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DFB-Testspiele vor der WMBegeistern zu Kriegszeiten

Julian Nagelsmann mag sich die Vorfreude auf die WM in den USA nicht nehmen lassen. Mit welchen Spielern er da hinfährt, hat er schon im Kopf.

Klar freut sich einer wie Julian Nagelsmann, der wie kaum ein anderer ausstrahlt, dass er kaum etwas anderes als Fußball im Kopf hat, auf den anstehenden Lehrgang mit den von ihm nominierten Nationalspielern. Mitte November beim 6:0 gegen die Slowakei im finalen WM-Qualifikationsspiel hat der Bundestrainer seine Nationalspieler zum letzten Mal gesehen. Am Montag kommen die 26 Leute, die er nominiert hat, endlich wieder zusammen, um sich auf die Testspiele gegen die Schweiz am Freitag in Basel (20.45 Uhr, RTL) und gegen Ghana am Montag darauf in Stuttgart (20.45, ARD) vorzubereiten.

Die Spiele sollen gut werden, natürlich. Und auch wenn es mal ein Unentschieden geben sollte, so mahnte Nagelsmann die zur Kaderbekanntgabe in Frankfurt versammelten Journalisten, „müsst ihr nicht gleich alles in Grund und Boden schreiben“. Wenn das Tempo der Spieler nur halbwegs an die Geschwindigkeit herankommt, mit der Nagelsmann jede Frage zur politischen Situation in den USA und der Welt umdribbelt hat, dann könnten es sehenswerte Abende werden.

Ich bin ein Mensch

Julian Nagelsmann, Bundestrainer

Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes hatte mit einer Stellungnahme zur Situation vor der WM in Mexiko, Kanada und den USA die Sprachregelung vorgegeben, die der Bundestrainer offensichtlich regelrecht aufgesogen hat. „Wir glauben an die verbindende Kraft des Sports und an die weltweite Wirkung, die eine Fußball-Weltmeisterschaft entfalten kann“, hieß es darin. Daran mag auch Nagelsmann glauben.

Trainer und Privatmann

Was da gerade passiert in den USA und was die USA da gerade mit ihrem Krieg gegen Iran anrichten, das bekomme er wohl mit: „Ich bin ein Mensch“, sagt Nagelsmann. Und als solcher mache er sich natürlich seine Gedanken, „als Privatperson“. Und nur als Privatperson äußere er dann seine Meinung. Aber das sei eben Privatsache. Und all denen, die „aktuell noch skeptisch auf das Turnier blicken, weil Dinge bedroht sind, die vielleicht von unserem Ideal abweichen“, deren Stimmung will er mit „begeisterndem Fußball“ vielleicht ein wenig anheben. Das Weltgeschehen beeinflussen könne der Fußball sowieso nicht.

Seine Vorfreude auf das Turnier lässt sich Nagelsmann so leicht nicht nehmen. Es sei schließlich seine erste WM. Auch darauf hat er ausdrücklich hingewiesen und beantwortete dann ausführlich alle Fragen zum Kader für die zwei Länderspiele, der sich nicht groß unterscheiden wird vom Aufgebot für die WM im Sommer. Das waren durchaus interessante Erläuterungen. So werden nicht unbedingt die 26 besten Kicker des Landes nominiert, sondern neben den 13, 14 Stammspielern um Joshua Kimmich, Nico Schlotterbeck, Jonathan Tah oder Florian Wirtz vor allem solche, die keine Probleme mit ihrer Rolle als Ersatzspieler haben.

Dass nicht jeder Name für ein Zungenschnalzen sorgt, ist auch Ausweis einer veränderten Fußballkultur, in der sich fast alles um die ganz großen Stars und die ganz großen Weltklubs dreht. Ein solcher ist in Deutschland allein der FC Bayern. Und so kann fast jeder, dem Fußball nicht ganz egal ist mit den Namen Lennart Karl oder Jonas Urbig etwas anfangen, obwohl sowohl der jugendliche Techniker als auch der hochbegabte Torwart gerade erst beginnen, Spuren im Fußball zu hinterlassen. Die beiden sind zum ersten Mal nominiert.

Englische Rätsel

Dass dagegen der gewiss begabte Rechtsverteidiger Josha Vagnoman von VfB Stuttgart schon einmal zu einem Einsatz in der Nationalmannschaft gekommen ist, hat im deutschen Fußballgedächtnis hingegen kaum Spuren hinterlassen. Während das Wohl und Wehe von Leon Goretzka beim FC Bayern landesweit rauf und runter diskutiert wird, gehören Kenntnisse über so manch anderen im frischen Kader des DFB-Teams nicht unbedingt zum fußballerischen Allgemeinwissen. Wie etwa der 22-jährige Jungspund Natahniel Brown bei Eintracht Frankfurt zum Stammspieler geworden ist, können neben den ganz großen Fußballnerds wohl nur eingefleischte Eintracht-Fans beurteilen.

Wie sich die Deutschen machen, die von irgendeinem stinkreichen Premier-League-Klub nach England geholt worden sind, auch das dürften nur die wenigsten verfolgen. Gewiss werden sich ein paar Leute erinnern, dass ein gewisser Anton Stach, „Stachi“, wie Nagelsmann sagt, vor der Abwehr bei der TSG Hoffenheim so gut gespielt hat, dass er es zu zwei Länderspieleinsätzen gebracht hat. Was er aber bei Leeds United auf den Platz bringt, bekommt hierzulande kaum jemand mit.

Mittelfeldspieler Pascal Groß sorgt mit seinen Auftritten bei Brighton & Hove Albion auch nicht jede Woche für Schlagzeilen. Der habe die große Gabe, Menschen zu verbinden, sagte Nagelsmann über den Ex-Dortmunder. Und das ist es ja, was den Fußball in den Augen des DFB ausmacht: die verbindende Kraft.

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