Debatte um Altersgrenze für Social Media: Expert:innen fordern Regeln statt Verbot
Dutzende Kinderrechts- und Digitalrechtsorganisationen fordern anstelle eines Social-Media-Verbots Änderungen an Plattformen wie Instagram, Tiktok und Youtube.
Foto: Jochen Tack/imago
Eine Woche bevor die EU-Kommissionspräsidentin voraussichtlich ihre Pläne für eine Altersgrenze für die Nutzung von Social-Media-Diensten vorlegen wird, haben sich über 140 Organisationen und Expert:innen aus den Bereichen Gesundheit, Kinder- und Menschenrechte gegen ein Mindestalter ausgesprochen. In einem offenen Brief fordern sie: Die EU solle eine einheitliche Gesetzgebung beschließen, die Social-Media-Dienste zu zahlreichen Jugendschutzmaßnahmen verpflichtet – und so deren Nutzung sicherer macht. „Europa darf sich nicht mit einem pauschalen Verbot für Jugendliche zufriedengeben, denn dieses geht die Kernprobleme der suchterzeugenden und manipulativen Gestaltungsmerkmale von führenden Social-Media-Plattformen nicht an“, kritisiert Eve Geddie von Amnesty International.
In Deutschland arbeitet das Bundesbildungsministerium bereits an einem Gesetzentwurf für ein Mindestalter für die Nutzung von Social-Media-Plattformen. Und auch auf europäischer Ebene zeichnet sich ein entsprechendes Gesetz ab. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird voraussichtlich in der kommenden Woche konkrete Pläne vorlegen.
Eine von ihr eingesetzte Expertengruppe hatte jüngst 13 Jahre als Mindestalter vorgeschlagen. Das unterscheidet sich zwar nicht von der Altersgrenze, die sich die meisten Plattformen selbst setzen. In Form eines Gesetzes würde es aber zur Folge haben, dass sämtliche Nutzer:innen ihr Alter gegenüber den Plattformen nachweisen müssen. Eine Technologie dafür, die gleichermaßen datensparsam wie inklusiv und verlässlich ist, steht bislang nicht bereit.
„Digitale Dienste, die für Kinder zugänglich sind, müssen von vornherein und standardmäßig sicher sein, gestützt auf unabhängige Risikobewertungen und eine konsequente Durchsetzung“, erklärt Mieke Schuurman vom Netzwerk Eurochild, das wie Amnesty zu den Unterzeichnern gehört.
Untersuchungen aus Australien, wo seit vergangenem Dezember ein Mindestalter gilt, haben gezeigt, dass die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen die Schranke umgeht. Die Regierung plant laut einem Bericht des Guardian nun einen weiteren Ansatz: Nutzer:innen sollen den personalisierten Algorithmus deaktivieren können und dann nur noch Beiträge von Nutzenden sehen, mit denen ihr Konto verbunden ist.
Umverteilung gegen rechts
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