Debatte um Schulöffnungen: Ferien sind Ferien!

Samstagsunterricht, verkürzte Sommerferien, voreilige Schulöffnungen: Die Fixierung auf Leistungen ist falsch.

Ein Kind schreibt in der Schule in ein Heft.

Erst fehlt der Unterricht und dann sollen auch noch die Ferien fehlen? Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Zwei Wochen lang haben die Osterferien allen Beteiligten eine kurze Verschnaufpause vom Homeschooling beschert. Doch kaum sind die Ferien zu Ende, flattern auch schon die Horrornachrichten ins Haus – zumindest für Schüler:innen aus Schleswig-Holstein. Die dortige Bildungsministerin Karin Prien schließt mittlerweile nicht mehr aus, Schulklassen bis zu den Sommerferien auch samstags in die Schule zu bestellen, um die schrittweise Rückkehr zum regulären Unterricht hinzukriegen. Und, viel gemeiner: Sie möchte, dass Kinder und Jugendliche ihre Lernrückstände in den Sommerferien aufholen. Das Ministerium werde entsprechende „Lernangebote“ bereitstellen. Soll heißen: Die Ferien könnt ihr euch in diesem Jahr abschminken. Zumindest die ganzen.

Damit ist Prien so ziemlich die einzige Unterstützerin eines Vorschlags, mit dem CDU-Mann Wolfgang Schäuble vor dem Wochenende für Kopfschütteln gesorgt hat: nämlich die Sommerferien zu verkürzen, um verpassten Stoff nachzuholen. Entsprechend trocken fielen auch die Statements aus den Kultusministerien aus. Selbst Markus Söder, der zum Wohl seiner Bürger:innen auch gern den Zuchtmeister spielt, hat verstanden, dass er die Sommerferien (deren Termin er wie ein Löwe gegen andere Länder verteidigt) nicht antasten darf. Ferien sind Ferien, basta! Und damit hat Söder nur allzu recht.

Zugegeben: Söder hat leicht reden. Schließlich beginnen die Sommerferien in Bayern gut einen Monat später als in anderen Ländern. Umgekehrt darf ein früher Ferienstart aber auch nicht zu fatalen Entscheidungen führen wie etwa in Nordrhein-Westfalen. Dort sollen am Donnerstag die Schulen öffnen, obwohl die Schulen die Vorbereitungszeit für zu knapp halten. Nur verständlich, dass Schüler:innen nun aus Sorge, ihre Familie mit Corona zu infizieren, zum Schulboykott aufrufen. Überhaupt erweckt die Politik den Eindruck, vor lauter Pflichterfüllung (Stichwort Abschlüsse) den psychischen Druck der Schüler:innen nicht ernst zu nehmen. Ihnen jetzt auch noch die Ferien wegzunehmen – das wäre wirklich zu viel.

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Seit 2013 für die taz tätig, derzeit als Bildungsredakteur sowie Redakteur im Ressort taz.eins. Andere Themen: Lateinamerika, Integration, Populismus.

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