Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Glückliche Tage für den Fußball
Gianni Infantino erinnern die Diskussionen um eine Rote Karte an seine Zeit als Nachwuchsfußballer. Auch da ist über Schiedsrichter diskutiert worden.
7. Juli 2026
W as bin ich doch für ein glücklicher Mensch! Das liegt an den Ereignissen der vergangenen Tage, die die Fußballwelt umgetrieben haben. Wer wie ich den Fußball liebt, muss seine helle Freude gehabt haben an all den Diskussionen um eine Rote Karte für einen US-Spieler. Ich musste dabei nicht nur einmal an meine Kindheit denken, an den kleinen Fußballer Gianni, der vielleicht nicht so begabt war wie andere, aber mindestens ebenso ehrgeizig wie die Besten im Team. Nach einem Punktspiel konnten wir stunden-, manchmal sogar tagelang über einzelne Spielszenen reden.
Natürlich haben wir bisweilen auch über einen Schiedsrichter und seine Entscheidungen diskutiert. Wir haben uns geärgert und uns manchmal mehr als klammheimlich gefreut, wenn der Unparteiische mal zu Unrecht zu unseren Gunsten entschieden hat. Wenn wir uns betrogen fühlten, hätten wir nur allzu gern gewusst, an wen wir uns mit einer Beschwerde richten können. Das ist in unserem wunderbaren Verband ganz anders. Hier gibt es für alle nur denkbaren Anliegen eine Kommission. Auch deshalb liebe ich die Fifa so sehr.
Gianni Infantino ist immer am Ball. Überall. Bei der Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA natürlich erst recht. Da kommt niemand mehr hinterher. Außer der Fifa-Präsident selbst. Vielleicht. Die taz hat Zugang gefunden zu seinem geheimen Tagebuch. Alle Tagebucheinträge finden Sie hier.
Die Kommissionen treffen Entscheidungen beinahe so, wie sie wollen. Manchmal werde ich gar nicht nach meiner Meinung gefragt, auch wenn ich durchaus etwas zu sagen hätte. Dafür gibt es ein wunderbares Wort, das in der DNA der Fifa fest eingeschrieben ist: Unabhängigkeit. Mich überrascht es bisweilen selbst, wie diese Kommissionen entscheiden.
Bonus akzeptiert
Als vor Kurzem der Vergütungsausschuss, in dem wunderbare Kollegen aus der Schweiz, aus Spanien und Indien sitzen, entschieden hat, dass der jährliche Bonus des Fifa-Präsidenten von 1,81 Millionen Euro auf 2,42 Millionen Euro erhöht wird, war ich ebenso überrascht wie erfreut. Natürlich habe ich diese Entscheidung akzeptiert.
Genauso habe ich die Entscheidung unserer Disziplinarkommission akzeptiert, die Sperre nach der Roten Karte für diesen Fußballer aus dem Team der USA zur Bewährung auszusetzen. Ich hätte sie auch akzeptiert, wenn mich mein Freund Donald Trump vor der Entscheidung nicht angerufen hätte. Und natürlich akzeptiere ich, dass über diese Entscheidung mit viel Herzblut diskutiert wird, so wie wir Buben damals nach unseren Spielen diskutiert haben.
Außerdem bin ich froh, dass durch all die Diskussionen endlich einmal ein Licht auf all die Gremien geworfen wird, die Tag und Nacht alles dafür unternehmen, den Fußball noch besser zu machen, als er es ohnehin schon ist. Wir haben eine Ethikkommission, eine Berufungskommission, eine Governance, Audit- und Compliancekommission und eine Prüfungskommission.
Wunderbare Menschen leisten da wertvolle Arbeit. In der Governance-, Audit- und Compliancekommission sitzt mit Polina Jumaschewa eine Frau aus Russland, die als Tochter eines engen Beraters meines Freundes Wladimir Putin von der Pike auf gelernt hat, wie man eine große Organisation führt. Auch das macht mich glücklich.
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