat das mit dem Quereinsteiger ja echt gut geklappt. Also hat die CDU eine erfolgreiche Luft- und Raumfahrtmanagerin gefragt. Die sagte ab. Zu viel anderes zu tun.

Aber auch Meyer-Heder, inzwischen Parteichef, kümmert sich lieber wieder um sein sehr gut laufendes IT-Geschäft, als nochmal zu verlieren. Das wird nicht überall als Verlust empfunden, weil sein politisches Talent doch nicht so groß ist, und sein Bedürfnis, sich um die alltäglichen Niederungen des Politikgeschäfts zu kümmern, nicht so ausgeprägt. Schon gar nicht in der Opposition. Er hatte vor allem Chef werden wollen. Heute ist er mit „eher unauffällig“ politisch gut eingeordnet.

Der 53-jährige Imhoff hat den Vorteil, dass er guten Gewissens verlieren könnte. Schlimmstenfalls wird er halt Landtagsvizepräsident. Und obwohl er schon seit 1999 im Parlament sitzt, ist er kein typischer Berufspolitiker. Er ist Landwirt mit eigenem Hof am Stadtrand, und Plattdeutsch spricht er auch: Volksnah muss er sich nicht „geben“. Vielleicht ist er aber nur ein Platzhalter, denn es ist ja nicht so, dass es neben all den älteren Männern hier gar keine Frauen gäbe. Da ist etwa Wiebke Winter, Mitgründerin der Klimaunion, also schwarzgrünaffin, und jüngstes Mitglied im CDU-Bundesvorstand. Ihr Problem: Sie ist erst 26. Ihr Vorteil: Ihre Zeit kommt noch.

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