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Das WM-Tagebuch des Fifa-PräsidentenMich können alle anrufen

Fifa-Präsident Infantino hat für alle ein offenes Ohr, die den Fußball besser und gerechter machen wollen. Donald Trump gehört fraglos auch dazu.

5. Juli

Was ist das überhaupt für eine Frage? Ob ich mit Donald telefoniert habe? Wir sprechen ständig miteinander, das sollte die Welt doch so langsam wissen. Schließlich habe ich oft genug davon erzählt. Und natürlich reden wir über alles Mögliche. Gefühlt eigentlich jeden Tag. Über die Situation im Irankrieg und die richtige Politik im Gaza schon deshalb, weil Donald mich in diesen Friedensrat berufen hat. Das gehört zu meinem Job.

Berufen hat er mich, weil er meinen unvoreingenommenen Blick von außen schätzt. Seine ganzen Experten, die ihm ständig widersprechen, gehen ihm auf die Nerven. Das kann ich gut nachvollziehen. Besserwisser gibt es ständig und überall. Deshalb habe ich ihm damals schon angeboten, er könne sich jederzeit bei mir melden, wenn er so unbeeinflusst wie ich etwas sehe, wie wir den Fußball besser und gerechter machen können.

Und es ist nicht immer alles schwarz oder weiß, manchmal, wenn ich mir diesen guten Scherz erlauben darf, sind die Dinge rot oder nicht rot. Ob die Rote Karte für diesen US-Fußballer eine gute Entscheidung gewesen ist, darüber muss man in einer offenen Organisation wie der Fifa diskutieren können. Vielleicht war es richtig, vielleicht war es aber auch falsch. Die Strafe auf Bewährung auszusetzen, war deshalb eine kluge Entscheidung.

Es wäre doch fatal, wenn wir die gute Entwicklung des Fußballs auf dem US-Markt wegen einer Entscheidung bremsen würden, von der wir nicht restlos überzeugt wären. In so einer heiklen Angelegenheit müssen wir alle anhören. Donald freilich auch.

Guter Kompromiss: Nächstes Vergehen wird bestraft

Es wäre zudem ganz schön arrogant von mir, einerseits in so einem wichtigen Gremium in der Weltpolitik mit meinen geistreichen Beiträgen mitzumischen und andererseits auf die originellen Ideen von Donald für den Weltfußball verzichten zu wollen. Dass wir nach unserem Reglement Strafen nachträglich auf Bewährung aussetzen können, hatte ich ehrlich gesagt nicht auf dem Schirm.

Da ist uns nun doch ein fantastischer Kompromiss gelungen. Sollte diesem US-Spieler auf dem Rasen noch einmal ein strafwürdiges Foul unterlaufen, wird er sofort bestraft. Das ist eine klare Botschaft an den Spieler und eine gute für die Belgier.

Wenn mir jetzt Einseitigkeit vorgeworfen wird, verletzt mich das selbstverständlich. Jeder weiß doch um meine Vielseitigkeit. Wenn der belgische König mit mir telefonieren möchte, würde ich ihm niemals das Gespräch verweigern. Sehr gerne höre ich mir an, was er mir zu sagen hat. Und sollten seine Ratschläge den Fußball besser und gerechter machen, werden wir diese schon am nächsten Tag umsetzen. Das kann ich an dieser Stelle versprechen.

Das gilt im Übrigen auch für sie, liebe Leserinnen und Leser meines Tagebuchs. Unseren Fußball noch besser zu machen, ist seit meiner Amtszeit zwar fast schon unmöglich geworden, aber falls Sie trotzdem eine Idee haben sollten, zögern Sie bitte nicht, meine Nummer zu wählen. Derzeit bin ich am besten mobil erreichbar.

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1 Kommentar

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  • Würde gerne wissen, was in diesen Telefonaten mit Trump so alles besprochen wird. Ob eventuell Rote Karten zurückgezogen werden, warum der Präsident sich ausgerechnet für einen Farbigen einsetzt, nur dass FIFA-Götter dann doch einlenken für ein bisschen Extrageld.