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Deutsche BahnSommersonderangebot für Familien

Sprit ist teuer, Flugtickets auch. Die Bahn hält mit einem Angebot für Familien dagegen. Gute Idee, meint ein Experte, sieht aber noch Luft nach oben.

Auf dem richtigen Gleis ist die Bahn mit ihrem Sommerangebot Foto: Rico Thumser/foto-leipzig/imago
Nanja Boenisch

Aus Berlin

Nanja Boenisch

99,99 Euro hin und zurück für eine Familie mit bis zu fünf Personen in ICEs und ICs: Damit schafft die Deutsche Bahn ein Sonderangebot für die Sommermonate, um Reisende in Zeiten teuren Sprits und Kerosins fürs Zugfahren zu begeistern. Die Sitzplatzreservierung ist inklusive, das Pauschalangebot gilt für die Sommerferien in allen Bundesländern.

„Der Familiensommerurlaub darf nicht ins Wasser fallen“, sagte Evelyn Palla, seit Herbst Chefin der Deutschen Bahn AG, am Dienstag. Familien, „die in der aktuellen Krise verunsichert auf die Sommerferien schauen“, könnten ihre Reise dank der „Urlaubsfamilienflatrate“ verlässlich planen, sagte Palla – und Geld sparen im Vergleich zu Auto- oder Flugreisen.

Seit Iran im Krieg mit den USA und Israel die Straße von Hormus am Persischen Golf abgeriegelt hat, ist der Ölmarkt unter Druck. Auch in Deutschland haben Ölkonzerne Diesel und Benzin verteuert. Die Bundesregierung versucht, die Preise mit einer Art Tankrabatt abzupuffern.

Ausbleibende Rohöllieferungen verknappen auf dem Weltmarkt zudem das Kerosinangebot, was sich in teureren Flugtickets niederschlägt. Um Kerosin zu sparen, hat die Lufthansa für dieses Jahr Kurzstreckenflüge gestrichen. Der deutsche Lobbyverband der Flughäfen droht mit weiteren Flugausfällen im Sommer. Das Klimaschutznetzwerk Stay Grounded fordert, den Flugverkehr insgesamt zu reduzieren, um der Kerosinknappheit beizukommen – und auch, um klimaschädliche Emissionen zu senken.

Grünenpolitiker fordert mehr Pünktlichkeit

Dass die Bahn mit dem Familienangebot eine Alternative bietet, „ökologisch und preislich attraktiv“, lobt Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Doch kurzfristige Aktionen dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Unternehmen „noch einige Hausaufgaben“ erledigen müsse. Mehr Pünktlichkeit, bessere Anschlüsse, eine zuverlässige Infrastruktur – das sei „für die Fahrgastgewinnung viel entscheidender“. Für weniger Störungen im Zugbetrieb müsse der Bund über mehrere Jahre hinweg genug Geld in die Schiene stecken.

Die Familienpauschale soll ab Mitte Juni buchbar sein, Details will die Bahn Anfang Juni bekannt geben.

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